Meyers Konversations-Lexikon: Ich besitze zwei verschiedene Ausgaben im Bücherschrank, die ich auch häufig benutze.
➡️ Unten folgt eine Textquelle zum Thema Lauch, die ich hier zur heutigen Einordnung von Porree in seinen Varietäten – Sommer- und Winterporree – verwende.
Diese Varietäten werden in späteren Ausgaben nicht mehr so detailliert beschrieben. Bemerkenswert ist, dass der sogenannte Sommerporree offensichtlich der Urform von Porree (Allium porrum) und Elefantenknoblauch (Allium ampeloprasum var. holmense), der dem Ackerlauch (Allium ampeloprasum) entspricht, am nächsten steht.
Quelle: Meyers Konversations-Lexikon. Elfter Band. Langenbek bis Mauri.; Leipzig und Wien. 1897; Seite 64; der Text unten ist für die bessere Lesbarkeit leicht modifiziert.
Lauch (Allium L.)
«Gattung aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Zweijährige oder ausdauernde Zwiebelpflanzen mit grundständigen, oft scheinbar stengelständigen Blättern. Die Blätter sind flach oder rinnig, halbwalzenförmig oder pfriemlich-zylindrisch und manchmal hohl. Der aufrechte Blütenschaft trägt eine endständige Scheindolde oder ein Scheinköpfchen, das vor dem Aufblühen von zwei oder drei häutigen Hochblättern (Spatha) umschlossen ist. In der Dolde stehen neben den Blüten bisweilen zahlreiche Brutzwiebelchen. Die Früchte sind häutige, meist dreifächerige (selten einfächerige) Kapseln mit ein bis zwei (selten mehr) eckigen, meist schwarzen Samen pro Fach.
Etwa 250 Arten, vorwiegend in Mittel- und Südeuropa, Nordafrika, im gesamten außertropischen Asien (besonders West- und Mittelasien), in Nordamerika und Mexiko. Alle Arten enthalten ein flüchtiges, scharfes Öl und haben den charakteristischen Zwiebelgeruch. […]
Porree (Lauch)
[Winterporree]
(Allium Porrum L.; auch Borree, Winterporree, Welsche Zwiebel, gemeiner Lauch, spanischer Lauch, Aschlauch, Fleischlauch genannt)
Weiße, rundliche Zwiebel, fast ohne Nebenzwiebeln in den Achseln der Zwiebelblätter. Blätter flach, gekielt, länglich-lanzettlich. Die Hülle (Spatha) ist vielblättrig, lang geschnäbelt und länger als der große, kugelige, vielblütige Blütenstand. Blüten hellpurpurn, Kapseln eirund [trockene, häutigeKapselfrucht].
Anbau: Im Frühjahr aussäen, um Johanni (24. Juni) verpflanzen (24 cm Abstand in Reihe und zwischen den Reihen). Im Winter im Garten tief anhäufeln, damit die Schäfte bleichen, oder im Freiland stehen lassen und mit Stroh abdecken. Samenzucht wie bei der Küchenzwiebel.
Verwendung: Als Gemüse und Küchengewürz.
[Sommerporree]
Der Porree ist eine Kulturform des im Mittelmeergebiet heimischen Allium ampeloprasum L. Diese Wildform wird als Sommerporree kultiviert. Sie ähnelt dem gewöhnlichen Porree sehr, hat jedoch rote Blüten, rötlich angelaufene Schäfte und deutlich stumpfere Kapseln. Der Geschmack ist pikanter; sie wird besonders im Orient geschätzt. Die Zwiebeln sollten im Herbst ausgegraben werden.
Knoblauch
(Allium sativum L.)
Grundständige Zwiebel mit länglich-eiförmigen Nebenzwiebeln („Zehen“). Stengel 60–90 cm hoch, stielrund. Blätter breit-linealisch, flach, etwas gekielt. Hülle lang geschnäbelt, in einem Stück abfallend. Blütendolde mit sehr vielen Brutzwiebelchen und nur wenigen weißlich-rosaroten, steril bleibenden Blüten (kein Samen).
Herkunft: Dschungarei (Zentralasien). Bei uns gelegentlich verwildert.
Anbau: Liebt sandigen bis leicht lehmigen, kräftigen Boden in warmer Lage. Die Zehen werden im Herbst oder im März 20 cm auseinander gesteckt. Ernte im August. Noch größere Zwiebeln erhält man, wenn man die Pflanze zweijährig kultiviert. Die Brutzwiebelchen aus der Blütendolde brauchen ein weiteres Jahr bis zur vollen Größe.
Verwendung: Als Würze für Saucen und Fleischgerichte, besonders bei Juden, Russen und Türken beliebt. Erzeugt eine intensive, lange anhaltende Ausdünstung. Früher medizinisch verwendet (z. B. Abkochung als Klistier gegen Spulwürmer, zur Behandlung von Geschwüren). Das ätherische Öl besteht hauptsächlich aus Allylsulfid (Schwefelallyl).
Varietäten:
- Spanischer Knoblauch: feiner im Geschmack, mit dickeren, stumpferen Zehen.
- Schlangenknoblauch (A. sativum var. ophioscorodon): Nebenzwiebeln rundlich bis fast kugelig, Schaft unter dem Blütenstand meist ringförmig gebogen. Liefert die Perlzwiebeln oder Rocambole (Rockenbollen). Diese werden ausschließlich vegetativ durch Brutzwiebelchen vermehrt. Stecken im September, Ernte der kleinen weißen Zwiebeln um Johanni.
Sandlauch / Rocambole-ähnliche Art
Einfache, braunschalige Zwiebel, die beim Austrieb seitlich eine neue Tochterzwiebel bildet. Blätter deutlich kürzer als beim Knoblauch, flach, am Rand scharf. Hülle plötzlich kurz geschnäbelt oder stumpf, kürzer als der kugelige Blütenstand. Zwischen rotbraunen Brutzwiebelchen nur wenige tief purpurrote, unfruchtbare Blüten.
Verbreitung: Süd- und Mitteleuropa, bei uns überall anzutreffen. Wird wie Knoblauch angebaut und verwendet.»