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Erste Annäherung
Heute habe ich unserem Hobbyimker bei seinen ersten Frühjahrsarbeiten zugesehen – korrekter gesagt ist es Spätwinter, der 28. Februar. Die sechs Bienenvölker stehen am Rand unseres Gartens. Da ich gegebenenfalls einmal vertretungsweise einspringen könnte, möchte ich mich mit diesen Abläufen vertraut machen.
Mich interessiert zunächst der Jahresrhythmus der Imkerei: Was geschieht wann – und warum? Wenn die Witterung mitspielt, beginnen die ersten Maßnahmen bereits gegen Ende Februar.
Vorfrühling: Die Beuten erwachen
Der Winter verliert an Strenge. Die Haselkätzchen stäuben gelb. An den Bienenbeuten – so nennt man die Bienenkästen fachlich korrekt – zeigt sich im Idealfall schon reges Leben.
Die erste Frage nach dem Winter ist nüchtern und entscheidend: Wie viele Völker haben überlebt? Naheliegend wäre es, den Deckel zu heben und nachzusehen. Doch das verbietet sich noch. Selbst bei sonnigen 12 °C bleibt die Beute geschlossen.
Für eine Durchsicht braucht es etwa 15 °C, möglichst stabil über die Mittagszeit hinweg. Jede unnötige Öffnung kühlt das Brutnest aus – und kostet Energie, die das Volk jetzt dringend benötigt.
Diagnose von außen
Statt Eingriff gilt zunächst Beobachtung. Man hält das Ohr an die Beute. Ein gleichmäßiges Summen deutet auf Vitalität. Auch das Flugloch – die Ein- und Ausflugöffnung – gibt Auskunft. Reger Flugverkehr und ein sauberer Bereich davor sprechen für ein intaktes Volk.
Wirkt das Flugloch hingegen verschmutzt oder speckig, ist Vorsicht geboten. Dann kann es sein, dass das Volk geschwächt ist oder den Winter nicht überstanden hat. Die fliegenden Bienen stammen in solchen Fällen oft aus benachbarten Völkern. Es sind Räuberbienen, die verbliebene Futtervorräte aus einer verlassenen Beute abtragen.

Räuberei und Hygiene
Auf den ersten Blick mag man darin eine sinnvolle Umverteilung sehen. Im Vorfrühling ist Blütennektar noch knapp. Doch der Imker unterbindet diese Räuberei in der Regel.
Ungepflegte Futtervorräte können verunreinigt oder bereits angegoren sein. Schwerer wiegt die Gefahr der Krankheitsübertragung. Was in einer Beute schiefging, soll nicht zur Ansteckungsquelle für andere werden.
Wabenarbeit: Klebrig, aber notwendig
Wurde eine Beute im Winter verlassen, beginnt eine handfeste Arbeit. Die alten Waben müssen entnommen und entweder entsorgt oder eingeschmolzen werden. Das ist selten eine saubere Angelegenheit. Wachs- und Honigreste verbinden sich zu einer zähen Masse.
Dampf- oder Sonnenwachsschmelzer und eine Alternative dazu
Zur Aufbereitung dienen Wachsschmelzer, etwa Dampf- oder Sonnenwachsschmelzer. Durch Hitze verflüssigt sich das Wachs, Honig- und Futterreste werden getrennt.
Das gewonnene Wachs lässt sich weiterverwenden, etwa für neue Mittelwände. Solche Geräte gehören nicht zwingend zur allerersten Anschaffung, wohl aber mittelfristig zur soliden Grundausstattung eines Hobbyimkers.



Dampfwachsschmelzer: Eine minimalistische Low-Budget-Alternative zum Wabeneinschmelzen, robust, einfach und ohne Spezialgerät:
Dazu werden die zerkleinerten Waben in einem ausreichend großen Topf im Wasserbad erhitzt – möglichst im Freien, da Geruch und Honigreste Bienen anziehen.
Das Wachs schmilzt bei rund 62–65 °C, steigt im Wasser nach oben und kann nach dem Abseihen und langsamen Abkühlen als feste Scheibe abgehoben werden; schwerere Rückstände bleiben im Wasser zurück.
Die überlebenden Völker
Bleibt der Blick auf jene Völker, die den Winter überstanden haben. Für den Anfänger-Imker sind 50 Prozent schon eine hervorragende Quote:
In den Mittagsstunden zeigen sie lebhafte Flugaktivität. Auffällig ist der Polleneintrag. Das ist mehr als ein schönes Bild. Pollen bedeutet Eiweißquelle – und damit Beginn der Brutaufzucht. Das Volk investiert wieder in seine Zukunft. Für den Imker ist das ein gutes Zeichen.
Reicht das Futter?
Gleichzeitig stellt sich eine pragmatische Frage: Reichen die Vorräte in den Kästen bis zur ersten Tracht?
Zur Einschätzung gibt es mehrere Möglichkeiten:
- Die Beute von hinten anheben und ein Gefühl für das Gewicht entwickeln.
- An einem ausreichend warmen Tag eine kurze Futterkontrolle durchführen.
- Einen Blick auf die Futterkränze* über dem Brutnest werfen.
Es gilt eine einfache Faustregel: Lieber im März maßvoll nachfüttern – etwa mit Futterteig – als ein Volk verhungern lassen.

Frühjahr heißt Maßhalten
Noch etwas habe ich gelernt: Das Frühjahr verlangt keine Betriebsamkeit um ihrer selbst willen. Es ist eine Phase der Balance.
Zwischen
Eingreifen
und Abwarten,
zwischen Beobachten
und Vorausdenken.
Die gravierendsten Fehler entstehen jetzt aus Ungeduld – oder aus übertriebener Fürsorge. Wer zu früh und zu viel tut, stört ein empfindliches Gleichgewicht. Wer zu lange zögert, verpasst den richtigen Moment. Imkern im Frühjahr ist daher weniger Aktion als Haltung.

▶️ Crocus tommasinianus, Elfenkrokus … geeignet für Krokus-Wiesen im Garten.
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*Als Futterkranz bezeichnet man den ringförmigen Vorrat aus eingelagertem Honig bzw. Winterfutter, der sich oberhalb und seitlich des Brutnestes befindet. Ein kurzer Blick auf diese Zone – bei ausreichend warmer Witterung und zügiger Arbeitsweise – erlaubt eine rasche Einschätzung der verbleibenden Reserven.
Sind die Futterkränze deutlich ausgeprägt und geschlossen, ist die Versorgung meist noch gesichert. Wirken sie hingegen schmal oder lückenhaft, kann eine ergänzende Fütterung mit Futterteig angezeigt sein, um ein Verhungern des Volkes in der kritischen Übergangszeit vor der ersten Tracht zu vermeiden.