Prof. Christian Schlüchter (2019) über die Klimageschichte der Alpen und die Rolle der Sonne

Schweiz Morteratschgletscher im Gebirge

Bild: Morteratsch-Gletscher (Schweiz). ©Andreas Handschin, 2007

Gletscherschmelze in den Alpen. Was ist die Ursache?

Ein Vortrag von Prof. Christian Schlüchter (siehe Video unten)

Ergänzend zu meinem Blog-Artikel vom 2. Juli 2025 über den Fund einer rund 10.000 Jahre alten Lärche am Morteratsch-Gletscher in der Schweiz – freigelegt durch das Abschmelzen des Eises – sei hier auf einen Vortrag des Geologen Prof. Christian Schlüchter vom November 2019 hingewiesen.

Prof. Schlüchter, ein ausgewiesener Spezialist in der Datierung subfossiler Hölzer und langjährig erfahrener Glaziologe, war an der Bergung des oben erwähnten 10.000 Jahre alten Baumstumpfes beteiligt, wobei der besagte Vortrag den Wert dieses Fundes wohl am besten deutlich macht.

In seinem Referat – im Video unten nachzuverfolgen – thematisiert er die Klimageschichte und Gletscherdynamik der Alpen, wobei er auch grundsätzliche Überlegungen zum gegenwärtigen Klimawandel anstellt.

Sonnenaktivität statt Anthropogenese?

Bemerkenswert ist, dass Prof. Schlüchter – wenn auch nicht ausdrücklich – den derzeitigen globalen Temperaturanstieg nicht menschlichen Einflüssen, sondern solaren Faktoren zuschreibt. Als Argument führt er an, dass nur durch Schwankungen der Sonnenaktivität die sprunghaften Gletscherbildungen und Gletscherschmelzen der letzten 12.000 Jahre plausibel erklärt werden können.

Das 8.2-Ereignis – ein plötzlicher Kälteeinbruch

Ein Punkt im Referat, welcher gleich zum Anfang genannt werden soll – weil schnell übersehen – ist das sogenannte 8.2-Ereignis, das sich nach heutigem Forschungsstand um 6.200 v. Chr. (also vor etwa 8.200 Jahren) ereignete.
Kurz gefasst: Damals endete eine ausgesprochen warme postglaziale Phase mit einem abrupten Kältesturz, der etwa zwei Jahrhunderte anhielt. In Anatolien war es zuvor bespielsweise im Schnitt ca. zwei Grad wärmer als heute, was in Anatolien die bäuerliche Lebensweise entstehen lies. Es folgte ein Käletsturz um ca. 3°C, der dann allerdings auch den Startschuss für die älteste europäische Zivilisation gab (siehe: Donauzivilisation).

Dieses Ereignis war jedoch nicht das einzige. Innerhalb der gesamten Warmzeit nach der letzten Eiszeit (bis 500 n. Chr.) lassen sich mindestens neun kurzzeitige Kältephasen nachweisen, während derer Alpengletscher entstanden und sich wiederholt ausdehnten (vgl. Video, Minute 31:30).

Vom Spätantiken Klimawandel zur „Kleinen Eiszeit“

Nach der Römerzeit, etwa ab dem Jahr 500 (Ende des Weströmischen Reiches) begann eine neue klimatische Epoche, die sich deutlich von den vorangegangenen, weitgehend milden Jahrtausenden unterschiedt: eine anbrechende, ungewöhliche, rund 1500-jährige Periode von Kälte und anhaltender Vergletscherung in den Gebirgen – eine Kälteperiode, die allerdings milder als die Würm-Eiszeit war, aber doch markant kühler als das frühe Holozän.

In dieser Kälteperiode kam es um das Jahr 1000 n. Chr. zu einer kurzen, aber intensiven Wärmephase – dem sogenannten mittelalterlichen Klimaoptimum, in dem die Wikinger bekanntlich Grönland besiedelten. Darauf folgt wiederum rasch die Abkühlung und die sogenannte „Kleine Eiszeit“ (ca. 1300–1850), die wohl kälteste Phase der letzten 10.000 Jahre, mit ihrem Kältemaximum im 17. bis 19. Jahrhundert. Ich vermute, das ist den wenigsten Lesern so bewusst…

Erwärmung seit 1850 – ein zyklisches Muster

Seit etwa 1850 lässt sich wieder ein deutlicher Temperaturanstieg beobachten – ein Muster, das sich in den letzten 12.000 Jahren mehrfach wiederholt hat.

