Anbau rechtzeitig planen: Knollensellerie – ein ideales Wintergemüse für Selbstversorger

geerntete Knollensellerie-Knollen

Bild: Mittelgroße Sorten haben sich im Eigenanbau bewährt. Für die Winterlagerung werden die Wurzeln nicht entfernt, sondern an der Knolle belassen.

Wer für den Winter auf einen eigenen, verlässlichen Vorrat an frischem Gemüse setzt, kommt am Knollensellerie kaum vorbei. Kaum ein anderes Gemüse lässt sich in Haus und Hof so vergleichsweise unkompliziert und lange lagern – kühl, frostfrei und ohne große technische Hilfsmittel.

 


Wenn ich hier von Wintergemüse spreche, meine ich zunächst Lagergemüse [1]. Das ist die eine Säule der winterlichen Selbstversorgung.

Die zweite – oft unterschätzt – sind jene Kulturen, die wir bei guter Planung auch in der kalten Jahreszeit noch frisch vom Beet ernten können. Zur besseren Übersicht habe ich weiter unten die wichtigsten Lager- und Beetgemüse zusammengestellt [2].

In diesem Artikel soll es jedoch ausschließlich um den Knollensellerie gehen. Seine Kultur stellt gewisse Ansprüche, und gerade deshalb halte ich es für sinnvoll, seinen Anbau frühzeitig und bewusst zu planen.

Standort: Sonne ist Pflicht

Die erste und wichtigste Voraussetzung ist ein möglichst ganztägig sonniger Platz im Nutzgarten. Knollensellerie ist kein Gemüse für halbschattige Kompromisslagen – er braucht Licht, und zwar reichlich.

 

Knollensellerie Ende Mai gepflanzt
Ende Mai wurden zwölf Knollensellerie und zwei Stangensellerie mit rund 30 cm Abstand gepflanzt. Von nun an sind regelmäßiges Gießen, bedarfsgerechte Düngung und ein lockerer Boden entscheidend.

Boden und Wasser: eine heikle Balance

Die zweite Bedingung betrifft den Boden und die Wasserversorgung. Sellerie verlangt einen guten, tiefgründigen, nährstoffreichen Gartenboden. Gleichzeitig muss das Beet im Sommer zuverlässig gewässert werden. Dabei darf jedoch keine Staunässe entstehen.

Kurz gesagt: Wir stehen hier vor einer kleinen Quadratur des Kreises. Viel Wasser, aber keine sumpfigen Verhältnisse – das ist im Garten nicht immer leicht umzusetzen. Aus diesem Grund bauen manche Gartenfreunde Knollensellerie auf leicht erhöhten Dämmen an, um den Wasserabzug zu verbessern.

Wichtiger noch als die technische Lösung ist jedoch ein praktischer Aspekt: Das Selleriebeet sollte dort liegen, wo wir es regelmäßig sehen. Ein Platz, der im Blick bleibt, senkt die Gefahr, das Gießen in trockenen Frühjahrs- und Sommerwochen zu vergessen.

Knollensellerie am Gurken-Gewächshaus
Frühsommer, am Gurken-Gewächshaus: Vorne Brokkoli, dahinter Sellerie und Spargelsalat, im Hintergrund ausgereifter Knoblauch und samenbildender Spinat.

Gute Nachbarschaft: Sellerie neben dem Gewächshaus

Im vergangenen Jahr lag unser Selleriebeet direkt neben dem Gurkengewächshaus. Das erwies sich als gleich mehrfach vorteilhaft. Beim Gießen per Hand stehen beide Kulturen nah beieinander, und zudem steht im Gewächshaus stets angewärmtes Wasser zur Verfügung. Davon profitieren nicht nur die Gurken – auch der Sellerie reagiert dankbar auf temperiertes Gießwasser.

Knollensellerie am 26. Juni
Vor dem Gewächshaus am 26. Juni. Sommeranfang. Die Selleriepflanzen wirken noch unbedeutend – ein typisches Stadium, denn Sellerie bleibt lange auf dem Beet. Im Hintergrund stehen Blumenkohl und chinesischer Spargelsalat.

 

Knollensellerie-Pflanze im Oktober
Das Gemüse reift bis in den Oktober hinein aus. Leichte Nachtfröste sind meist unkritisch. Sinkt die Temperatur jedoch dauerhaft unter etwa –2 °C, sollten die Knollen vorher geerntet sein, um Frostschäden zu vermeiden [3].

