Bargeldabschaffung geplant? Ein kleiner Kulturschock in Rot. Oder: Bageld überweisen – geht das?

Bargeldeinzahlung Satirebild, Angestellte fühlt sich berdoht

Ein harmloser Auftrag – was sollte schon schiefgehen?

Heute erlitt ich in meiner örtlichen Sparkasse einen mittelmäßigen Kulturschock. Und das kam so:

Neulich hatte ich unserem Vereins-Schatzmeister versprochen, 1.200 € aus der Bargeldkasse aufs Vereinskonto einzuzahlen, damit zum Jahresabschluss kein Bargeld mehr in der Kasse liegt, was den Jahresabschluss etwas vereinfacht.

Der Mann ist gerade mehrere Wochen in Italien beschäftigt – beneidenswert –, also übernahm ich die Aufgabe. Gegen 17 Uhr, zwischen ein paar vorweihnachtlichen Erledigungen, führte mich mein Weg also ins Sparkassengebäude.

Da außer mir nur ein weiterer Kunde im Foyer stand, kam ich sofort an die Reihe. Die überaus freundliche Mitarbeiterin hörte sich mein Anliegen an – um mich dann direkt zum Bargeld-Einzahl-Automaten weiterzureichen: Karte rein, Scheine rein, fertig. So weit, so modern.


Kleines Detail, große Wirkung

Nur ein Problem: Das Geld sollte ja nicht auf mein Konto, sondern auf das des Vereins. Und dessen Karte besitze ich nicht. Falls der Verein überhaupt eine hat. (Spoiler: hat er nicht.)

Die Dame lächelte: „Dann geht das nicht.“

Meine Gegenfrage: „Und wie bezahle ich heute eine Rechnung per Bareinzahlung?“
Antwort: „Das gibt es seit Corona nicht mehr.“

Mir blieb kurz die Sprache weg.
„Sie müssen das Geld erst auf Ihr eigenes Konto einzahlen und dann überweisen.“

Aha.

Saubere Lösung? Eher nicht.

Meine eigene Geldkarte hatte ich daheim gelassen. Ich bin also erst einmal aus dem Laden raus, um über diese … kreative Lösung nachzudenken.

Ergebnis: Nein, sauber ist das nicht. Also werde ich dem Schatzmeister das Geld im neuen Jahr einfach wiedergeben – was natürlich blöd ist, weil er die Einzahlung gern im alten Haushalt verbucht hätte.

Bargeldabschaffung light?

Und ich gebe es zu: Je länger ich darüber nachdenke, desto eher fühle ich mich an jene Verschwörungstheorien erinnert, die schon seit den 1990ern behaupten, dass man das Bargeld abschaffen wolle – natürlich nicht direkt, sondern erst einmal durch Alltagserschwernisse. Ganz subtil.

Denn: Warum sollte eine Sparkasse so etwas freiwillig tun? Also als Filialinstitut freiwillig ihr ureigenstes Geschäft aufgeben, gesetzliche Zahlungsmittel für Überweisungen nicht anzunehmen. Da scheint es doch irgendwo eine „höhere Macht“ (nein, nicht die kosmische) zu geben, die Druck ausübt. Aluhut und Holzauge sei wachsam.

Wenn ich in einer Bank nicht einmal mehr eine Handwerkerrechnung bar bezahlen kann – wozu brauche ich dann noch eine Bankfiliale?

„Die Bank vergibt doch Kredite!“ – Ja, Moment …

Jetzt wäre der Moment, an dem ein Faktenchecker einschreitet und erklärt, dass Banken wichtig seien, weil sie Kredite vergeben. Und das sei schließlich persönlich und individuell.

Nun, auch hier habe ich schon einen kleinen Schock hinter mir. Ich lebe offenbar noch in der guten alten Zeit, in der der Wert einer Immobilie als Sicherheit für einen Kredit genügte. Seit 2019 ist das vorbei. Heute zählt vor allem die Bonität des Kreditnehmers – und wenn im eigenen Haus Familienmitglieder zur Miete wohnen, wird deren Bonität gleich grob mitgeprüft. (Bei mir war das tatsächlich so.)

Zwei Jahre später kam dann auch noch ein „Kontrolleur“, der – trotz meines bezahlten Wertgutachtens – durch alle Zimmer lief, um den Wert der Immobilie erneut „selbst zu prüfen“. Höflich, professionell, gesetzlich vorgeschrieben. Alles gut.

Aber trotzdem stellt sich die Frage:
Wozu brauche ich dafür ein physisches örtliches Kreditinstitut?

All diese Unterlagen und Nachweise hätte ich genauso gut an eine 08/15-Online-Bank schicken können – und auch dort einen Kredit bekommen.

Und am Ende?

Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Nicht ich habe einen Kulturschock erlitten, sondern die Sparkasse. Offenbar kann sie mit ihrer eigenen Tradition nichts mehr anfangen.

Und was ist, wenn diese Verschwörungsidee des „Bargeldverbotes“ am Ende doch nicht real wird? Wäre das nicht eine Art Worst-Case-Szenario?

Thomas Jaocb, 25.11.2025

Related Posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert