Bild: Eskimo-Jäger im Jahre 1924. Die Nahrung der Arktis-Völker ist traditionell extrem Fleisch- und Fettlastig. Fehlernährt waren sie dadurch nicht.
[Beitrag in Erstellung]
Arbeitstitel: Warum wir im Dauer-Herbst gefangen sind – und wie Keto den Wohlstand zurückbringt
Ernährungsdebatten ohne klare Richtung
Seit Jahrzehnten wechseln die Ernährungstrends im Takt der Moden. Mal ist Fett der große Feind, mal Milch, mal Eier, mal die Kohlenhydrate. Dieses ständige Hin und Her hat uns wenig gebracht – außer steigendem Übergewicht, chronischen Entzündungen und wachsender Frustration.
Wenn ich von einer kohlenhydratarmen, fettreicheren Ernährung spreche – also von Keto (ketogener Ernährung [1]), zumindest in Teilen – stoße ich meist auf Skepsis. Das liegt weniger an Gegenargumenten als an tief verwurzelten Gewohnheiten.
Wir lernen schon früh: Wurst nur mit Brot. Butter bitte sparsam. Süßes als kleine Belohnung. Ein Stück Käse pur? Ein Würstchen ohne Beilage? Das wirkt fast schon seltsam.
Fett gilt als klassischer Dickmacher, Kohlenhydrate dagegen als harmlos.
Doch unser Körper speichert nicht nur Fett. Auch überschüssige Kohlenhydrate werden eingelagert – nicht nur als Fett, sondern zunächst als Glykogen – und zwar zusammen mit Wasser. Dieses Wasser bindet wiederum Salze. Das Ergebnis: Wir wirken „aufgeschwemmt“, das Gewicht steigt spürbar, ohne dass wir es bewusst als Fettzunahme wahrnehmen.
Schon diese wenigen Zusammenhänge sind komplexer, als einfache Ernährungsregeln uns glauben machen.
Statt uns in immer mehr Details zu verlieren, hilft ein klares, bildhaftes Modell. Es erklärt, warum unser Körper auf Kohlenhydrate und Fette so unterschiedlich reagiert – und warum das alles mit unserer evolutionären Vergangenheit zu tun hat.
Der Blick zurück
Was uns die Steinzeit über unseren Stoffwechsel verrät
Wenn wir ins späte Paläolithikum und Mesolithikum blicken – also in die Welt der Jäger und Sammler vor etwa 40.000 bis 10.000 Jahren – dann springt vor allem eines ins Auge: radikale Saisonalität.
In den Steppen, Waldsteppen und Flusstälern Europas gab es reichlich Wild und Fisch. Tierisches Fett und Protein waren über lange Monate verfügbar. Pflanzliche Nahrung dagegen kam meist geballt – und verschwand dann wieder für Monate.
Der Herbst war die Explosion: Haselnüsse, Beeren, Früchte, stärkehaltige Wurzeln.
All das wurde gesammelt, getrocknet und in Gruben eingelagert – eine clevere Strategie für den langen Winter.
Archäologische Funde untermauern das eindrucksvoll: In Schöningen (vor rund 300.000 Jahren) sehen wir hochentwickelte Jagdtechniken und intensive Tierverarbeitung [2]. In nördlichen Sites der Maglemose-Kultur (frühes Mesolithikum) dominierte im Winter Fleisch und Fisch, ergänzt durch herbstliche Pflanzenvorräte [3].
Das Muster ist klar:
Kein Dauer-Keto.
Aber lange, fettbetonte Phasen – unterbrochen von kurzen, intensiven Kohlenhydrat-Wellen.
Herbst = Speicherzeit.
Winter = Verbrauchszeit.
Der Rest des Jahres – zugespitzt gesagt – Wohlstandszeit mit stabiler Energie.
Der große Irrtum vom „armen Eiszeitjäger“
Wir sprechen gern von „Mangelzeiten“. Von Härte. Von Entbehrung.
Doch dieses romantisch-verzerrte Geschichtsbild ist in der Forschung schon lange überholt.
Die Welt war weit.
Die Bevölkerungsdichte extrem gering.
Wildtierbestände – besonders in den offenen Steppen und Waldsteppen – enorm.
Gruppen waren hochmobil und anpassungsfähig.
Wer musste, wich einfach aus.
Wo Überfluss herrschte, blieb man länger.
