Fermentiertes Hühnerfutter – gute Idee oder gut gemeinter Irrweg?

Eingeweichtes Hüehnerfutter in zwei Eimern

Bild: Wir weichen ganze Körner ein und lassen sie aufquellen. Nach etwa zwei Tagen beginnen sie zu keimen. Zum Fermentieren von Getreideschrot ist das die bessere Alternative.

🐓 Viele von uns, die privat Hühner halten, sind auf der Suche nach Möglichkeiten, das Futter für die Tiere gesünder, besser verwertbar und somit auch günstiger zu machen. Wer Tiere hält, übernimmt Verantwortung für deren Wohlergehen. Aber auch die Rentabilität sollte nicht außer Acht gelassen werden.

 

Weizenschrot
Geschrotetes Korn. Es sollte nur trocken gefüttert werden, nicht einweichen und auch nicht dämpfen.

So versuchen viele Hühnerhalter das Futter besser verwertbar zu machen, indem sie trockene Bestandteile einweichen oder gar fermentieren.

 


Futter fermentieren – Theorie und Verlockung

Eine Methode, die Futter besser verwertbar machen soll, ist das Fermentieren. Meist Weizenschrot, aber auch Futtermehl werden ein bis zwei Tage in Wasser eingeweicht und anschließend verfüttert. So mit Wasser aufgequollenes Trockenfutter ist am ersten Tag aber lediglich nasses Trockenfutter und hat noch keinerlei zum Positiven veränderte Nährwerte. Nach etwa zwei Tagen beginnt die Fermentation und damit der Aufschluss von Inhaltsstoffen.

Im ersten Moment klingt fermentiertes Hühnerfutter ausgesprochen überzeugend, denn auch wir Menschen vertragen beispielsweise Sauerkraut besser, als rohes Weißkraut.

Und wissenschaftliche Untersuchungen zeigen durchaus auch positive Effekte beim eingeweichten Hühnerfutter, wie eine bessere Nährstoffverwertung und damit weniger Futterverlust sowie eine gesündere Darmflora bei den Tieren.

In Studien – meist unter streng kontrollierten Bedingungen – wird feuchtes oder fermentiertes Futter gezielt mit bestimmten Mikroorganismen behandelt, etwa mit Bacillus licheniformis. Das führt vor allem bei Masthähnchen zu einer höhere Proteinverdaulichkeit, besserem Wachstum und einer stabileren Darmstruktur, durchaus messbare Effekte.

Die Fermentation – oft auch ohne den Zusatz von Mikroorganismen – senkt den pH-Wert des Futters, bildet organische Säuren und hemmt zunächst unerwünschte Keime. Das klingt nach einem Gewinn für Tiergesundheit und Nachhaltigkeit – gerade für Hobbyhalter, die auch die Futterkosten im Blick behalten.

So weit die Theorie.

Hühner an zwei Futtertöpfen
So teste ich, was den Hennen schmeckt. Welcher Topf ist zuerst leer?

Wenn Theorie auf Stallboden trifft

In der Praxis zeigt sich jedoch ein deutlich anderes Bild. Die optimalen Eigenschaften, die bei der Fermentation entstehen, halten sich nur in einem sehr kurzen Zeitfenster. Das ist ein echtes Problem. Denn mit diesem Prozess geht auch eine Veränderung des Geschmacks und ein säuerlicher Geruch einher, was dazu führt, dass die Hühner das Futter nur widerwillig annehmen oder gar komplett ablehnen und das je länger es fermentiert, um so mehr.

Die Hennen fressen weniger, drängeln stärker am Trog und reagieren gereizt. In einer Studie mit Legehennen zeigte sich sogar ein messbar schlechterer Gefiederzustand. Federpicken und aggressives Verhalten nahmen zu.

Nicht aus Bosheit – sondern aus Frust.

Verliert Futter an Attraktivität, entsteht Stress. Und Stress ist ein zuverlässiger Nährboden für Probleme im Stall.

Zudem kommt, dass je länger das Futter steht, um so strenger der Geruch wird und um so saurer der Geschmack. Wird es dann bereits schleimig, ist es als Futter schlichtweg nicht mehr zu gebrauchen, denn ab einem bestimmten Zeitpunkt vermehren sich rasch unerwünschte Mikroorganismen. Dabei können Stoffwechselprodukte entstehen, die den Tieren sogar schaden.

