Nützliches Wissen:
➡️ In den letzten Tagen und Wochen wird in Finanzkreisen und sozialen Medien verstärkt über einen bevorstehenden Anstieg des Silberpreises diskutiert.
Tatsächlich findet dieser Anstieg bereits statt – viele Beobachter halten ihn inzwischen für strukturell begründet und kaum noch umkehrbar.
Ich befasse mich seit mehr als 16 Jahren mit den Bewegungen an den Finanzmärkten und habe dabei gelernt, dass gerade in solchen Phasen die Fähigkeit, Wesentliches von Nebensächlichem zu trennen, entscheidend ist. Nicht zuletzt rückt damit erneut die Frage in den Vordergrund, ob Silber besser physisch gehalten oder über börsengehandelte Produkte [1] abgebildet werden sollte.
Die aktuelle Marktlage: mehr als nur Schlagzeilen
Zunächst soll es um die grundlegende Frage gehen, welche Faktoren die aktuelle Entwicklung des Silbermarktes tatsächlich tragen.
Wenn ein Thema medial „läuft“, wollen viele daran partizipieren. Influencer, Kommentatoren und selbst seriöse Marktbeobachter geraten dabei unter den Druck, komplexe Zusammenhänge stark zu vereinfachen.
Der Edelmetallmarkt mit seinen zahlreichen Akteuren, Interessen und Abhängigkeiten lässt sich jedoch kaum auf eingängige Schlagzeilen reduzieren.
Wer bereit ist, auch weniger populäre – oft als nebensächlich abgetane – Informationen mitzudenken, kann sich ein deutlich klareres Bild verschaffen.
In diesem Sinne habe ich in diesem Blogartikel ein Interview archiviert, das ich für inhaltlich wertvoll halte und das andernfalls leicht in der Flut kurzlebiger Beiträge untergehen würde.
Es handelt sich um ein Gespräch vom 9. November 2025 (unten eingebunden), dessen Kernaussagen meiner Einschätzung nach auch über den aktuellen Anlass hinaus Bestand haben.
Die gängigen Erklärungen für steigende Silberpreise
Zunächt steht jedoch überhaupt erst einmal die Frage im Raum, warum viele der Beobachter schon seit Monaten einen steigenden Silberpreis erwarten.
Anders als Gold ist Silber nicht nur Wertaufbewahrungsmetall, sondern zugleich ein wichtiges Industriemetall.
Häufig genannt werden dabei die „Energiewende“, Photovoltaik, Elektronik und Elektromobilität als zentrale Nachfragetreiber – eine Argumentation, die im Kern richtig ist, aber zu kurz greift.
Dem steht ein vergleichsweise träges Angebot gegenüber, da Silber meist nur als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle wie Kupfer, Blei oder Zink anfällt.
Ergänzt wird diese Sichtweise durch Inflationsängste, hohe Staatsverschuldung und den Hinweis auf die historisch hohe Gold-Silber-Ratio [2], die Silber als unterbewertet erscheinen lässt.
Diese Argumente prägen die landläufige Erwartung steigender Preise, liefern für sich genommen jedoch noch kein vollständiges Bild.
Ein Blick hinter die Kulissen: strukturelle Faktoren des Silbermarktes
Ergänzend dazu lohnt ein Blick auf weniger beachtete, strukturelle Entwicklungen des Silbermarktes.
Industrielle Nutzung – unvermutete Treiber?
Silber hat in den vergangenen Jahrzehnten einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Während die Nachfrage aus der Fotografie nahezu verschwunden ist, sind neue industrielle Großverbraucher entstanden.
Dazu zählen neben High-Tech, Mikroelektronik, Rechenzentren und Photovoltaik auch Bereiche, die in der öffentlichen Wahrnehmung – etwa in Deutschland – kaum eine Rolle spielen:
- Kernenergie [3] und
- Rüstungsindustrie.
(Chiensische Thoriumreaktoren sind hier noch nicht mit eingepreist! (siehe [3b,3c]).
Diese Sektoren sind unvermutet stark silberintensiv, und das eingesetzte Silber ist häufig nicht oder nur sehr begrenzt recycelbar.
Angebotsdefizit und Fördergrenzen
Der Silbermarkt befindet sich seit mehreren Jahren in einem strukturellen Defizit. Nach Einschätzung vieler Experten könnte die gesamte aktuelle Minenproduktion bereits vollständig von der Industrie absorbiert werden.
Neue Minen lassen sich kurzfristig nicht erschließen: Von der Entdeckung bis zur kommerziellen Förderung vergehen oft 15 bis 20 Jahre. Bei kleineren Minen mag die halbe Zeit genügen.
