Buchhinweis
Geheime Unterwelt – Das Vermächtnis der Jahrtausende alten unterirdischen Völker
von Heinrich Kusch und Ingrid Kusch
Bad Vöslau, 2023
Bücher, die den Leser prüfen
Es gibt Bücher, die man liest – und es gibt Bücher, die einen Leser prüfen. Die Bildband- und Arbeitsdokumentationen von Heinrich und Ingrid Kusch gehören für mich zu jener zweiten Kategorie. Wer sich ernsthaft für Geschichte, Vorgeschichte und Archäologie interessiert und zugleich bereit ist, Erkenntnisse unbefangen aufzunehmen und eigenständig zu beurteilen, findet in diesen Publikationen eine ungewöhnliche Herausforderung des eigenen Denkens.
In meiner kleinen Hausbibliothek zur Gartenbau- und Kulturgeschichte nehmen die Werke dieses Forscherpaares einen besonderen Platz ein. Ich betrachte sie als eine der bemerkenswertesten dokumentarischen Leistungen unserer Zeit auf dem Gebiet der archäologischen Forschung. Ihr Wert liegt dabei nicht nur in den präsentierten Befunden selbst, sondern ebenso in den Fragen, die sie aufwerfen – Fragen, die letztlich auch in Bereiche der Philosophie und der allgemeinen Weltsicht hineinreichen.
Das stelle ich vorweg, weil – klar ausgesprochen – die Publikationen von Dr. Heinrich Kusch und Dr. Ingrid Kusch auch Anomalien dokumentieren, also Befunde und Beobachtungen, die sich nicht ohne Weiteres in die bekannten Deutungsrahmen der Archäologie und der erablierten Weltsicht einordnen lassen und gerade deshalb besondere Aufmerksamkeit verdienen.
Jahrzehnte unter der Erde
Die Bildbände (siee Quellenangaben), die wohl künftig noch ergänzt werden dürften, bilden eine Rückschau auf eine jahrzehntelange Forschungsarbeit. In dieser Zeit untersuchten Heinrich und Ingrid Kusch zahlreiche natürliche Höhlen sowie von Menschen geschaffene unterirdische Anlagen: Stollen, Verbindungsgänge, verborgene Räume – Orte also, die sich der alltäglichen Wahrnehmung entziehen und doch Teil der historischen Wirklichkeit sind.
Seit etwa 2014 verfolge ich die Forschungen dieses Ehepaares – zwar aus der Distanz, aber mit zunehmender Aufmerksamkeit. Je länger man sich mit ihren Arbeiten beschäftigt, desto deutlicher wird, dass nicht nur die archäologischen Befunde selbst von Interesse sind. Ebenso bemerkenswert erscheint das Umfeld dieser Forschungen: jene Kreise, die sich wegen der besonderen Fähigkeiten der beiden Höhlenforscher an sie wandten, ebenso wie jene, die ihre Arbeit im Hintergrund unterstützten.
Skepsis und eigene Urteilsbildung
Wer heute versucht, sich über diese Forschungen etwa über die Plattform der Wikipedia zu informieren, wird schnell feststellen, dass der Leser dort eher zu einer skeptischen oder zurückhaltenden Bewertung angeleitet wird. Das ist im Grunde nicht ungewöhnlich. Jede Forschung, die außerhalb etablierter Deutungsmuster neue Perspektiven eröffnet, ruft zunächst Zurückhaltung hervor.
Doch gerade darin liegt vielleicht eine der interessantesten Prüfungen des modernen Lesers. Der Zeitgenosse einer neuen Aufklärung – sofern er über einen gewissen Grundstock an Allgemeinbildung verfügt – sollte in der Lage sein, solche Hinweise zur Vorsicht einzuordnen, ohne sich davon in seiner eigenen Urteilsfähigkeit vollständig leiten zu lassen.
Die Bücher von Heinrich und Ingrid Kusch bieten jedenfalls genügend Material, um sich ein eigenes Bild zu machen.
Quellen und wissenschaftliche Methoden
Es wäre an dieser Stelle weder möglich noch sinnvoll, die Inhalte der umfangreichen Publikationen vollständig wiederzugeben. Deshalb habe ich weiter unten den Mitschnitt eines Vortrags eingebunden, der sich direkt auf den Titel „Geheime Unterwelt“ bezieht. Wer diesen Vortrag betrachtet, erhält bereits einen ersten Einblick in die gedankliche Welt dieser Forschungen.