Nicht zufällig sprechen viele Archäologen und Anthropologen vom „mesolithischen Wohlstand“ (manchmal auch „affluent forager“-Gesellschaften genannt). Kein Luxus im modernen Sinn – aber eine bemerkenswerte Ernährungssicherheit über weite Teile des Jahres, oft mit weniger Arbeitsaufwand als bei frühen Bauern.
Und genau hier liegt die bewusste Zuspitzung, die unser Bild vom Stoffwechsel verändert:
Der menschliche Organismus ist nicht primär auf dauerhaften Mangel programmiert.
Er ist auf funktionierenden Überfluss ausgelegt – auf Phasen, in denen genug Fett, genug Protein, genug Mikronährstoffe und Energie verfügbar sind.
Mangel war der seltene Alarmzustand.
Was in diesem Alarm passiert, habe ich unten im „Glukose-Modus“ (Speicher-Modus) beschrieben: Insulin hoch, Fettverbrennung abgeschaltet, Vorräte werden gehortet – weil Winter oder Knappheit droht.
Sicherheit und Überfluss dagegen sind der Normalzustand – und genau in diesem Modus war der Mensch als Jäger am aktivsten: klar im Kopf, energiegeladen, körperlich leistungsfähig. Er ging auf die Jagd, erkundete, baute Werkzeuge, pflegte soziale Bindungen – nicht im Hungermodus, sondern im Wohlstandsmodus.
Der Irrtum vom „armen Eiszeitjäger“ hat uns jahrzehntelang glauben lassen, unser Körper sei für ständigen Kampf gegen Knappheit gemacht.
Die Realität ist fast umgekehrt: Er ist für Zyklen von Überfluss und Erholung optimiert – und leidet erst, wenn der Überfluss künstlich und dauerhaft wird, ohne die natürliche Pause.
Überspitzt gesagt, ist das der
1. Keto-Modus: Die „Raubtier-Effizienz“ – Vitalität & Agilität
In diesem Zustand – niedriges Insulin, hohe Fettoxidation – ist der Körper auf Vitalität und Agilität ausgerichtet.
Und nun gilt es umzudenken: Ernährung hauptsächlich aus Fleisch-Proteinen und Fetten machte den Jäger ausdauernd und agil. Ein übergewichtiger Urmensch wäre in der Steppe schnell verhungert – zu langsam für die Gazellenjagd, zu energieineffizient. Tatsächlich optimiert Ketose die Leistungsfähigkeit: Viele moderne Sportler (besonders Ausdauer- und Kraftathleten) greifen genau deshalb zur ketogenen Ernährung. Studien zeigen, dass keto-adaptierte Athleten oft eine höhere Fettverbrennung erreichen, ohne dass Muskelmasse oder Kraft signifikant leiden – und in manchen Fällen sogar Peak-Power oder Ausdauer verbessert wird.
Aber Vitalität ist nicht alles.
Mentale Klarheit
Das Gehirn läuft auf Ketonen oft schärfer und stabiler. Ketone (wie Beta-Hydroxybutyrat) dienen als effizienter, alternativer Brennstoff – ohne die Blutzuckerschwankungen, die bei kohlenhydratreicher Ernährung zu Konzentrationslöchern oder „Gehirnnebel“ führen. Viele berichten von gesteigerter Aufmerksamkeit, Fokus und geistiger Klarheit – genau der Zustand, den ein Jäger brauchte, um Beute zu erspähen, zu verfolgen und strategisch zu handeln. Aktuelle Studien bestätigen: Ketogene Ernährung korreliert mit besserer mentaler und emotionaler Stabilität, reduziertem Stress und verbesserter Kognition.
Autophagie – die echte Zellreinigung
Und hier nochmal umdenken: Im Keto-Modus, bei gesicherter, gleichmäßiger Energie aus Fett, schaltet der Körper nicht auf „Horten“, sondern auf „Durchlauf“. Überschüssige Nährstoffe – inklusive Fett und Salz – werden kaum eingelagert, sondern verbrannt oder ausgeschieden. Das schafft Raum für Autophagie: die zelluläre „Selbstreinigung“, bei der defekte Proteine, beschädigte Organellen und Abfallstoffe abgebaut und recycelt werden. Der Körper wartet quasi seine Maschinen, während er läuft – ein Prozess, der Entzündungen reduziert, Alterungsprozesse verlangsamt und die Zellgesundheit fördert [4].