Zeitfenster nutzen: Vorkulturen bis Ende Mai

Was die zeitliche Planung betrifft, bringt der Knollensellerie eine Besonderheit mit sich: Er wird relativ spät gepflanzt. Das ideale Zeitfenster liegt in der letzten Maiwoche.

Bis dahin muss das Beet jedoch keineswegs ungenutzt bleiben. Ende April lassen sich dort problemlos Radieschen aussäen. Auch Spinat eignet sich als Vorkultur. Dieser sollte allerdings spätestens Anfang März gesät werden, Ende März ist ebenfalls möglich. In diesem Fall ernten wir ihn jung – als sogenannten Baby-Spinat.

Gerade der früh kultivierter Spinat ist definitiv eine echte Delikatesse und geschmacklich kaum mit Supermarktware zu vergleichen [4]. Wer ihn einmal frisch aus dem eigenen Garten gegessen hat, weiß um den Unterschied.

Vorausdenken lohnt sich: Winterkopfsalat als Vorfrucht

Kopfsalat im zeitigen Frühjahr zu pflanzen funktioniert nicht. Wohl aber lässt sich sogenannter Winterkopfsalat als Vorfrucht auf dem späteren Selleriebeet kultivieren. Diese Salatsorten werden bereits im Oktober des Vorjahres gepflanzt. Die Aussaat der Jungpflanzen erfolgt um den 1. August.

In diesem Fall muss der Sellerieanbau tatsächlich sehr früh mitgedacht werden. Der planerische Aufwand ist höher – der Ertrag an Frische, Geschmack und Flächeneffizienz allerdings ebenso. Und genau darin liegt der eigentliche Reiz eines gut geführten Selbstversorgergartens.

Quellen und Ergänzungen

(in Bearbeitung)

[1] Weitere Lagergemüse (Ernte im Herbst, Lagerung im Keller, Schuppen oder Erdmiete)

  • Knollensellerie – sehr lagerfähig, vielseitig verwendbar
  • Möhren / Karotten – ideal in Sandkisten oder Erdmieten
  • Rote Bete – robust, lange haltbar
  • Winterrettich – robust, gut lagerfähig
  • Pastinaken – hervorragendes Winterwurzelgemüse
  • Petersilienwurzel – aromatisch, gut lagerfähig
  • Steckrüben – nahrhaft, oft unterschätzt*
  • Weißkohl – klassisches Lagergemüse*
  • Rotkohl – etwas empfindlicher, aber gut haltbar*
  • Wirsing – bedingt lagerfähig, eher für den Frühwinter*
  • Zwiebeln – trocken gelagert sehr haltbar
  • Knoblauch – braucht trockene, luftige Lagerung
  • Kürbis (Winterkürbis) – lagerfähig bei Zimmertemperatur

[2] Wintergemüse auf dem Beet (bleibt über Winter stehen oder wird laufend geerntet)

  • Grünkohl – klassisches Frostgemüse
  • Rosenkohl – Ernte über Monate hinweg*
  • Feldsalat (Ackersalat) – zuverlässig auch bei Kälte
  • Winterpostelein (Tellerkraut) – extrem winterhart
  • Winterspinat – früh im Herbst gesät
  • Mangold – in milden Wintern durcherntefähig
  • Porree (Winterlauch) – sehr robust, vielseitig
  • Pastinaken – geschmacklich besser nach Frost
  • Schwarzwurzeln – Ernte nach Bedarf
  • Topinambur – (es schmeckt nicht jedem) frosthart, jederzeit ausgrabbar

[3] Wechsel aus Frost und Tau führen zu wiederholtem Gefrieren und Auftauen des Pflanzengewebes. Dabei entstehen mikroskopische Zellschäden durch Eiskristalle, die das Gewebe schwächen und später Fäulnis begünstigen – häufig erst während der Lagerung sichtbar.

[4] Spinat kann man auch im Herbst säen, jung überwinteren lassen, und hat dann schnell größere Ernten, als bei der Aussaat Anfang März. Doch auch bei der Herbstsaat wird der Spinat dann im kommenden Frühjahr nie die geschmackliche Qualität erreichen, wie die März-Saaten.

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