Versucht man dennoch, den Kern dieser Arbeiten in wenigen Sätzen zu umreißen, so lassen sich zwei grundlegende Aspekte hervorheben.
Zum einen beruhen die Darstellungen der Autoren – soweit ich es nachvollziehen konnte – auf dokumentierten Befunden und auf den heute üblichen archäologischen Untersuchungs- und Datierungsmethoden.
Zum anderen greifen sie auf historische Quellen zurück, die aus kirchlichen Archiven sowie aus privaten Adelsarchiven stammen, unter anderem aus dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg.
Gerade diese Verbindung aus archivalischer Überlieferung und materiellen Befunden macht den besonderen Reiz dieser Arbeiten aus.
Erdställe – die „Schratteln“ des Mittelalters
Ein Schwerpunkt der Forschungen betrifft künstliche Gang- und Höhlenanlagen in Österreich – die sogenannten Erdställe, genauer gesagt Erdstellen, also Stellen unter der Erde. Im Mittelalter wurden diese Anlagen häufig als „Schratteln“ bezeichnet.
Mitunter werden diese Schratteln auch mit jenen unter vielen alten Städten Europas befindlichen unterirdischen Anlagen in Zusammenhang gebracht, die heute meist pauschal als Katakomben bezeichnet werden.
Archivmaterial aus kirchlichen und adeligen Quellen legt nahe, dass gegen Ende des 16. Jahrhunderts zahlreiche dieser Anlagen bewusst verschlossen wurden.
Historische Himmelserscheinungen des 16. Jahrhunderts
Interessant ist dabei der mögliche zeitliche Zusammenhang mit einigen bemerkenswerten Himmelserscheinungen jener Zeit.
Dazu zählen etwa
- Erscheinungen über Wien um 1520
- das Celestial phenomenon over Augsburg von 1552
- sowie das 1561 celestial phenomenon over Nuremberg, das häufig als „Kampf fliegender Objekte“ beschrieben wird.

Archäologische Untersuchungen in Klosterneuburg
Ein Teil eines solchen unterirdischen Komplexes wurde von den Forschern in der sogenannten 12-Apostel-Zeche in Klosterneuburg untersucht. Dort führten sie zahlreiche archäologische Grabungen durch.
Im Zuge dieser Untersuchungen wurden mehrere bemerkenswerte Befunde dokumentiert, darunter:
- TCN-Datierungen prähistorischer Megalithen (Lochsteine) in der Steiermark mit einem Alter von über 10.000 Jahren
- Gangsysteme mit Bautechniken wie dem Kraggewölbe
- sporadisch auftretende thermische Anomalien mit erhitzten Gesteinsoberflächen
- ungewöhnliche Luftströmungen in den Tunnelsystemen
Weitere Funde umfassen unter anderem:
- einen steinernen Schacht-Einstiegsring (über 8.500 Jahre)
- Trockenmauern und Kraggewölbe (ca. 4.000 Jahre) der Megalithiker
- ältere Ausmauerungen mit Datierungen von über 60.000 Jahren
Auch paläontologische Funde wurden gemacht:
- ein Höhlenbärschädel mit verheilter Durchschussverletzung
- Knochen von Mammut, Steppenwisent, Hirsch und Höhlenbär
- ein Mammutzahn
- ein Rinderschädelfragment mit Pollen des Milchorangenbaumes (Maclura pomifera)
Weitere Artefakte umfassen:
- eine Wisent-Tonfigur (über 49.000 Jahre)
- ein zoomorphes Gefäß (ca. 60.000 Jahre)
Neolithische Artefakte und ungewöhnliche Funde
Darüber hinaus wurden zahlreiche neolithische Artefakte entdeckt, darunter:
- geschliffene Lochbeile
- Plastiken der Vinča-Kultur (Donau-Zivilisation)
- Funde der sogenannten Vinča-Schrift
- mit Naturklebern reparierte Keramiken
- zwei vermutete prähistorische „Batterien“
Besonders auffällig sind Metallartefakte mit ungewöhnlichen Legierungen wie
- Eisen-Aluminium
- Messing-Aluminium-Gold
- Messing-Aluminium-Eisen.
