[Übersicht: Spargel selber anbauen]
Nur fünf oder zehn Spargel im Garten pflanzen? Lohnt sich das wirklich?
Ja.
Vom „Kontrollverlust“
Kürzlich schrieb ich einen – zugegeben etwas provokanten – Blogartikel mit dem Titel:
„Kontrollverlust. Was euch daran hindert, Grünspargel anzubauen.“
Wer ihn aufmerksam liest, merkt schnell: Es geht dabei nicht nur um Spargel.
Es geht um unser Bedürfnis, jede Handlung von Anfang an mit einem sicheren Ergebnis zu verknüpfen.
Oder einfacher gesagt:
Wir wollen schon beim Pflanzen wissen, was am Ende auf dem Teller liegt.
Die Logik der Ratgeber
Bei der Recherche zu diesem Thema – also der Frage, was Menschen davon abhält, ein paar Spargelpflanzen zu setzen – stößt man schnell auf typische Empfehlungen, wie etwa diese:
„Spargel wird als einjährige Jungpflanze von Ende März bis Mitte April gepflanzt. Das Pflanzgut sollte vorbestellt werden.
Für einen Fünf-Personen-Haushalt werden rund 100 Pflanzen empfohlen.
In der Vollertragszeit ergibt das etwa 20 bis 25 Kilogramm pro Saison.“*
Solche Zahlen wirken auf den ersten Blick sachlich.
In der Praxis wirken sie vor allem abschreckend.
Die Rechnung, die keiner machen will
Rechnen wir es kurz durch:
Bei einem Pflanzabstand von 40 bsi 50 Zentimetern ergeben 100 Pflanzen rund 40 bis 50 laufende Meter Spargel-Beet!?
Spätestens hier steigen viele gedanklich aus.
Fünfzig Meter Spargelreihe – das klingt nicht nach Hobbygarten, sondern nach landwirtschaftlicher Ambition.
Theorie und Wirklichkeit
Solche Empfehlungen entstehen meist aus einer einfachen Logik:
Man nimmt den durchschnittlichen Verbrauch pro Person – also das, was im Laden gekauft wird – und rechnet ihn auf den Eigenanbau hoch.
Nur funktioniert ein Selbstversorgergarten anders.
Niemand baut Spargel an, um täglich große Portionen mit Sauce Hollandaise zu essen. Abgesehen davon wäre das auch ernährungsphysiologisch wenig ausgewogen: Spargel ist kaliumreich und wirkt stark entwässernd – in großen Mengen also eher einseitig.
Im Selbstversorger-Garten folgt der Spargel einem anderen Prinzip:
Er ist ein ergänzendes Alltagsgemüse.
Er landet in der Gemüsepfanne, im Risotto, in einer Frühlingssuppe, im Omelett oder schlicht zusammen mit Kartoffeln und etwas Butter.
Er ist Teil einer Küche – nicht ihr Mittelpunkt.
Der reale Ernte-Rhythmus
Hinzu kommt: Im Eigenanbau erntet man nicht „portionenweise“, sondern tageweise.
Die Stangen werden gesammelt.
Nach zwei oder drei Tagen ergibt sich ganz von selbst eine vollständige Mahlzeit.
Der Garten liefert keinen Überfluss auf Knopfdruck.
Er liefert in Intervallen.

Fazit: Ein bisschen ist eben doch viel
Mein Rat ist daher einfach – und steht ganz im Gegensatz zu vielen Empfehlungen:
Pflanzt lieber wenig als gar nichts.
Zehn oder zwölf Grünspargelpflanzen im Garten sind kein Versorgungsprogramm.
Aber sie sind ein Anfang.
Und genau darum geht es.
Wenn der Boden tief gelockert ist, im März und Juli gedüngt wird und im Sommer bei Trockenheit etwas Wasser kommt, dann entwickelt sich daraus über die Jahre mehr, als man zunächst erwartet.
Und vielleicht stellt man am Ende der Saison fest – leicht überrascht:
Dass es eigentlich ganz angenehm ist,
wenn es in den nächsten Monaten zur Abwechslung auch mal etwas anderes als Spargel gibt…
—
*Quelle: Anbau von Grünspargel im Hausgarten
