➡️ Wer Zwiebeln lagern kann, muss nicht unbedingt viele selbst anbauen. Das klingt zunächst widersinnig. Doch gerade im September und Oktober, wenn die lagerfähigen Zwiebelsorten aus der Landwirtschaft geerntet werden, sind Küchenzwiebeln im Handel oft besonders günstig. Dann liegt der Jahresvorrat gewissermaßen vor der Haustür – nicht im Garten, sondern im Supermarkt oder beim Bauern.
Die selbst angebauten Küchenzwiebeln im Garten sind meist schon im August reif. Die lagerfähigen Sorten aus der landwirtschaftlichen Produktion brauchen etwas länger. Von Ende September bis in den Oktober hinein ist ihre Erntesaison.
In dieser Zeit werden sie häufig zu besonders günstigen Preisen angeboten. Wer einen geeigneten Lagerplatz hat, kann sich deshalb jetzt für mehrere Monate eindecken.

Ohne frostfreie Räume lassen sich geerntete Küchenzwiebeln im Gartenhaus oder auf dem Balkon oft bis Weihnachten lagern. Mit einfachem Schutz halten sie sich manchmal sogar bis in den Mai. Dazu unten mehr.
Die Ernte und erste Auslese unreifer Küchenzwiebeln
Qualität und Lagerfähigkeit hängen stark von Sorte, Reife und Erntezeitpunkt ab. Die Gemüsezwiebeln aus dem eigenen Anbau nimmt man an einem trockenen Tag auf und lässt sie zunächst auf dem Beet abtrocknen und nachreifen. Sind sie hinreichend trocken, kommen sie zur Zwischenlagerung an einen luftigen, trockenen Ort: unter ein Dach, ins Gerätehaus oder ins Gartenhaus.

Ideal ist ein unbeheizter, luftiger Dachboden. Entscheidend ist vor allem die trockene Lagerung.
Nach etwa einem Monat sortiert man die gut ausgereiften von den weniger reifen Zwiebeln. Unreife erkennt man an den dicken Zwiebelhälsen; sie werden zuerst verbraucht. Nur ausreichend ausgereifte und vollständig getrocknete Exemplare eignen sich als Dauerware.
An Winterabenden putzt man sie und dreht den ausgetrockneten Zwiebelhals fest zu. So wird frühzeitiges Austreiben verhindert. Gleichzeitig sucht man die Steckzwiebeln für das kommende Frühjahr heraus: die kleinsten Exemplare etwa in Haselnussgröße. Auch sie lagert man kühl und trocken, damit sie nicht vorzeitig austreiben.
Spezielle Lagerzwiebeln aus dem Supermarkt oder vom Bauern brauchen keine besondere Behandlung.Schalotten und Knoblauch lagert man ebenso. Winterzwiebeln bleiben im Freien.
Voraussetzungen für die Lagerung
In Kühlhäusern bei etwa −2 bis −3 °C und 80 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit halten sich Zwiebeln bis zur nächsten Ernte.
Ohne solche Kühlung und professionelle Lagerung bleiben sie immerhin in geeigneten trockenen Vorratsräumen bis März und je nach Witterung manchmal bis Mitte April haltbar.
Die Räume müssen luftig und trocken sein. Deshalb eignen sich Dachböden oder vergleichbare Räume besonders gut. Auch die meisten Gartenhäuser erfüllen diesen Zweck. Der Balkon tut es auch.
Die Zwiebeln lagert man in flachen Körben, Flachstiegen, flachen Pappkisten oder aufgehängten Netzbeuteln. Gekaufte Ware sollte man mindestens sechs Wochen regelmäßig durchsehen, bevor man sie weiter lagert.
Die Küchenzwiebeln vertragen relativ viel Kälte. Sinkt die Temperatur unter −4 °C, schützt man sie mit mehreren Lagen Zeitungspapier oder deckt sie damit ab.
Im gefrorenen Zustand darf man sie nicht berühren, sonst entstehen Druckstellen, die nach dem Auftauen faulen. Man wartet, bis der Frost wieder ausgezogen ist. Eine Entnahme zum sofortigen Verbrauch ist trotzdem möglich.