Unterirdische Anlagen und Gartenbaugeschichte
Mein eigenes Interesse an solchen Anlagen entstand ursprünglich durch gartenbauliche Literatur. Dort wurde berichtet, dass die Pariser Marktgärtner des 18. Jahrhunderts die unterirdischen Anlagen unter Paris zum Champignonanbau nutzten. Das erschien mir bereits damals bemerkenswert (mir ist viel an wirtschaftlicher Literatur des 19. Jahrhunderts bekannt) – denn gleichzeitig heißt es, diese Anlagen seien lediglich Nebenprodukte des Kalksteinabbaus gewesen, mit dem die Stadt über Tage gebaut wurde, was in den besagten Bericht über den Pariser Champignonanbau eine merkwürdige Erwähnung fand…

Lochbeile und die Theorie von Emil Werth
Ein zweiter Punkt meines Interesses betrifft die durchbohrten und sorgfältig polierten Steinäxte der Jungsteinzeit, die in ganz Europa gefunden wurden und im Zusammenhang mit den sogenannten „lochgeschäfteten“ neolithischen Werkzeugen stehen. (Entstehung der Landwirtschaft in Europa)

Der Ethnologe Prof Dr. Emil Werth (1869–1958) sah darin jedoch eine Verbindung zur Entwicklung des pflügenden Ackerbaus. Er vermutete den Ursprung dieser Technik zwar nicht in Nordeuropa, sondern in Asien – doch ihre Verbreitung führte seiner Ansicht nach zu weitreichenden kulturellen Austauschbewegungen.

Vielleicht verbreiteten sich mit solchen technischen Traditionen nicht nur landwirtschaftliche Werkzeuge, sondern auch bestimmte Bau- oder Nutzungstraditionen – darunter möglicherweise sogar die alte Gewohnheit, unterirdische Anlagen anzulegen.
Offene Fragen der Frühgeschichte
Ob sich aus all diesen Befunden tatsächlich ein neues Bild der europäischen Frühgeschichte ergibt, muss letztlich die zukünftige Forschung entscheiden.
Doch schon heute zeigt sich, dass die unterirdischen Anlagen Europas – von den Schratteln des Alpenraumes bis zu den Katakombensystemen alter Städte – ein Phänomen darstellen, das noch längst nicht vollständig verstanden ist.
Die Arbeiten von Heinrich und Ingrid Kusch lenken den Blick auf dieses bislang wenig beachtete Feld und verbinden archäologische Befunde mit historischen Überlieferungen.
Und vielleicht liegt genau darin der eigentliche Wert solcher Publikationen:
Sie erinnern daran, dass Geschichte nicht nur aus gesicherten Antworten besteht – sondern ebenso aus Fragen, die erst noch gestellt werden müssen.
Quellen und Erläuterungen
- Höhlen der Steiermark – Phantastische Welten, Graz, 1998; Einer der frühen großformatigen Bildbände über Höhlen der Steiermark und deren Natur- und Kulturgeschichte.
- Tore zur Unterwelt – Das Geheimnis der unterirdischen Gänge aus uralter Zeit; Graz, 2016; Großformatiger Text-Bildband über künstliche unterirdische Gänge und Erdställe in Mitteleuropa.
- Versiegelte Unterwelt – Das Geheimnis der Jahrtausende alten Gänge; Graz, 2014; Ein umfangreicher Bildband über prähistorische Gangsysteme und Erdställe sowie deren mögliche historische Bedeutung.
- Asiens Unterwelt – Das jahrtausendealte Erbe unterirdischer Kultstätten; Graz, 2018; Bildband über Kulthöhlen und unterirdische Heiligtümer in Asien – von Israel und der Türkei bis nach Japan und Neuguinea.
- Geheime Unterwelt – Auf den Spuren von Jahrtausende alten unterirdischen Völkern; erste Fassung ca. 2021; Frühere Ausgabe des aktuellen Forschungsprojekts über unterirdische Anlagen.
- Geheime Unterwelt – Das Vermächtnis der Jahrtausende alten unterirdischen Völker; Bad Vöslau, 2023
wikipedia.org/wiki/Heinrich_Kusch
Vinča-Kultur (Grokipedia)
Himmelsphänomen über Nürnberg im Jahr 1561 (Grokipedia)
[1] wikipedia.org/wiki/Heinrich_Kusch
[2] www.unterwelt-oesterreich.at
[3] RÜMPLER, Theodor (bearbeitet von); Illustrierte Gemüse- und Obstgärtnerei, Verlag von Wiegandt, Hempel & Parey; Berlin 1879; Seite 310 ff
[4] WERTH, Prof. Dr. Emil; Grabstock Hacke und Pflug; Ludwigsburg 1954