Bemerkenswert: Was im Volksmund oft als „Entschlacken“ bezeichnet wird, ist in Wahrheit diese Autophagie – das echte, zelluläre Aufräumen. Die gefühlte „Entschlackung“ (z. B. schnelles Abnehmen von Wasser und Salz zu Beginn einer Low-Carb-Phase) entsteht meist durch den Abbau von Glykogenspeichern: Diese binden Wasser und Mineralien; wenn sie geleert werden, fließt alles ab. Autophagie geht tiefer – sie ist der Grund, warum Keto (und Fasten) langfristig so regenerativ wirken.
2. Der Glykose-Modus: Das „Bären-Prinzip“ – Mast & Winterschlaf
Vereinfacht dargestellt – und genau deshalb gut zu verinnerlichen: Dieser Modus ist evolutionär für den Herbst gedacht. Wenn massenhaft Kohlenhydrate verfügbar sind – etwa reife, zuckerhaltige Früchte, Nüsse oder stärkehaltige Wurzeln – steigt Insulin [5] stark an. Hohes Insulin signalisiert dem Körper: „Sonder-Energiezufuhr! Alarm! Pack alles in die Depots – der Winter kommt bald. Fressen, was geht!“
Das behindert zwar kurzfristig die Agilität (mehr Fett = weniger Sprint), hat aber klare Priorität: Überleben im Winter. Selbst der sportlichste Eiszeitjäger wurde in den langen, dunklen Monaten zum „Stubenhocker“ – Bewegung reduziert, Energie gespart.
Das Signal lautet schlicht: Energie sichern.
Der Körper speichert Glukose als Glykogen (in Muskeln und Leber), bindet dabei Wasser und Salze. Überschüsse werden in Fett umgewandelt. Gleichzeitig drosselt er die Fettverbrennung – Lipolyse wird gehemmt, alles bleibt im Depot.
(Das Problem entsteht erst, wenn dieser Zustand nie endet – wenn wir 365 Tage im Jahr „Herbst“ haben.)
Trägheit
Der Bär und der Mensch im Glykose-Modus werden nach dem Essen müde. Das ist gewollt! Ruhe spart Energie und fördert den Aufbau von Reserven – postprandiale Lethargie als evolutionärer Vorteil.
Konzentrationslücken, Müdigkeit – Gehirnnebel (Brain Fog)
Im Glykose-Modus schießt Insulin oft hoch, um den Zucker schnell zu verarbeiten. Bei manchen Menschen (besonders bei reaktiver Hypoglykämie-Neigung) schießt es über das Ziel hinaus: Der Blutzucker sackt kurzzeitig ab (relativ oder absolut). Das Gehirn, das in diesem Modus stark von stabilem Glukose-Nachschub abhängig ist, bekommt plötzlich zu wenig Energie. Ergebnis: Konzentrationslücken, Müdigkeit, Nebel im Kopf – klassische Symptome nach carb-reichen Mahlzeiten.
Entzündungsprozesse
Um vieles problematischer halte ich jedoch Folgendes: Ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel und hohes Insulin wirken im Körper und im Gehirn leicht entzündlich. Mediziner sprechen von „low-grade“ oder „silent inflammation“ (stille Entzündung) – einer chronischen, subklinischen Entzündung, die durch dauerhaft erhöhte Blutzucker- und Insulinwerte angeheizt wird.
Hier folgt nun – gewissermaßen eine Horrortabelle – dieser stillen Entzündungen:
| Bereich | Auswirkungen der stillen Entzündung (Glykose-Modus) |
|---|---|
| Gefäßwände | Mikro-Verletzungen: Reizung der Innenwände durch hohen Zucker; Verkalkung: Arteriosklerose durch „Reparatur-Plaques“. |
| Haut | Akne & Unreinheiten: Insulin triggert Talgdrüsen; Glykation: „Verzuckerung“ der Kollagenfasern führt zu tiefen Falten. |
| Darm | Reizungen: Ungleichgewicht der Flora; Leaky Gut: Durchlässigkeit der Barriere lässt Schadstoffe ins Blut schlüpfen. |
| Bauchraum | Zytokin-Fabrik: Viszerales Fett ist hormonell aktiv und feuert permanent Entzündungsbotenstoffe in den Kreislauf. |
| Leber | Fettleber: Überladung der Zentrale; Funktionsverlust: Entgiftung stockt, was die allgemeine Trägheit massiv verstärkt. |
| Gelenke | Verschleiß: Verzuckerter Knorpel wird spröde; Harnsäure: Insulin hemmt Ausscheidung, was zu Reizungen führt. |
| Augen | Mikrozirkulation: Schädigung der feinen Netzhaut-Kapillaren; Trübung: Verzuckerung der Linsenproteine (Grauer Star). |
| Prostata (M) | Zellwachstum: Insulin wirkt als Wachstumsfaktor; begünstigt Schwellungen und gutartige Vergrößerung (BPH). |
| Organe (F) | Hormonchaos: PCOS (Zysten) durch Insulinresistenz; Wucherungen: Begünstigung von Myomen und Endometriose. |
| Gehirn | Gehirnnebel: Mentale Watte durch Glukoseschwankungen; Degeneration: Langfristiger Abbau durch chronische Entzündung. |
Und noch schlimmer:
Ein chronisch hoher Insulinspiegel wirkt wie ein Wachstumsfaktor (über IGF-1) [6]. Der Glykose-Modus begünstigt dadurch gutartige Zellvergrößerungen (z. B. benigne Prostatahyperplasie/BPH beim Mann) und entzündliche Prozesse in verschiedenen Geweben – etwa in der Prostata (Mann) oder in der Gebärmutter (Frau). Es ist, als würde der „Speicher-Befehl“ des Insulins das Zellwachstum dort forcieren, wo es eigentlich ruhen sollte.
