Rotes Fleisch ist ungesund? Natürlich nicht.

Eine Scheibe rohes Rindfleisch

Bild: Zur Gesundung wird heut ein Steak serviert!

[Hausschwein]

🥩 Es gehört zu den unbemerkten Paradoxien unserer Zeit, dass wir uns für aufgeklärt halten – und zugleich mit erstaunlicher Leichtgläubigkeit an moderne Ernährungsmythen klammern.

Wir leben, so heißt es, im Zeitalter der Wissenschaft. Und doch genügen oft wenige Schlagworte, um komplexe Sachverhalte moralisch zu versiegeln.
Das ist keine beiläufige Beobachtung. Das ist ein strukturelles Problem.

Skizze Ernährungspyramide von 1992
Solche fehlerhaften Ernährungspyramiden prägen uns noch heute. Quelle: U.S. National Archives and Records Administration (NARA), National Archives Identifier: 5710010 / USDA, 1992. [1]
Gerade in Ernährungsfragen zeigt sich diese Schieflage besonders deutlich. Da werden Eier unter Krebsverdacht gestellt, ohne auch nur zu fragen, in welchem Fett, unter welchen Bedingungen und in welchem gesamten Ernährungskontext sie zubereitet werden.

Da gilt Schweineschmalz als Relikt kulinarischer Rückständigkeit – während sein potenziell hoher Vitamin-D-Gehalt kaum je Erwähnung findet, obwohl er unter günstigen Bedingungen durchaus an klassische Lebertranwerte heranreichen kann.

Und dennoch bleibt der Befund scheinbar eindeutig:
Schweineschmalz ist ungesund.

 


Vom Misstrauen gegenüber einfachen Wahrheiten

Ein ganz ähnlicher Mechanismus wirkt beim nächsten großen Glaubenssatz:

Rotes Fleisch ist gesundheitsschädlich, womöglich sogar krebserregend.

Eine Gewissheit, vorgetragen mit missionarischem Ernst. Umso aufschlussreicher ist es, wenn ausgerechnet ein alternativmedizinisch geprägter Sender wie QS24 ein Interview veröffentlicht, das diese Gewissheit methodisch auseinandernimmt.

Am 20.06.2025 sprach dort Dr. med. Simon Feldhaus über den tatsächlichen Stand der Forschung zum Fleischkonsum – sachlich, unaufgeregt, beinahe altmodisch wissenschaftlich. (Video ganz unten einsehbar!)

Gerade diese Konstellation ist entlarvend. Sie wirft ein Licht auf eine westliche Diskurskultur, die sich gern rational gibt, aber in Ernährungsfragen zu einem eigentümlich infantil-magischen Denken neigt:

Gut und Böse werden sauber getrennt, Komplexität wird als Zumutung empfunden, und Unsicherheit gilt als Makel.
Ein Denken, das weniger fragt, wie etwas wirkt, als wozu es moralisch taugt.

Ein offenes Geheimnis der Forschung

Im Kern behandelt das Interview ein Sachverhältnis, das in der Wissenschaft keineswegs neu ist – in der Öffentlichkeit aber kaum vorkommt:

Während Schlagzeilen und Ernährungsempfehlungen suggerieren, die Schädlichkeit von Fleisch sei erwiesen, ergibt die Gesamtschau der Daten ein deutlich vorsichtigeres Bild. Von Gewissheit kann keine Rede sein.

Groß angelegte Auswertungen von Studienzusammenfassungen zeigen keine klare Tendenz, die den Konsum von rotem Fleisch pauschal mit höherer Sterblichkeit oder spezifischen Erkrankungen verknüpft.

 

Hausschlachtung Festival in Limoges
Die Schweine-Hausschlachtung wird vorgestellt. Festival in Limoges (Frankreich) „Zünfte der kleinen Bäuche“ ©Jordiferrer 2014. [2]

Statistik statt Substanz

Der Grund für die Diskrepanz liegt weniger in bösem Willen als in der Struktur der Forschung selbst.