 

Sind Hühner von klein auf an fermentiertes Futter gewöhnt, so wie in Großmastanlagen, und kennen nichts anderes, nehmen sie es auch später als Futter an. Wie sich das auf ihr Verhalten auswirkt, ist in Langzeitstudien allerdings noch nicht erforscht. Besonders bei den Masthähnchen könnte es auch der kurze Lebenszyklus sein, der die Probleme gar nicht erst entstehen lässt.

Kleine Herden, große Risiken

In der Hobbyhaltung, bei der wir unseren Tieren durchaus auch abwechslungsreiche Nahrung bieten wollen, im besten Falle für Freilauf sorgen und der Möglichkeit zum Scharren sowie dem Zugang zu Naturfutter, wird säuerliches Futter zuallerletzt gefressen. Herrsch dazu noch warmes Wetter, kippt fermentiertes Futtermehl besonders schnell. Was nicht sofort gefressen wird, entwickelt sich zur Brutstätte für Keime.

Was auch nicht außer Acht gelassen werden darf – Reste in Futterbehälnissen ziehen ungebetene Gäste wie Ratten und Mäuse und Spatzen an.

Was theoretisch Vorteile verspricht, führt dann oft zum genauen Gegenteil. Geringere Futteraufnahme fürt außerdem zu einer schlechteren Legeleistung und einem erhöhten Krankheitsrisiko.

Fazit – bewährt schlägt experimentell

Fermentiertes Hühnerfutter hat seinen Platz – vor allem dort, wo Prozesse kontrolliert ablaufen und mikrobiologisch begleitet werden. In der professionellen Geflügelhaltung kann das durchaus sinnvoll sein.

Für den Hausgebrauch habe ich jedoch festgestellt: weniger ist mehr.

Ich selbst bin vom Einweichen der Schrotkörner und auch vom Dämpfen des geweichten Futters wieder abgekommen. Die Risiken stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zum möglichen Nutzen.

Meine Hennen bekommen neben Pellets – dem „Notfutter“ im Futterautomaten – geschrotete Körnermischungen trocken. Dazu gibt es, wenn es der Garten hergibt, frisches Grünfutter. Das Hauptfutter sind Körner, meist Weizen, vermengt mit Sonnenblumenkernen, dieser aber angekeimt!

 

Eingeweichtes Hühnerfutter angekeimt
Weizen und Sonnenblumenkerne angekeimt. In diesem Stadium (höchstens 4 Tage) ein Superfood für Hühner.

Das Futtergetreide als ganze Körner – meist Weizen – wird zunächst 24 Stunden lang eingeweicht. Danach wird das Wasser abgegossen, und die feuchten Körner beginnen zu keimen. In den darauffolgenden ein bis zwei Tagen sollten sie verfüttert sein.

Längeres Keimen ist allerdings nicht empfehlenswert. Spätestens nach vier Tagen sollten die Körner verfüttert sein. Haben sich bereits sehr lange Triebe gebildet, und die Hühner fressen sie, kann es zu Kropfverstopfung kommen. Deshallb dämpfe ich diese Körner, bevor ich sie verfüttere.

Das ist aus zwei Gründen sinnvoll. Zum einen wird das Risiko der Kropfverstopfung deutlich reduziert, zum anderen schließt das Dämpfen die enthaltenen noch Nährstoffe besser auf.

Bei eingeweichtem Getreideschrot hingegen bringt Dämpfen kaum Vorteile – hier bleibt der ernährungsphysiologische Gewinn gering. Mehr dazu in einem späteren Beitrag.

Kurz gesagt

Frisches und trockenes Futter, ergänzt durch angekeimtes Körnerfutter, etwas Grünzeug aus Gemüseabfällen oder von der Wiese und ausreichend Bewegung ist nach wie vor die solideste Grundlage für gesunde, ausgeglichene Hühner.

Quellen (Studien)

Soumeh, E. A., et al. (2021).
Effect of Feeding Wet Feed or Wet Feed Fermented by Bacillus licheniformis on Growth Performance, Histopathology and Growth and Lipid Metabolism Marker Genes in Broiler Chickens. PMC.

Engberg, R. M., et al. (2009).
Fermented feed for laying hens: effects on egg production, egg quality, plumage condition and composition and activity of the intestinal microflora. British Poultry Science.

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