Der positive Ausblick:
Im ketogenen Modus sinken Insulin und Glukose meist deutlich – die stille Entzündung kann abklingen, viele dieser Prozesse kehren sich um oder verlangsamen sich. Viele Menschen berichten von besserer Haut, mehr Energie, weniger Gelenkbeschwerden und stabilerem Gewicht – einfach weil der Körper wieder in den „Normalzustand“ zurückfindet.
Das Problem unserer Zeit: Wir leben im Dauer-Herbst
Heute sind Kohlenhydrate jederzeit und in unbegrenzter Menge verfügbar. Die Industrie macht es möglich: Brot, Nudeln, Süßigkeiten, Snacks, Fertigprodukte – alles billig, lecker und ständig griffbereit.
Unser Körper bekommt dadurch täglich mehrmals das Signal: „Speichern!“ – obwohl nie ein echter Mangel folgt. Wir drücken 365 Tage im Jahr denselben Knopf, der evolutionär nur für kurze, saisonale Phasen gedacht war: den Herbst-Alarm.
Das Ergebnis ist ein dauerhaft erhöhter Speicherzustand. Gewichtszunahme, chronische Entzündungen, Insulinresistenz und all die Folgen aus der Tabelle sind keine „Schwäche“ des Körpers – sondern genau das, was er tun soll, wenn er glaubt, der Winter stehe bevor. Nur dass der Winter nie kommt.
Der natürliche Wechsel zwischen Speichern (Herbst) und Verbrennen (Winter/Frühjahr) fehlt komplett. Stattdessen: permanenter Herbst. Permanenter Speicher-Modus. Permanenter Alarm.
Zum Schluss: Okay … und jetzt? Was machen wir denn da?
Man muss keine Biochemie studieren, um das Grundprinzip zu greifen:
- Fett und Eiweiß fördern den Verbrennungs-Modus – der Körper nimmt, was er braucht, und lässt Überschuss verpuffen.
- Viele Kohlenhydrate aktivieren den Speicher-Modus – der Alarm: „Winter naht!“
- Dauerhafte Kohlenhydratverfügbarkeit hält uns im permanenten „Vorratsdenken“ – ein künstlicher Stresszustand, der Gewicht, Entzündungen und Heißhunger antreibt.
Ketogene Ernährung ist kein Dogma oder Rückfall in die Steinzeit. Sie ist ein Werkzeug, das die längeren fettbetonten Phasen unserer Vorfahren nachahmt – ohne dass wir auf Mammutjagd gehen müssen.
Wer Kohlenhydrate bewusst reduziert und Phasen ketogener Ernährung einbaut, gibt seinem Körper die Chance, wieder häufiger in den Verbrennungs-Modus zu wechseln. Viele spüren das direkt: mehr stabile Energie, weniger Heißhunger, leichteres Gewicht halten – oft schon nach Wochen.
Die Steinzeit ist kein Ideal, zu dem wir zurückmüssen. Aber sie erinnert uns an ein Grundprinzip: Unser Stoffwechsel ist auf Wechsel ausgelegt – auf Zyklen von Überfluss und Verbrauch –, nicht auf endlosen Dauer-Herbst.
Genau hier könnte der Schlüssel liegen: Den Schalter wieder umlegen, statt ihn dauerhaft gedrückt zu halten.