Das Angebot kann in den kommenden Jahren auf steigende Nachfrage daher kaum reagieren.
Physische Knappheit
Hinzu kommen Spannungen an den Handelsplätzen. Auffällig sind ungewöhnlich hohe physische Auslieferungen an den Terminmärkten sowie begrenzte frei verfügbare Lagerbestände, da ein erheblicher Teil des Silbers langfristig gebunden ist. Dies deutet auf eine zunehmende Knappheit im physischen Markt hin.
Fazit
Solange keine neuen bedeutenden Silberminen in Betrieb gehen, könnte Silber zu einem zunehmend knappen Gut werden. Die im Interview angesprochenen Preisprojektionen – teilweise auf KI-gestützten Modellen basierend – reichen weit in die Zukunft und sollten mit Vorsicht betrachtet werden.
Sie verdeutlichen jedoch eines: Der derzeitige Silbermarkt ist weniger von kurzfristiger Spekulation geprägt, als viele Schlagzeilen vermuten lassen.
Im Interview wird zudem auf langfristige, zyklische Preismodelle verwiesen, die teilweise auf KI-gestützten Analysen beruhen. Diese Modelle verstehen sich weniger als exakte Vorhersagen, sondern als Szenarien entlang historischer Marktzyklen.
Für den Zeitraum von etwa 2025 bis 2036 ergeben sich daraus stufenweise steigende Preisniveaus, die – rein modellhaft – in Bereichen von zunächst rund 80 US-Dollar pro Unze liegen und in späteren Phasen deutlich höhere Regionen erreichen könnten.
Das Modell – in Video erwähnt und heute am 17. Dezember 2025 von mir vorgestellt – basierend auf der KI-Analyse mehrere technische Zwischenziele:
- 59 $ am 9.11.2025 (Interview)
- 83,50 $ (als nächstes großes Ziel, vermutlich Anfang 2026)
- 120 $
- 180 $
- 240 $
- 350 $
- 420 $
- 660 $ (Endziel der Berechnung für 2036)
Man werte diese Zahlen hypothetisch! Lies dazu aber auch meinen Blog-Artikel über die Elliott-Wellen-Theorie; hier ist erklärt, warum es auch immer wieder Rücksetzer geben muss.
Und — die Zahlen oben zeigen: Es wird noch etliche Jahre lang gute Möglichkeiten geben, Silber günstig zu kaufen. Es muss also niemand hektisch agieren.
09.11.2025 – Dominik Kettner interviewt Jochen Staiger: YouTube-Kanal Kettner-Edelmetalle (Gold & Silber); „DAS gab es noch NIE: 100% physische Auslieferung bei Silber! (Stichtag 28.11.2025)“; Kennung MaBnu3mDTb8
Wo kann ich Silber kaufen?
Wer sich näher mit dem Thema befassen oder Silber erwerben möchte, sollte dies ausschließlich über seriöse Wege tun – etwa über etablierte Edelmetallhändler, Edelmetallsparpläne, „Silber-ETFs“ [1] oder andere regulierte Angebote. Aber, du musst es auch machen.
Fange kleine an und kaufe mal drei, vier oder fünf Unzen Silber als Anlagemünze (z.B. den kanadischen Maple Leaf) … und schau, wie sich das Anfühlt.
Auch Edelmetall-Sparen mit Lagerlösungen außerhalb des Bankensystems, etwa in Zollfreilagern, werden inzwischen angeboten – selbst schon von den Sparkassen. Dieser Hinweis dient der Einordnung und stellt keine Anlageempfehlung dar.

Hinweise und Ergänzungen
- Silberpreis am Tag des Interviews: ca. 51 EUR / 59 USD
- Silberpreis heute bei Veröffentlichung des Beitrags: 17.12.2025 – 56,03 EUR / 65,65 USD
Video-Notiz:
- CHINA STOPPT SILBER-EXPORT: Weltweite Panik bricht aus! 23.12.2025
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[1] Heute wird gerne in ETFs investiert – was ich grundsätzlich für sinnvoll halte, auch im Bereich von Silber oder Gold. In der Europäischen Union stehen jedoch keine Silber-ETFs im klassischen Sinn zur Verfügung. Direkte Silber-ETFs sind hier rechtlich nicht zugelassen. Stattdessen werden sogenannte Silber-ETCs (Exchange Traded Commodities) angeboten, die physisch mit Silber besichert sind und den Silberpreis weitgehend 1:1 abbilden. Sie gelten rechtlich nicht als ETFs, da diese nach EU-Vorgaben mehrere Vermögenswerte zur Risikostreuung enthalten müssen. Für die reine Rohstoffanlage erfüllen Silber-ETCs jedoch eine vergleichbare Funktion.
