Bild oben: Wir pflanzen sie als Geschwisterpaar 👶👶 Ich hab sie noch mit Schneckenkorn geschützt. Die wenigen Krümel reichen vollkommen…
[Anbau-Anleitung ][Übersicht: Paprika]
🌶️ Spätestens jetzt, in diesen Tagen der zweiten Mai-Hälfte, sollte unser Gemüsepaprika gepflanzt sein. Natürlich geschieht das nach den sogenannten Eisheiligen, wenn keine Nachtfröste mehr drohen.
Und wenn wir uns gute Jungpflanzen aufgezogen haben (Aussaat Anfang März im Zimmer am Fenster möglich) und sie nun in tief gelockerter und humusreicher Erde stehen haben, können wir ab Ende Juni auf regelmäßige Ernten bis Ende September hoffen.
Paprika im Kleingarten
Der Vorteil am Gemüsepaprika ist, dass die Früchte sehr langsam reifen in Stadien von grün über gelb bis hin zu rotem Paprika. Wenn wir also mal nicht gleich dazukommen die Paprika abzunehmen, werden sie nicht schlechter (wie bei den Tomaten) – sondern eher noch besser und süßer.
Aus diesem Grunde pflanze ich jedes Jahr mindesten drei laufende Meter davon. Der Frage, wieviel Paprika wir für die Eigenversorgung pro Person pflanzen sollten, habe ich hier seperat beantwortet.
Meist pflanzen wir bei uns die Sorte ‘Feher’, beziehungsweise Abkömmlinge dieser samenfesten Sorte, da ich Jahr für Jahr ihren Samen ernte und somit selber weitervermehre, was beim Paprika superleicht ist.
Inzwischen hat sich diese alte, bewährte ungarische Kleingartensorte auch ein wenig mit anderen Sorten gekreuzt, interessanterweise aber nie mit dem Chili – der ja auch ein Paprika ist – nur kleiner und schärfer.

Heißes Wetter zur Pflanzzeit ist ungünstig
Beim Pflanzen ist zu beachten, dass wir dafür nicht zu heißes Wetter wählen, da die Jungpflanzen in der ersten Woche nach der Pflanzung sehr unter sengender Hitze leiden. In dieser Phase das Anwachsens benötigen sie viel Wasser, welches beim Gießen möglichst etwas abgestanden und temperiert sein sollte.
Wenn es nun tatsächlich sehr heiß und sonnig ist, sollten wir für die jungen Pflänzlinge temporär ein Schattendach konstruieren – sie also ewas Schattieren, wie der Gärtner sag.
Das geht etwa mit einem leichten Vlies, einigen Reisigzweigen oder einem einfachen Brett auf Stäben schnell zu machen. Denn obwohl dieses tropische Gemüse Wärme liebt, verträgt die frisch gesetzte Jungpflanze die ungebremste Mittagssonne oft schlechter, als viele Hobbygärtner vermuten.
Erst wenn die Wurzeln Anschluss an den umgebenden Boden gefunden haben, beginnt die Pflanze ihre eigentliche Kraft zu entfalten:
Die ersten Tage nach dem Pflanzen entscheiden daher häufig darüber, ob der Paprika nur überlebt — oder später kräftig wächst, sattgrüne Blätter bildet und reich trägt.

Bild: Paprika in Mischkultur gepflanzt. Links, die Erdbeeren in jetziger Vollernte (Sorte Honeoye) werden bald durch Buschbohnen ersetzt. Rechts von der Schnur stehen die frühen Buschbohnen, die Ende Juli durch sind. An deren Stelle wird dann Chinakohl und Schwarzer Rettich gesät … oder eine andere Herbstkultur.
Tipp von Ing. Helga Wagner: Paprika immer zu zweit setzen …
Nach Anleitung von Frau Ing. Helga Wagner (1924–2021)*, einer wiklichen Expertin für biologisch-dynamischen Gartenbau, pflanze ich schon immer zwei Paprikapflänzchen an einer Stelle nebeneinander.
Dieser Tipp stammt aus ihrem legendären Lehr-Video (1991 produziert, nach Rudolf Steiners Biologisch Dynamischen Gartenbau) “Tipps für Biogärtner und Obstbaumschnitt”. Dort sagt die Protagonistin bei Minute 12:25:
„Paprika immer zu zweit setzen … gibt andere Ernten, als wenn Paprika allein steht.“
Und wenn sie das sagt, glaube ich das auch und habe seit gut 10 Jahren tatsächlich noch nie eine magere Paprikaernte gehabt.
Warum 2 Stück zusammenpflanzen? Konkurrenz regt das Wachstum an?
Warum in der biologisch-dynamischen Gärtnerei zwei Paprika zusammengepflanzt werden sollen, ist mir nicht bekannt. Meine Arbeitshypothese hierzu ist jedoch folgende:
Möglicherweise steckt hinter der Doppelpflanzung folgender Effekt: Moderate Konkurrenz (Allee-Effekt, density-dependent growth) kann bei Pflanzen zu kräftigerem Wachstum führen, wie es etwa beim Mais der Fall ist. Pflanzen reagieren nämlich erstaunlich sensibel auf ihre unmittelbare Umgebung und „bemerken“ gewissermaßen benachbarte Pflanzen.
Stehen zwei Paprikapflanzen dicht beieinander, strecken sie sich häufig etwas stärker dem Licht entgegen, bilden mehr Blattmasse und reagieren insgesamt dynamischer auf ihre Konkurrenzsituation. Solange diese Konkurrenz nicht zu stark wird, kann daraus sogar ein robusterer und vitalerer Wuchs entstehen.
Zu enge Pflanzungen würden die Pflanzen natürlich irgendwann schwächen. Zwei Paprika dicht nebeneinander könnten jedoch genau jenen Bereich leichter Konkurrenz erzeugen, der das Wachstum eher anregt als behindert. Die alte Gärtnerregel wäre damit weniger Ausdruck von Esoterik als vielmehr eine Form gezielt genutzter Wachstumsreize.
Hinweise und Ergänzungen
* Helga Wagner verstarb (97jährig) am 29. Juli 2021. Hier ein Nachruf.
Ein weiteres interessantes Video mit der Gartenbau-Ingeneurin hat den Titel: „Biologisch Dynamischer Kompost Methode Dr. Rudolf Steiner Kompost für die Stadt Linz“ (06.04.2016)
➡️ zum 2. Video

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Literatur: ZHANG, Ruichang & TIELBÖRGER, Katja; nature.com; Dichteabhängigkeit beeinflusst die Veränderung von Pflanzen-Pflanzen-Interaktionen unter Umweltstress; 21.5.2020
🌶️ [TJ.21.17] Thomas Jacob · Erstveröffentlichung: 17.5.2024 · Durchgesehen: 16.5.2026
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