Über den Winter sieht man die Vorräte öfter durch. Treibende oder schlechte Exemplare sortiert man aus. Zwiebelzöpfe oder Netzbeutel lassen sich bei starker Kälte leicht in frostfreie Räume umhängen. Zur Lagerung eignen sich ganz normale Obststiegen, wie man sie auch für Äpfel verwendet.
Stellt man sie im Gartenhaus dort auf, wo man im Winter öfter vorbeikommt, bleiben sie im Blick. Zwiebeln, die nicht mehr besonders frisch wirken, können kleingeschnitten ins Hühnerfutter und so in Eier verwandelt werden.
Zwiebeln im Supermarkt zukaufen?
Gerade Selbstversorger fragen oft, ob man Zwiebeln überhaupt zukaufen sollte. Ich sage: ja. Wer lagern kann, muss nicht den gesamten Jahresbedarf im Beet stehen haben.
Und wie gesagt: im September und Oktober liegt lagerfähige Ware oft besonders günstig im Handel. Ob das mit dem eigenen Anspruch an „saubere“ Ernährung zusammenpasst, hängt weniger vom Image des Profianbaus ab als vom fertigen Produkt.
Zwiebeln aus dem Handel: viel Chemie auf dem Acker, wenig im Topf?
Wer im September und Oktober günstige Lagerzwiebeln kauft, greift meist zu Ware aus dem Profifeldbau. Der ist in Deutschland durchaus stark vertreten. Das heißt aber nicht, dass die Zwiebeln automatisch „relativ bio“ sind – und auch nicht, dass sie stark belastet auf den Teller kommen.
Im konventionellen Anbau wird Saatgut oft gebeizt. Das schützt die jungen Pflanzen vor samen- und bodenbürtigen Pilzen und zum Teil vor frühen Schädlingen wie der Zwiebelfliege. Damit ist der Pflanzenschutz aber nicht erledigt. Gegen Unkraut, Falschen Mehltau und später gegen Thripse stehen weitere Mittel zur Verfügung. Bei Lagerzwiebeln kommt vor der Ernte oft noch ein Keimhemmungsmittel hinzu. Bio ist das nicht.
Jedoch
Für den Vorrat im Haushalt zählt jedoch vor allem, was in der Knolle ankommt. Trockene Speisezwiebeln schneiden im Rückstandsmonitoring regelmäßig gut ab. In Kontrollen bleiben viele Proben ohne nachweisbare Pestizide; wo etwas gefunden wird, handelt es sich meist um geringe Gehalte eines einzelnen Wirkstoffs.
Höchstgehalte werden selten überschritten. Das liegt auch an der Pflanze selbst: Die essbare Zwiebel wächst im Boden, die äußeren Schalen werden entfernt, und zwischen letzter Behandlung und Ernte vergeht Zeit.
Und die Lauchzwiebeln?
Anders sieht es bei Bund- und Lauchzwiebeln (Frühlingszwiebeln) aus. Hier isst man das Grün mit, und Rückstände von Fungiziden sind häufiger nachweisbar – meist trotzdem unter den zulässigen Höchstgehalten.
Für den Jahresvorrat bedeutet das: Günstige Lagerzwiebeln vom Bauern oder aus dem Supermarkt sind keine Bio-Ware, aber in der Regel auch keine stark belastete. Wer Rückstände weiter vermeiden will, greift zu Bio oder zur eigenen Ernte. Wer lagern kann, darf sich im Herbst trotzdem mit ruhigem Gewissen eindecken – vorausgesetzt, die Zwiebeln sind fest, trocken und gut ausgereift.
Literatur & Quellen
ERNST, Dr. Manfred; Gemüsebau im Garten; Berlin 1981
BIER, Alfred; Lohnende Gemüsezucht; Erfurt um 1925, Verlag des Erfurter Führers im Obst- und Gartenbau.
laves.niedersachsen.de; Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Zwiebeln?