Bild: Suppenkaspar würde heute noch leben – hätte er nur diese Kürbissuppe serviert bekommen!
Rückblick – „Suppenmoden“ der Achtzigerjahre
👩🍳 Wer wie ich täglich ein Mittagessen für die Familie kocht, kommt nicht umhin, verschiedene Gerichte auszuprobieren, um keine Eintönigkeit aufkommen zu lassen. Anfangs bereitete ich zuerst einmal Speisen zu, die ich von meiner Mutter übernommen hatte, wurde aber auch neugierig, wenn bei Freunden Unbekanntes auf den Tisch kam oder ein bis dahin fremdes Gemüse plötzlich Beachtung fand.
So verhielt es sich mit dem Zucchini, das in den 1980er-Jahren erst in die Gärten und bald darauf in die Küchen kam. Als etwas Neues wurde natürlich viel experimentiert, doch der absolute Renner, weil rasch und unkompliziert zuzubereiten, war die Zucchinisuppe.

Zwar schon bekannt, doch weit weniger beachtet wurde hingegen der Kürbis. Lag es daran, dass wir als Kinder nur süßsaures Kürbiskompott kannten, das in der DDR sogar als Arbeiterananas* bezeichnet wurde, oder weil die Nachkriegsgeneration keinen Kürbis mehr „sehen konnte“? Aber so nach und nach kam auch dieses Gemüse in Form von Suppe wieder auf unseren Speiseplan.
In Italien, in den USA und Australien hat die Kürbissuppe schon eine längere Tradition. Hierzulande aber war sie (wieder) etwas Neues. Und wie das mit neuen Dingen so ist, auch sie wurde bald mit Begeisterung ausprobiert.
Vom schlichten Gemüse zum Exoten der Herbstküche
➡️ In den Restaurants wurde die Kürbissuppe schnell zum herbstlichen Standard, und bald darauf zog sie auch in die privaten Küchen ein.
Typisch deutsch ist allerdings auch, dass kaum jemand ein einfaches Rezept wählte. Nein, es musste gleich das Außergewöhnliche sein.
Ingwer, Kokos, Orange – alles, was nach Ferne und Urlaub klang und schmeckte, kam in den Topf.
Ich erinnere mich noch gut, wie stolz bei so manchem Besuch eine dampfende Schale serviert wurde – mal duftete sie nach Curry, mal nach Kokosmilch, und manchmal roch sie so süß, dass man eher an ein Dessert dachte.
Die Exoten – gut, aber nicht für jeden Tag
➡️ Ich möchte nicht falsch verstanden werden, diese Varianten schmecken köstlich! Doch meist nur in kleinen Mengen – als Vorsuppe oder auf einem großen Buffet, wo man vieles probieren kann.
Hier drei Beispiele, die sicher jeder schon einmal in irgendeiner Abwandlung genießen durfte:
- Westafrikanische Kürbis-Erdnuss-Suppe – kräftig, mit Erdnusspaste, Chili, Knoblauch und Tomaten.
- Hawaiianische Kürbis-Kokos-Suppe mit Ananas – fruchtig-süß und leicht pikant.
- Marokkanische Kürbis-Orangen-Suppe – fein gewürzt mit Orangensaft, Zimt, Ingwer und Safran.
Diese Rezepte sind eine wunderbare Abwechslung. Doch wenn es ums tägliche Essen geht – um etwas, das auch kleine Kinder mögen und das satt macht – dann braucht es etwas Bodenständigeres.

Mein Rezept für alle Tage
Worum es mir in diesem Beitrag geht, ist eine Kürbissuppe für jeden Tag. Eine Suppe, die schlicht, aber aromatisch ist. Die man als Hauptmahlzeit genießen kann und die – erprobt und zuverlässig – auch von Kindern gern gegessen wird.
