Die Zeit der Schneeglöckchenblüte. Jetzt beginnen die Außenarbeiten.

Blühender Schneeglöckchen-Büschel

[Beitrag in Ertstellung]

Es ist eine plötzliche, doch positive Zäsur im Jahr: Wenn in Parks, Gärten und draußen in der freien Landschaft die ersten Blüten erscheinen, verändert sich die Stimmung. Der Vorfrühling tritt nicht laut auf – er deutet sich an.

Ganz streng genommen sind die Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) nicht die Aller­ersten. Ihnen gehen vielerorts die Blüten von Gehölzen voraus – etwa der Zaubernuss (Hamamelis) oder des Winterjasmin (Jasminum nudiflorum). Doch im kollektiven Empfinden sind es die Schneeglöckchen, die das Blühen einläuten. Sie sind die ersten Blumen im eigentlichen Sinne – zart, bodennah, unübersehbar.

Ich kann daher nur raten: Ob eigenes Grundstück oder Mietwohnung – nutz den Herbst. Ab Ende Oktober finden sich in Garten- und Supermärkten oft erstaunlich günstige Angebote an Blumenzwiebeln.

 


Was uns an trüben Vorfrühlingstagen zuerst ins Auge fallen soll, müssen wir Monate zuvor pflanzen. Gartenkunst ist immer auch Vorausdenken.

 

Schneeglöckchenwiese
Klug platzierte Schneeglöckchenwiese neben dem Parkausgang des Botanischen Gartens Berlin-Dahlem.

Pflanzplanung mit Sinn für Rhythmus

Grundsätzlich gilt nocht nur für das Pflanzen der Frühblüher: Blühpflanzen sollten dort stehen, wo wir sie zur jeweiligen Jahreszeit auch wahrnehmen. Der Garten ist kein Herbarium, sondern ein Lebensraum auf Zeit.

Ein einfaches Beispiel: Auf der Terrasse, die wir im Sommer intensiv nutzen, gehören duftende Sommerblüten und keine Herbst-Stauden, die ihre ganze Pracht erst in den letzten Oktobertagen entfalten – etwa Herbstastern oder die noch später blühenden Sternastern. Blütezeit und Aufenthaltsort sollten korrespondieren. Wer das beherzigt, gestaltet nicht nur Gärten und Rabatten, sondern Jahreszeiten.

So viel zum ästhetischen Aspekt der Schneeglöckchen.

Das Schneeglöckchen als Arbeitssignal

Für mich hatten sie lange eine andere Bedeutung. In meinen Jahren in der Park- und Landschaftspflege waren blühende Schneeglöckchen kein romantisches Bild, sondern ein Signal:

Jetzt beginnen die Außenarbeiten.

Im Park wie im Privatgarten. Für Gärtner ebenso wie für Hausmeisterdienste.

Die Poesie tritt zurück. Organisation und Praxis übernehmen.

Was zuerst ansteht? Meine Tipps für die Praxis.

Die endgültige Laubentsorgung, sofern noch nicht geschehen. Dazu Gehölzschnittarbeiten – einschließlich notwendiger Fällungen, die ab März aus Gründen des Naturschutzes in der Regel nicht mehr zulässig sind.

Ebenso wichtig: die temporären Reisig- und Geästhaufen auf Wiesen- und Rasenflächen. Sie sollten rechtzeitig entfernt werden – spätestens dann, wenn das Gras zu sprießen beginnt, meist ab Mitte April. Bleiben sie liegen, entstehen Kahlstellen, und die Regeneration der Fläche verzögert sich.

Auto auf einder Wiese versunken

Der Boden – empfindlicher als man denkt

Ein letzter Hinweis zur Geländepflege im Vorfrühling:

Wenn der Schnee taut und der Boden über längere Zeit wassergesättigt ist, sollten wir es tunlichst vermeiden, solche Flächen mit schwerer Technik zu befahren. Es entstehen nicht nur sichtbare Spuren. Vor allem wird der Boden verdichtet – ein Schaden, der die Durchlüftung beeinträchtigt und das Wurzelwachstum langfristig hemmt.

Der erfahrene Gärtner – ebenso der vorausschauende Hausmeister – hat allerdings auch das Gegenmodell im Blick: Bei starkem, anhaltendem Frost und tief gefrorenem Boden können Flächen befahren werden, die in der warmen Jahreszeit unbedingt zu schonen sind. Der Winter bietet hier ein kurzes, aber effizientes Zeitfenster.

So stehen sie also da, die Schneeglöckchen: für die einen ein Symbol des Aufbruchs, für die anderen das Startsignal zur Arbeit.

Beides ist wahr. Und vielleicht liegt gerade darin ihr stiller Ernst.

 

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