Menschliche Eiweißnahrung. Eine erste grundlegende Erkenntnis in Sachen artgerechter Ernährung.

Lanz-Bulldog auf dem Feld

[Beitrag in Erstellung]

Arbeitstitel: Der Mensch als Vielstoffmotor – warum hochwertiges Eiweiß die eigentliche Wartung ist

Zwei Pole – und ein blinder Fleck

In meinen letzten beiden Artikeln zu Ernährungsfragen habe ich die ketogene und die High-Carb-Ernährung als die beiden Pole der menschlichen Energieversorgung betrachtet: Fett und Kohlenhydrate als variable „Treibstoffe“, die uns seit der Steinzeit zur Verfügung stehen.

Auf der Suche nach einer Zwischenbilanz ist mir jedoch etwas aufgefallen.
Der dritte große Baustein – das Eiweiß – blieb bislang im Hintergrund.

Gerade dieses Protein aber verdient eine eigenständige, grundlegendere Betrachtung.

Der Mensch als Maschine – das Bild des Lanz-Bulldogs

Am anschaulichsten für mich lässt sich seine Rolle mit dem Bild eines alten Lanz-Bulldogs fassen.

 

Lanz Bulldog
Der Lanz-Bulldog* – eine Maschine, die mit verschiedensten Treibstoffen läuft, aber nur bei intakter Substanz zuverlässig arbeitet. ©Hellerhoff, 2014

Der Lanz war legendär, weil er nahezu jeden brennbaren Stoff als Treibstoff akzeptierte.
Entscheidend war nicht, was verbrannt wurde – sondern dass die Maschine in Ordnung war.

Übertragen auf den Menschen ergibt sich ein überraschend klares Bild

Die Maschine aus Eiweiß

Das Grundgerüst unseres Körpers – gewissermaßen Motorblock und Tragwerk – besteht aus Protein.
Muskeln, Organe, Enzyme, Hormone, Immunabwehr, Transportstrukturen: Unser gesamter „Maschinenkörper“ ist im Kern aus Eiweiß aufgebaut.

Der Treibstoff hingegen ist variabel.
Mal dominieren Fette, mal Kohlenhydrate – je nach Verfügbarkeit, Jahreszeit und Umwelt.

Für den reibungslosen Betrieb braucht es zudem Mikronährstoffe:
Mineralstoffe wirken wie wie Schrauben und Bolzen. Vitamine und Spurenelemente übernehmen die Rolle von Schmier- und Betriebsstoffen. Fehlen sie, läuft die Maschine nicht rund – oder gar nicht.

Kein Depot für Substanz

Hier liegt der entscheidende Unterschied:

Fette können wir nahezu unbegrenzt speichern.
Kohlenhydrate lagern wir kurzfristig als Glykogen.

Eiweiß jedoch nicht.

Es gibt im Körper kein eigentliches „Proteinlager“. Jede vorhandene Eiweißstruktur erfüllt eine Funktion. Bleibt die Zufuhr aus, greift der Organismus auf sich selbst zurück. Er baut funktionale Substanz ab – Muskeln, Enzyme, im Extremfall sogar Organgewebe.

Das ist kein passiver Verbrauch, sondern ein aktiver Eingriff in die eigene Struktur.

Im Bild des Lanz-Bulldogs:
Ohne Treibstoff steht die Maschine still.
Ohne Wartungsmaterial aber zerfällt sie im Betrieb – leise, schleichend, bis zum plötzlichen Ausfall.

Beim Menschen ist das noch zugespitzter: Fehlen Proteine und Mineralstoffe, beginnt der Organismus, sich selbst zu kannibalisieren. Ein bekanntes Beispiel ist der Abbau von Muskulatur bei Mangelernährung, Krankheit oder im Alter.

Doch auch die Substanz der Knochen bleibt nicht unberührt. Bei langfristiger Unterversorgung – insbesondere mit Eiweiß und Mineralstoffen wie Calcium – kann es zu einem schleichenden Abbau der Knochensubstanz kommen, wie er etwa bei Osteoporose sichtbar wird.

Oder nüchtern gesagt:
Der Körper hält den Betrieb aufrecht – notfalls, indem er seine eigene Substanz verbraucht.

Ursprung und Logik

Aus evolutionärer Sicht war tierisches Eiweiß über lange Zeit die verlässlichste Proteinquelle des Menschen. Über Jahrtausende – eher: Jahrmillionen – hat sich unser Stoffwechsel darauf eingestellt, essentielle Aminosäuren in ausgewogener und direkt verfügbarer Form aufzunehmen.

Mit dem Neolithikum traten pflanzliche Eiweißquellen stärker in den Vordergrund. Sie können – klug kombiniert – ein brauchbares Aminosäureprofil liefern. Doch sie verlangen mehr Ausgleich, mehr Planung, mehr Umwege.

Die tierische Quelle bleibt in ihrer Zusammensetzung unmittelbarer.

Qualität vor Theorie

Nicht jedes Eiweiß ist gleich.

Tierische Lebensmittel – Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte – liefern in der Regel ein vollständiges Spektrum essentieller Aminosäuren in günstiger Relation und mit hoher Bioverfügbarkeit.

Pflanzliche Eiweiße können dies leisten, aber selten für sich allein. Sie sind Ergänzung, Kombination, Konstruktion.

Oder anders gesagt:
Das eine ist direkt nutzbar. Das andere muss erst zusammengesetzt werden.

 

Eiweissnahrung Zeitgeschichte Symbolbild

Eine einfache, aber weitreichende Verschiebung

Damit verschiebt sich der Blickwinkel.

Die zentrale Frage lautet nicht mehr:
Fett oder Kohlenhydrate?

Sondern:
Ist die Eiweißversorgung gesichert?

Erst wenn diese Grundlage stabil ist, wird die Wahl des Treibstoffs zu einer Frage der Anpassung – nicht der Ideologie.

Schlussgedanke

Nach allem, was sich bislang erkennen lässt, ist der Mensch im „Treibstoff“ erstaunlich flexibel – in seiner Substanz jedoch nicht. Heute, wo man vorzugesweise auf Fette und Kohlehydrate schaut, scheint mir dies aus dem Fokus geraten zu sein.

Die regelmäßige Versorgung mit hochwertigem Eiweiß und den dazugehörigen Mikronährstoffen ist kein optionaler Bestandteil der Ernährung. Sie ist ihre Voraussetzung.

Mein Rat ist daher schlicht:
Versorge dich täglich – maßvoll, aber verlässlich – mit hochwertigem Eiweiß.

Mehr Theorie braucht es zuerst und an dieser Stelle kaum.

Literatur

JACOB, Ludwig Manfred; Dr. Jacobs Weg des genussvollen Verzichts: die effektivsten Maßnahmen zur Prävention und Therapie von Zivilisationskrankheiten; 2013.

*Der Lanz-Bulldog ist einer der bekanntesten deutschen Ackerschlepper, der ab 1921 von der Firma Heinrich Lanz AG in Mannheim gebaut wurde. Legendär wurde er durch seinen Vielstoffmotor (Glühkopfmotor): Da dieser extrem robust und technisch simpel konstruiert war, konnte er mit fast jedem brennbaren Öl betrieben werden – von billigem Rohöl über Petroleum bis hin zu Pflanzenöl.

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