Klingt im Wind ein Wiegenlied … es ist ein kurzes Sommergedicht von Theodor Storm, welches die Tage im Monat Juli beschreibt.
Entstanden sind die Verse im Jahr 1860 und erschien erstmals 1889 in Storms Werk „Gedichte“ im Verlag der Gebrüder Paetel.
∼ Juli. ∼
Klingt im Wind ein Wiegenlied,
Sonne warm herniedersieht;
Seine Ähren senkt das Korn;
Rote Beere schwillt am Dorn;
Schwer von Regen ist die Flur –
Junge Frau, was sinnst du nur?Theodor Storm (1860)
Interpretation der Dichterverse
Zunächst beschreibt Theodor Storm einen heißen Julitag. Die gesenkten Ähren auf den Kornfeldern sind ein Sinnbild für die Reife der Natur, aber auch der Reife des Lebens – des Lebens, welches auf seine Bestimmung zugeht. Dabei könnte man eigentlich meinen, wenn es der Titel nicht anders festlegen würde, dass der Dichter einen Spätsommer- oder Herbsttag skizziert.
Doch das Jahr ist auf seinem Höhepunkt. Es ist noch keine Herbststimmung, obwohl es sicher jedem schon einmal so ergangen ist, dass bei einer Fahrt über Land etwas erschrocken festgestellt wird, wie die Weizenernte schon voll im Gange ist.
Diese vermeintlich spätsommerlichen Bilder leerer Stoppelfelder, lösen nicht selten einen merkwürdigen Stimmungskontrast in uns aus. Ich denke, mit diesen Gefühlen spielt der Dichter.
Natürlich zeigen schon die ersten Worte des kurzen Gedichtes, dass es in dem Reim nicht nur um die Natur geht: „Klingt im Wind ein Wiegenlied.“
Desgleichen auch die letzte Zeile: „Junge Frau, was sinnst du nur?“. Da braucht man gar nicht lange drumherum zu reden. Es geht um die Entscheidung, ein Kind zu bekommen.
Theodor Storm (1817 – 1888) hatte einige Kinder mit seiner Ehefrau Constanze Esmarch, mit der er seit 1846 verheiratet war. Am 20. Mai 1865 starb diese bei der Geburt ihres siebenten Kindes.
Bekannt ist aber auch, dass Storm eine Geliebte hatte und zwar die elf Jahre jüngere Dorothea Jensen, die kurz nach seiner Heirat in sein Leben trat. Diese ehelichte er nach dem Tod seiner ersten Frau.
Galten ihr die Verse? Wie dem aus sei, das Sommergedicht ist zugleich eine Art Liebesgedicht mit leicht erotischen Anklängen.
Ähnlich
Ein ähnliches aber herbstliches Gedicht von Johannes Schlaf (1862-1941 ebenda), der ein deutscher Dramatiker und Erzähler war und dem deutschen Naturalismus zugehörig gilt, findet sich in meiner poetischen Sammlung.
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[][ZP.GJ.2.13] 02.01.2014