[2] Tatsächlich ein wichtiges Kriterium, Gold-Silber-Ratio (GSR): Das Gold-Silber-Ratio gibt an, wie viele Unzen Silber benötigt werden, um eine einzige Unze Gold zu kaufen. Es dient Investoren als Indikator für die relative Bewertung beider Edelmetalle zueinander. Während das historische Verhältnis über Jahrhunderte oft bei etwa 15:1 bis 16:1 lag (was in etwa dem natürlichen Vorkommen in der Erdkruste entspricht), schwankte es in der modernen Ära meist zwischen 50:1 und 80:1. Ein sehr hohes Ratio (es ist mindestens seit 2014 so) gilt unter Analysten als Signal für eine Unterbewertung von Silber gegenüber Gold und wird häufig als Vorbote für eine bevorstehende Aufholjagd des Silberpreises interpretiert.
[3] Atomkraftwerke. Speziell zu China und den weltweiten Planungen (Stand 2024/2025): Es sind etwa 60 bis 70 Nuklear-Reaktoren im Bau, wobei China hier den mit Abstand größten Anteil hat. Weiterhin gibt rund 90 bis 100 konkret geplante Reaktoren. In der langfristigen bzw. erweiterten Planung (Prospects) spricht er von über 300 bis 340 weiteren Anlagen. In der Bundesrepubnlik Deutschland werden Kernreaktoren stillgelgt und in die Luft gesprengt (also: hoffnungslos abgehängt).
[3b] Übrigens: China ist uns in der Nuklear-Technologie mittlerweile meilenweit voraus. Das Stichwort dazu lautet: Thoriumreaktoren (Flüssigsalzreaktoren). Im Gegensatz zu herkömmlichen Leichtwasserreaktoren nutzen Thoriumreaktoren das schwach radioaktive Metall Thorium als Brennstoff. Thorium kommt in der Erdkruste etwa drei- bis viermal häufiger vor als Uran. Diese Technologie gilt als potenzieller „Gamechanger“ der Kernkraft, da sie als inhärent sicherer eingestuft wird (keine Kernschmelze im klassischen Sinne möglich), deutlich weniger langlebigen Atommüll produziert (nur 300 Jahre) und das Material kaum für den Bau von Atomwaffen missbraucht werden kann. Aktuell befinden sich Thorium-Flüssigsalzreaktoren (MSR) vor allem in China in der fortgeschrittenen Testphase, da sie zur Kühlung kein Wasser benötigen, somit auch in trockenen Regionen, und in kleinen Maßstäben betrieben werden können. Die Bedeutung dieser Technologie ist weitreichender, als man denken mag: Billigste Energie auf Jahrhunderte gesichert.
Lies dazu: wikipedia.org/wiki/Flüssigsalzreaktor
[3c] Zwischen 2030 und 2035 ist in China mit dem Bau eines 100-MW-Prototyps in kommerzieller Größe zu rechnen. Erst danach – also ab ca. 2035 – kann die echte Serienproduktion modularer Thorium-Reaktoren (SMRs) beginnen. Bereits heute werden über 90 % der Komponenten für diese Reaktoren in China selbst hergestellt; das Land hat eine komplett unabhängige Lieferkette aufgebaut. Zudem verfügt China über riesige Thorium-Reserven (z. B. in der Inneren Mongolei), die theoretisch ausreichen könnten, um das Land für tausende Jahre (!) mit Energie zu versorgen.
Fakt ist: In den letzten 20 Jahren, wo im Westen Akademiker darüber nachsannen, ob 10, 20, 30, 72 oder 81 Geschlechtsidentitäten beim Menschen möglich sind, haben chinesische Wissenschaftler und Technologen in Sachen Thorium-Flüssigsalz-Technologie (TMSR) die weltweite Patentführerschaft übernommen. Wer glaubt, dass Deutschland und die EU jetzt noch auch nur ansatzweise eine minimale Rolle in der Weltwirtschaft spielen, der mag weiter träumen und zusehen, wie das Land mit der aktuellen „Energiewende“ brutal deindustrialisiert wird. Wer wach ist, kauft Silber.
Lies auch meinen Beitrag: „CO₂ und der Klimawandel: Warum zusätzliches Kohlendioxid keinen nennenswerten Einfluss hat“
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