Bäuerliche Wetterregeln zum 1. und 2. Januar (Hartmond, Eismond)

Landschaft. Sonniger stürmischer Januartag.

Bild: Landschaft bei Dresden am 2. Januar 2026. Morgen tritt der erste Vollmond des Jahres ein – der Wolfsmond*.

[Wetter]

➡️ Der Januar, in alter Zeit auch Hartmond, Hartung, Eismond oder Wintermond genannt, markierte den harten Kern des Winters.

Die Bezeichnungen verweisen auf den gefrorenen Boden, auf Eis und Kälte – auf eine Jahreszeit, in der die Arbeit auf den Feldern ruhte und der Mensch der Witterung besonders ausgeliefert war.

Schon die ersten Tage des neuen Jahres galten als bedeutungsvoll. Man beobachtete Himmel und Wetter mit großer Aufmerksamkeit, denn man war überzeugt, dass sich in ihnen ein Hinweis auf den weiteren Verlauf des Jahres erkennen lasse.

So entstanden Bauernregeln für den ersten und zweiten Januar, die als Vorzeichen für die kommende Witterung verstanden wurden.

 


Die hier vorgestellten Wetterregeln entstammen einer zeitgenössischen Quelle, die heute auch über Google Books zugänglich ist.

MÜLDENER, Dr. Rudolf; Das Buch vom Wetter oder das Wetter im Sprüchwort.; Bernburg und Leipzig 1880; Verlag von J. Bacmeister, Hofbuchhändler. (153 Seiten)

Dr. Rudolf Müldener. Das Buch vom Wetter.

1. Januar (Neujahr):

„Die Neujahrsnacht still und klar, deutet auf ein gutes Jahr“

doch glaubt man in Belgien nur dann an die Gunst dieses Vorzeichens, wenn dabei zugleich Nordwind weht.

Auch außerhalb Belgiens , so im Hannoverschen, auch in der Schweiz ec. hört man:

„Nordwind zu Neujahr Bedeutet ein gutes Jahr.“
„Morgenroth am ersten Tag Unwetter bringt und große Plag‘.“
„Ist das Neujahr schön hell und klar, So deutet das ein fruchtbar Jahr.“

Gleicher Ansicht ist man in Tirol:

„Neujahr Sonnenschein Läßt das Jahr fruchtbar sein.“

und in der Altmark heißt es:

„Neujahrs-Sonnenschein Läßt den Flachs gedeih’n.“

Am Rhein betrachtet man den Sonnenschein des Neujahrstages als ein günstiges Vorzeichen betreffs des Fischfanges:

„Wenn am Neujahr scheint die Sonne klar, so lacht darob der Fischer Schaar.“

Bezüglich des allmäligen Anwachsens der Tage haben wir ein scherzhaftes Sprüchwort:

„Am Neujahr ist der Tag um einen Hahnenschritt, am Dreikönigstag (6. Januar) um einen Hirschsprung, an Sebastian (20. Januar) um eine ganze Stunde länger, allein Lichtmeß (2. Februar) merkt man erst etwas davon.“

2. Januar (Macarius):

„Wie das Wetter am Macarius war, So wird’s im September, trüb‘ oder klar.“

— So viel aus der Publikation von 1880 —

2. Januar (Macarius) – Was ist das für ein Tag?

Der 2. Januar gilt in der katholischen Tradition als Gedenktag des heiligen Makarius (auch Makarios von Alexandria, der Jüngere oder „Ureinsiedler“ genannt), eines ägyptischen Einsiedlers aus dem 4. Jahrhundert.

Er war ursprünglich Bäcker oder Händler in Alexandria, wurde erst mit etwa 40 Jahren Christ und zog sich dann in die Sketische Wüste zurück, wo er über 60 Jahre in strengster Askese lebte – oft nur von Rohkost ernährt, Dämonen austrieb und Kranke heilte.

Er gilt als einer der großen Wüstenväter und Wegbereiter des frühen Mönchtums.

In der volkstümlichen Wetterkunde ist der Macariustag (oder Makariustag) ein Lostag mit mehreren Bauernregeln, die das Wetter an diesem Tag vor allem mit dem September (Erntezeit) verknüpfen. Hier folgen nun noch einige Ergänzungen zu obeigen Publikation:

„Wie der Basilius (oder Makarius) am 2. Januar, so der September.“ (d. h. klar und sonnig → trockener, schöner September; trüb und nass → regnerischer Herbst)
„Wie das Wetter an Makarius war, so wird der September: trüb oder klar.“ (siehe oben)
„Makarius das Wetter prophezeit für die ganze Erntezeit.“
„Makarius, der weiss bestimmt, was das ganze Jahr so bringt.“

Diese Regeln sind regional unterschiedlich überliefert (oft mit Basilius dem Großen vermischt, dessen orthodoxer Gedenktag am 1. oder 2. Januar liegt).

Meteorologisch haben sie keine hohe Trefferquote – der direkte Schluss auf den September gilt als „etwas zu weit hergeholt“, da langfristige Prognosen über Monate hinweg kaum zuverlässig sind.

Dennoch spiegeln sie die alte Bauernweisheit wider, dass stabile Winterhochdrucklagen (klar, kalt) günstig für die Ernte sein könnten.

Ein Besinnungstag

Zusätzlich gilt der 2. Januar (wie der 3. und 4.) als Schwendtag: Ein Unglückstag, an dem man nichts Neues beginnen oder wichtige Unternehmungen starten sollte, um Pech zu vermeiden.

Stattdessen eignet er sich für Ruhe und Besinnung – passend zur winterlichen Stille nach Neujahr.

*Wolfsmond: Als Wolfsmond wird der erste Vollmond des Jahres bezeichnet. Die Bezeichnung geht nicht auf europäische Bauerntraditionen zurück, sondern stammt aus nordamerikanischen Überlieferungen, die im 19. Jahrhundert populär wurden. Der Name verweist auf die erhöhte Hörbarkeit von Wolfsgeheul in winterlichen Nächten, wenn Kälte, klare Luft und Schneedecken Schall besonders weit tragen. In Europa wurde der Begriff erst in jüngerer Zeit übernommen und dient heute vor allem als poetische oder populärkulturelle Bezeichnung für den Januarvollmond.

Jean Paul; Wetterregeln; Paris 1837 (Seite 218ff) (https://grokipedia.com/page/Jean_Paul)

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Bauernregeln

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