Quellen und Ergänzungen
Dieser Artikel ist kein wissenschaftlicher Fachbeitrag, sondern eine verständliche Orientierungshilfe – quasi eine „Landkarte“, die dir hilft, dich in der Flut wissenschaftlicher Studien und Fachliteratur besser zurechtzufinden. Er basiert auf dem aktuellen Stand der Forschung (Stand Februar 2026), ist aber bewusst vereinfacht und narrativ aufbereitet. Die wichtigsten Quellen und weiterführende Literatur findest du im verlinkten Blogartikel: „Keto-Ernährung – viele reden davon, wenige wissen, was sie wirklich ist“ (5.2.2026)
Ausgeklammert ist im Beitrag der Faktor Stress: Es spricht einiges dafür, dass der menschliche Organismus „Notprogramme“ nicht ausschließlich über Nahrung aktiviert. Chronischer psychischer Stress, soziale Unsicherheit oder dauerhafte Alarmzustände beeinflussen hormonelle Regelkreise (etwa über Cortisol) und können ebenfalls Speicherung begünstigen. Evolutionsbiologisch ist das plausibel: Bedrohung bedeutete meist Ressourcenknappheit. Moderne Daueranspannung könnte daher einen biologischen Winter simulieren – selbst bei kalorischem Überfluss
[1] Ketogene Ernährung ist eine sehr kohlenhydratarme, fettreiche Ernährungsform, die den Körper in Ketose versetzt: Bei stark reduzierten Carbs produziert die Leber Ketonkörper aus Fett – diese werden statt Glukose zum primären Brennstoff für Gehirn, Muskeln und andere Gewebe. Der Stoffwechsel schaltet von Zucker- zu Fettverbrennung um, was evolutionär an Fasten- oder Mangelphasen angepasst ist.
[2] Die beiden Beispiele Schöningen und Maglemose stehen symbolisch für unzählige weitere Funde. Schöningen: (~300.000 BP, Mittelpaläolithikum): Starke Evidenz für Pferde-Jagd, Speer-Technik, intensive Fleischverarbeitung (Marrow-Extraktion); mögliche Lagerung (z. B. in Teichen fermentiert), aber keine direkte Pflanzen-Diät-Evidenz – passt als „frühes“ Beispiel für tierische Dominanz. (siehe z.B. Schönigner Speere, Wikipedia); SPETH, John D.;Putrid Meat and Fish in the Eurasian Middle and Upper Paleolithic: Are We Missing a Key Part of Neanderthal and Modern Human Diet?;
Veröffentlicht in: PaleoAnthropology 2017, S. 44–72.
[3] Maglemose-Kultur (frühes Mesolithikum, ~9600–6500 cal BC, Dänemark/Südschweden): Semi-nomadisch, saisonal; viele Sites an Seen/Flüssen (unbewohnbar im Winter?); Fokus auf Elche, Rehe, Fische; Haselnüsse prominent (oft in archäologischen Funden); Übergang zu mehr aquatischen Ressourcen später; Saisonalität klar (z. B. Hiatus-Phasen durch Klima). (siehe Wikipedia)
[4] Provokant – aber logisch: Nur ein Körper, der sich sicher fühlt, gibt freiwillig Reserven frei. Wenn ausreichend Fett und Eiweiß vorhanden sind und Insulin niedrig bleibt, entsteht kein Speicherdruck. Der Organismus arbeitet großzügig. Er verbrennt. Er verschiebt Energie. Er hortet nicht panisch. In diesen Phasen – vereinfachend gesagt – wird Energie eher durchgeschleust als eingemauert. Das ist der Punkt, an dem viele in der modernen Keto-Praxis etwas Erstaunliches erleben: Nicht jedes Gramm Fett „setzt an“.
[5] Insulin ist das zentrale Hormon zur Regulierung des Blutzuckers: Es wird nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten ausgeschüttet, transportiert Glukose in die Zellen (Energieversorgung) und fördert die Speicherung von Überschuss als Glykogen oder Fett. Gleichzeitig hemmt es den Fettabbau – evolutionär sinnvoll für saisonale „Vorratszeiten“, problematisch bei Daueraktivierung.
[6] IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1) ist ein durch Insulin stark beeinflusster Wachstumsfaktor. Chronisch hohes Insulin erhöht freies IGF-1, was Zellwachstum in Geweben wie Prostata (BPH) oder Uterus (Myome, Endometriose) fördert – evolutionär nützlich in kurzen Überflussphasen, problematisch bei Daueraktivierung.
Milchprodukte (besonders whey-reiche wie Milch oder Quark) lösen oft eine starke Insulinantwort aus – stärker als viele Kohlenhydrate – was diesen Effekt zusätzlich verstärken kann.