Diese Erwärmung begann jedoch lange bevor ein nennenswerter, vom Menschen verursachter CO₂-Anstieg messbar war. Es spricht daher vieles für einen natürlichen, zyklischen Temperaturwechsel, wie er das Klima der Nacheiszeit von Anfang an geprägt hat.

 


Exponentielle Kurven der Klimawechsel – keine lineare Prozesse

Eine besonders aufschlussreiche Beobachtung Schlüchters ist seine Feststellung, dass klimatische Veränderungen nicht linear, sondern exponentiell verlaufen:

Wenn eine stabile Klimaperiode kippt – meist nach etwa 700 bis 800 Jahren – geschieht der Übergang rasch und sprunghaft, nicht langsam und gleichmäßig, wie es manche Modelle nahelegen.

Diese Deutung steht quer zu populären Deutungsmustern, welche die Klimaerwärmung als linearen Prozess definieren, was Schlüchter am Ende des Vortrags explizit erwähnt.

Ein persönlicher Gedanke

Aus heutiger Perspektive scheint die gegenwärtige Erwärmung also ein wiederkehrendes Naturphänomen zu sein, das im Verlauf der Erdgeschichte mehrfach auftrat.

Doch es bleibt der Verdacht, dass politische und wirtschaftliche Akteure jedes Ereignis – ob von Mensch oder Natur verursacht – strategisch zu nutzen wissen.

Möglicherweise gilt hier das alte Prinzip: „Kein Ereignis bleibt ungenutzt, wenn sich daraus Macht oder Gewinn ziehen lässt“. Ich hoffe, diese Bemerkung wird nicht als zu scharf empfunden – sie soll eher zum Nachdenken anregen.

Solare Parallelen zwischen Nord und Süd

Zurück zu Prof. Schlüchter: Er verweist auf geologische Befunde von der nördlichen antarktischen Halbinsel, deren Gletscherdynamik zeitlich mit den alpinen Gletscherzyklen korrespondiert. Das trifft besonders auch auf das 8.2-Ereigneis zu (siehe oben), was durchaus bemerkenswert ist.

Diese Gleichzeitigkeit klimatischer Veränderungen auf Nord- und Südhalbkugel stützt die Annahme globaler solarer Einflüsse.

Auch die Kohlenstoff-14-Schwankungen (bekannt als de Vries-Effekt) belegen solche solaren Zyklen, da ¹⁴C eng mit der kosmischen Strahlung und somit mit der Sonnenaktivität verknüpft ist (vgl. Video, Minute 20:50).

Fazit

Der Vortrag von Prof. Schlüchter liefert bemerkenswerte Argumente für ein zyklisch geprägtes, sonnenabhängiges Klimageschehen.

Mit diesen ergänzenden Erläuterungen dürfte das Referat für den Leser leichter einzuordnen sein – und vielleicht auch eine Einladung darstellen, die gängigen Erklärungsmuster des „Klimawandels“ neu zu überdenken:


Das Video:

YouTube-Kanal: EIKE – Europäisches Institut für Klima und Energie; Videotitel: „Christian Schlüchter – Klimawandel und Gletscherschmelze in den Alpen“; 22.12.2019; „Internationale EIKE-Klima- und Energiekonferenz (IKEK-13) am 22. und 23. November 2019 in München.“; Video-Kennung: 7InP45jLsCU


Quellen und Ergänzungen

Beitragsbild ganz oben: https://commons.wikimedia.org/wiki/ File:Morteratschgletscher_2007.jpg

Siehe auch:

  • YouTube-Kanal EIKE – Europäisches Institut für Klima und Energie; “Prof. Dr. Gernot Patzelt: Gletscher als Klimazeugen (1/2)” ; 28.01.2010
  • YouTube-Kanal EIKE – Europäisches Institut für Klima und Energie; “Gernot Patzelt – Die Klimaentwicklung der Nacheiszeit”; 23.11.2018 (hier bei Minute 15:45 sichbar die Vergletscherung um 4400 BC)

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