Beobachtung ersetzt Experiment
Langzeitstudien mit kontrollierter Ernährung sind praktisch nicht realisierbar. Deshalb beruhen fast alle Aussagen auf Beobachtungsstudien – mit allen bekannten methodischen Schwächen.

Rechenmodelle formen Ergebnisse
Ein und derselbe Datensatz kann – je nach statistischem Modell – völlig unterschiedliche Resultate liefern. Fleisch erscheint dann als Risiko, als neutral oder als unproblematisch. Die mathematische Freiheit ist enorm.

Konfundierungen bleiben bestehen
In westlichen Gesellschaften geht hoher Fleischkonsum oft mit Rauchen, Stress, Bewegungsmangel und geringer Pflanzenkost einher. In vielen Studien wird dennoch das Fleisch selbst zum Hauptschuldigen erklärt – ein klassischer Kategorienfehler, doch er wird immer wieder gemacht.

Was nüchtern bleibt, wenn Ideologen schweigen

Jenseits der öffentlichen Aufgeregtheit herrscht in der Fachwelt über einige Punkte bemerkenswerte Einigkeit:

  • Krebs ist multikausal. Ein einzelnes Lebensmittel erklärt gar nichts.
  • Menschen reagieren unterschiedlich. Stoffwechsel, Vorerkrankungen und Lebensweise sind entscheidend, wenn zum Beispiel Gicht als Folge von Fleischkonsum angenommen wird.
  • Qualität wird systematisch ignoriert. Die Gleichsetzung von industriell verarbeitetem Fleisch mit hochwertigem Weidefleisch ist biologisch wie kulturell unerquicklich.
    „Industriefleisch“ kann natürlich Gesundheitsschäden verursachen, doch das ist eine Binsenweisheit.
    Um das festzustellen braucht es keine Akademiker.

Pauschale Warnungen oder Verbote sind vor diesem Hintergrund weniger Ausdruck von Wissenschaft als von Lobbyismus und infantiler Ideologie.
Und: gibt es nicht auch so etwas wie „Gefälligkeitsstudien“? Ach was solls 🐷



Video:Ist Fleisch gesund oder gefährlich? (Video-Kennung: 3ruiQ8SwusI)

Der Schweizer Moderator, der das Interview führt, ist Alexander Glogg. Er ist der Gründer und Moderator des Senders QS24 – Schweizer Gesundheitsfernsehen.

In dem Video unterhält er sich mit Dr. med. Simon Feldhaus, einem Mitglied des wissenschaftlichen Gremiums von QS24, über die gesundheitlichen Aspekte von Fleischkonsum und die wissenschaftliche Datenlage dazu.

Artikel über die im Video erwänte Studie:

FREI, Martina; infosperber.ch; Fleisch und Gesundheit: Studien vermitteln falsches Bild; 12.01.2025; „Ein «schockierendes» Experiment deckt die Schwächen von Beobachtungsstudien auf. Veröffentlicht wird vor allem, was Eindruck macht.“

[1] Übrigens: heute (Januar 2026) ist diese Nahrungspyramide auf den Kopf gestellt 😉

Neue Ernährungspyramide 2026
Neue Ernährungspyramide (USA), gültig ab 2026 Ich werde es demnächst thematisieren. Quelle: U.S. Department of Agriculture (USDA) / Department of Health and Human Services (HHS), Dietary Guidelines for Americans 2025–2030.

[2] Bildquelle vom Frairie des Petits Ventres: Es ist ein traditionelles kulinarisches Festival in Limoges (Frankreich), das jährlich am dritten Freitag im Oktober in der historischen Rue de la Boucherie stattfindet. Es ehrt die mittelalterliche Metzgerzunft der Stadt und konzentriert sich auf die Zubereitung regionaler Fleischspezialitäten und Innereien. Das Fest gilt als bedeutendes Zeugnis der regionalen Viehzuchtgeschichte und der Identität des Limousin.

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