Denn all die exotischen Aromen sind gut und schön, doch Kinder (und auch viele Erwachsene) mögen es lieber einfach und schlicht – eine Suppe, die nach Kürbis schmeckt und nach Zuhause. Der Trick dabei ist, dass wir neben dem Kürbisfleisch auch reichlich Möhren verwenden:
Zutaten (für 4 Portionen):
- 500 g Kürbis
- 200 g Möhren
- 1 mittelgroße Zwiebel
- 1 Knoblauchzehe
- 3 Esslöffel Olivenöl, anderes Speiseöl oder Butter
- 500 ml Fleischbrühe
- 200 g Frischkäse (Brunch Paprika/Peperoni oder classic)
- Salz, Pfeffer
📝 Wer es schärfer möchte, kann beim Kochen noch einen Esslöffel geriebenen Ingwer hinzufügen. Ingwer stärkt die Abwehrkräfte und heizt ordentlich ein. Und auch 150 g kleingeschnittene Paprikasalami können die Schärfe und den Wohlgeschmack erhöhen. Dann aber bitte Vorsicht, wenn kleine Kinder mitessen sollen!
Zubereitung:
1️⃣ Den Kürbis waschen, halbieren, entkernen und in Stücke schneiden. (Hokkaido muss nicht geschält werden.) Möhren schälen und in kleine Stücke schneiden. Zwiebeln und Knoblauchzehe schälen und würfeln.
2️⃣ Fett im Topf erhitzen, Zwiebeln darin glasig andünsten, Knoblauch zugeben.
3️⃣ Kürbis- und Möhrenstücke zugeben und bei mittlerer bis hoher Hitze und öfterem Umrühren anbraten, bis einige Stücke braun werden und ein köstliches Aroma verströmen.
4️⃣ Die Brühe zugeben und solange kochen, bis Kürbis und Möhren weich sind. Das dauert etwa 20 Minuten. Hier auch den geriebenen Ingwer dazugeben.
5️⃣ Mit dem Pürierstab alles fein pürieren.
6️⃣ Mit Salz und Pfeffer abschmecken und den Frischkäse dazugeben. Nochmals alles mit dem Pürierstab gut durchrühren.
📝 Tipp 1: Da ich für meine große Familie die Rezeptmenge meist verdreifache, verwende ich einen Classic-Frischkäse und zwei scharfe Paprika- oder Peperoni-Frischkäse. Zuerst gebe ich den Classic-Frischkäse dazu und fülle von der fertigen Suppe einen Teil ab. Erst dann kommt die scharfe Komponente hinzu.
📝 Tipp 2: Die Suppe sollte recht dickflüssig sein, damit sie als Hauptmahlzeit geeignet ist und gut sättigt. Wer sie dünner möchte, gebe mehr Brühe hinzu. Auch für das Aufwärmen nach einiger Zeit ist Flüssigkeit vonnöten, da die Suppe eindickt und dann rasch anbrennt. Beim Erwärmen sollte die Suppe auch gut umgerührt werden.
Halloween-Kürbis zu Suppe verarbeiten?
🎃 P.S. Für die Kürbissuppe kann man übrigens auch einen sogenannten Halloween-Kürbis verwenden. Diese sogenannten Schnitzkürbisse gehören – ebenso wie der Hokkaido – zu den Speisekürbissen (Cucurbita maxima). Nicht geeignet sind hingegen die sogenannten Spaghettikürbisse (Cucurbita pepo). Ihre faserige Struktur passt besser zu Bratgerichten oder, wie der Name schon sagt, als Ersatz für Spaghetti.
📝 Hinweis: Zierkürbisse eignen sich nicht für die Zubereitung von Speisen. Sie gelten als ungenießbar und können sogar leicht giftig sein. Der Grund ist ihr hoher Gehalt an Cucurbitacinen. Diese bitter schmeckenden Stoffe können Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Darum gilt: Zierkürbisse niemals zu Suppe oder anderen Gerichten verarbeiten!
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Quelle: eigenes Rezept
🎃 [GJ.6.5] Gisela Jacob, 22.10.2025
*Ein Begriff von vielen, die mit Humor über die Mangelwirtschaft in der DDR hinwegtäuschen sollten.
