Zwei Freunde trennten sich in jungen Jahren.
Der eine wurde Beamter am Hof, stieg zu hohem Rang auf, lebte in großen Häusern und hatte mehr als genug von allem.
Der andere wurde Mönch. Er lebte einfach, von Reis, Bohnen und Gemüse, besaß kaum etwas – und war frei.
Jahre später begegneten sie sich wieder.
Der Beamte sagte:
Dein Leben ist hart. Wenn du mehr gehabt hättest, wärst du heute besser dran und muss nicht nur von Reis und Bohnen leben.
Der Mönch lächelte:
Gerade weil ich von Reis und Bohnen lebe, schulde ich niemandem meinen Rücken, meine Zeit oder meine Gedanken.
Der Beamte schwieg. Ihm wurde bewusst, dass sein Überfluss ihn an Pflichten, Erwartungen und Macht gebunden hatte, während der Mönch das besaß, was ihm selbst fehlte: Unabhängigkeit.
Gedanken für heute
Moderne Versklavung entsteht selten durch Mangel. Meist entsteht sie durch ein Zuviel – durch ein Übermaß an Verpflichtungen, Konsum, Lebensstil, den Vergleich mit anderen und das ständige Streben nach mehr. Wer dauerhaft über seinen Verhältnissen lebt, bindet sich selbst: Zeit, Energie und Freiheit gehen verloren.
Autarkie und Ausgeglichenheit entstehen dort, wo man bewusst ein kleines Stück unter dem möglichen Standard lebt. Dieser Abstand zum Maximum schafft Raum für Selbstbestimmung, Gelassenheit und Freiheit.
„Die Frömmigkeit aber ist ein großer Gewinn, wenn sie mit Genügsamkeit verbunden ist.
Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen.“
– 1. Timotheus 6,6–8
Reichtum ist nicht das Ziel, Genügsamkeit schon. Wer sich mit dem Wesentlichen begnügt, lebt frei – unabhängig von äußeren Zwängen.
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Diese eher modern erschaffene Anekdote vom Beamten und Mönch ist im englischen Sprachraum ein absoluter Klassiker der Finanz- und Lebensphilosophie. Vom folgenden Interview habe ich sie aufgegriffen: Interviw von Steven Bartlett mit JL Collins (Autor von The Simple Path to Wealth) – deutsche Version vom 12.01.2026 – im Interview geht es um den Kern von wahrer finanzieller Freiheit, die letzlich durch Klugheit und Genügsamkeit zu erreichen ist.
