Das Schweigen vor jeder Benennung
Es gibt Zeiten,
in denen nichts mehr hinzugefügt werden kann.
Nicht aus Mangel an Ideen,
sondern weil alles gesagt, gedacht, getragen wurde.
Erschöpfung ist kein Defizit.
Sie ist der Zustand, in dem etwas vollständig geworden ist.
In der Erschöpfung verliert das Wollen seine Selbstverständlichkeit.
Pläne rücken fern.
Absichten lösen sich.
Nicht abrupt, sondern leise.
Was bleibt, ist kein Nichts.
Es ist ein Raum ohne Forderung.
Ein Zustand, der nichts erwartet
und deshalb nichts verteidigen muss.
Erschöpfung entzieht dem Tun das Recht,
sich selbst fortzusetzen.
Sie unterbricht.
Und in dieser Unterbrechung liegt eine eigene Ordnung.
Schöpfung beginnt nicht dort,
wo neue Kraft gesammelt wird.
Sie beginnt auch nicht mit Entschlüssen
oder mit einem klaren Bild von dem, was kommen soll.
Schöpfung geschieht im ersten Schritt,
im Schweigen vor jeder Benennung.
Dann entsteht nichts Sichtbares,
aber etwas wird möglich.
Nicht als Aufgabe,
sondern als Richtung.
Die Rauhnächte erinnern an diesen Zustand.
Nicht als besondere Zeit,
sondern als Erfahrung des Dazwischen.
Zwischen dem, was gewesen ist,
und dem, was noch keinen Namen hat.
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Und die Erde war wüst und leer,
und es war finster auf der Tiefe. (1. Mose 1,1)
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