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„Gib Deinem Wunsche Maß und Grenze,
und dir entgegen kommt das Ziel.“
Diesem Gedankensplitter von Theodor Fontane (1819–1898) wird man leicht zustimmen. Und doch liegt in ihm eine stille Herausforderung. Denn „Maß“ und „Grenze“ klingen in unseren Ohren zunächst nicht nach Weite, sondern nach Einschränkung. Nach Verzicht. Nach Verkleinerung.
Aber meint Fontane das wirklich?
Vielleicht leiden wir heute weniger an zu großen als an form- und richtungslosen Wünschen. Vielleicht fehlt es nicht an Sehnsucht, sondern an Gestalt.
Die eigentliche Not unserer Zeit
Bevor wir über Maß und Grenze sprechen, müssen wir uns etwas anderes eingestehen: Viele Menschen haben das Wünschen selbst verlernt.
Unabhängig sein.
Den richtigen Partner finden.
Den ersehnten Beruf ergreifen.
Solche Herzenswünsche tragen wir oft nur noch wie ferne Erinnerungen in uns. Zu häufig haben wir erlebt, dass sich Dinge nicht ändern. Dass Anstrengung ins Leere läuft. Dass Bemühen ohne sichtbares Ergebnis bleibt.
Doch gerade hier setzt Fontane an.

Maß ist nicht Beschneidung – sondern Gestalt
Ein Wunsch darf grenzenlos beginnen.
Er darf groß sein.
Er darf kühn sein.
Aber wenn er grenzenlos bleibt, bleibt er auch gestaltlos. Er wird Nebel. Sehnsucht ohne Richtung.
Maß bedeutet nicht, den Traum zu verkleinern.
Maß bedeutet, ihm eine Form zu geben.
Ein Haus wird nicht kleiner, weil es Mauern hat.
Erst durch Mauern wird es bewohnbar.
Eine Melodie wird nicht ärmer, weil sie Takt und Rhythmus kennt.
Erst durch Maß wird sie hörbar.
So ist es auch mit unseren Wünschen.
Ein Traum ohne Form bleibt Vorstellung.
Ein Traum mit Maß wird Wirklichkeit.
Beginne mit dem Fundament.
Stein für Stein.
Und eines Tages stehst du nicht mehr im Wunsch –
sondern in deinem eigenen Haus.
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