[Mesolithikum] [Die Nacheiszeit] [Hackbau]
Ursprünglich hatte ich vor, in diesem Artikel lediglich über die ältesten Spuren des Bierbrauens zu schreiben…
…doch bei weiteren Recherchen zu den Quellenangaben – nachdem mein Beitrag eigentlich schon fertig war – stieß ich auf verschiedene archäologische Fundbeschreibungen, die das Bild von der Entstehung der Landwirtschaft und der Erfindung der Brauerei in einem etwas anderen Licht erscheinen lassen, als man es gewohnt ist.
So wurde der Blog-Artikel schließlich noch einmal gründlich überarbeitet.
Die Funde legen nahe, dass Menschen der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) möglicherweise bereits über das volle Wissen und die technischen Fähigkeiten verfügten, um Getreidefelder anzulegen, Brot zu backen und Bier zu brauen – lange bevor sie in der Jungsteinzeit (Neolithikum) zum flächendeckenden Ackerbau übergingen, sich überwiegend von Ackerbau und Viehzucht ernährten und auch regelmäßig Bier brauten.
Bisher traute man diese Fertigkeiten ausschließlich den bäuerlichen Kulturen zu. Nun steht jedoch die Frage im Raum, ob die Menschen der sogenannten Mittelsteinzeit nicht auch schon Felder bestellten. Meine persönliche Einschätzung: Ja, das taten sie.
Seit wann brauen Menschen Bier – und bauen Getreide dafür an?
Wir halten die Geschichte oft für eine feste Größe, gemeißelt in Stein:
Erst streifte die Menschheit als Jäger und Sammler durch die Landschaft, dann wurde sie sesshaft, betrieb Ackerbau, kultivierte Getreide und andere Kulturpflanzen und zähmte Nutztiere.
Dieses „große Umschalten“ soll in der Jungsteinzeit (Neolithikum) erfolgt sein – in der sogenannten „neolithischen Revolution“, der angeblichen Erfindung der Landwirtschaft [1] deren Beginn man noch vor wenigen Jahrzehnten vor 11.000 Jahren vermutete und heute vor 12.000 Jahren verortet. Das führte zur Entstehung von Dörfern, Städten und schließlich zu jener Zivilisation, wie wir sie kennen.

Doch was, wenn diese Chronologie noch lange nicht stimmig ist?
Was, wenn die Menschen schon lange vor der Jungsteinzeit wussten, wie man Getreide anbaut – es aber als Jäger lediglich „nebenberuflich“ und nicht als „hauptberuflich“ nutzte?
Und was, wenn am Anfang nicht der Hunger stand, sondern eine berauschendere Motivation – das Bierbrauen? Manche der heutigen Wissenschftler vermuten, dass der Wunsch nach einem kühlen Schluck durchaus ein Antrieb war, Getreide systematischer anzubauen – und so allmählich zum Vollzeit-Ackerbau überzugehen.
Ich allerdings glaube, dass es weniger der „Rausch“ war, der mit dem Bier gesucht wurde – dafür hatte man wirksamere Pflanzen und Pilze – es könnte auch der Bedarf an schnell verfügbaren Kohlehydraten gewesen sein, der mittels Brauen vielleicht schneller zu bekommen war, als mit dem Backen von Brot.
Zudem wird bei dem Verbrauen von Getreide – und die frühen Getreidearten waren auch reichhaltig an Eiweiß – das Eiweiß im Korn günstig aufgeschlossen und über die Hefepilze teils ind wertvolle B-Vitamine umgewandelt.
Aus diesem Grunde – und das ist meine Hypothese – wurde gerade dort intensiv gebraut, wo auch viel gebaut, bzw. gearbeitet wurde – etwa in Ägypten und Sumer [2] oder Jahrtausende zuvor in Göbekli Tepe (siehe unten).
Oder noch einmal anders formuliert: Überall dort, wo wir in geschichtlicher und vorgeschichtlicher Zeit eine rege Bau- und Arbeitstätigkeit beobachten können – oder sagen wir, wo viel körperliche Arbeitskraft mit hohem Kalorienverbrauch eingesetzt wurde – da sollten wir auch danach scheien, ob man dort parralel Getreide kultivierte und verbraute.
Fakt ist, dass das Brauen von Bier, auf welche Art und Weise, etwas mit der Weiterentwicklung des Ackerbaus zu tun hat – entweder wegen des Rauscherlebnissen oder der Kalorieen.
12.500 v.Chr. – Der Fund von Raqefet
Die ältesten eindeutigen Spuren, die wir vom Bierbrauen kennen, stammen aus der sogenannten Natufien-Kultur im heutigen Israel. Das waren Menschen-Gruppen, die am Ende der sogenannten Mittelsteinzeit lebten und als halb-sesshafte Wildbeuter (Jäger, Fischer, Sammler) gelten – ungefähr zwischen 12.500–9.500 v. Chr.

Die „Natufier“ besaßen tatsächlich schon Siedlungen, die man als eine Art „Winter-Basislager“ interpretieren kann. Womöglich waren diese Menschen auch schon weiter in Richtung einer frühen Ackerbaukultur fortgeschritten, als wir denken. Und sie buken immerhin schon Brot aus Wildgetreide, was 14.400 Jahre alte Brotreste aus der Fundstätte Shubayqa 1 in Jordanien zeigen!
Doch zurück zum Bier. In einer Höhle bei Raqefet entdeckten Archäologen Rückstände eines aus Getreide (vor allem Gerste) hergestellten vergorenen Getränks, das zwischen 13.000 und 11.700 Jahren alt ist. Also Bier!
Und das ist ein bedeutender Fund! Denn die Herstellung von Bier war eigentich die Sache von sesshaften echten Ackerbauern, so die gängige Lehrmeinung der Wissenschaft, zumindest bis zu den Funden bei Raqeft.
Aber wie dem auch sei. Hier in dieser Höhle, nahe der Mittelmeerküste, scheinen die Funde neues Licht auf die Entstehung der Landwirtschaft zu werfen.
Die Interpretation der gefundenen Bierreste, so die Wissenschaftler, deutet übrigens darauf hin, dass das Getränk für rituelle Feste gebraut wurde – also kein bäuerliches Alltagsgetränk war, wie später in Sumer und Ägypten, sondern eher als Teil einer kultischen Gemeinschaftspraxis.

9.600 v. Chr. – Göbekli Tepe in Anatolien
Hier fanden sich zwar keine direkten Spuren von verarbeitetem Getreide, dafür aber bemerkenswerte Steintröge, die man als rund 12.000 Jahre alte Braugefäße interpretiert [5].
Entdeckt wurden sie in Göbekli Tepe, einer archäologischen Fundstätte in Anatolien, die als eine Art Kultplatz von Menschengruppen gedeutet wird, die offiziell noch zu den Jägern und Sammlern gezählt werden.
Nach meiner Theorie, die ich noch weiter begründen werde, müssten jedoch auch sie zumindest zeitweise Ackerbau betrieben haben – vielleicht nicht dauerhaft im Jahresverlauf, aber in einem saisonalen Rahmen. Der Grund hierfür ist der, dass diese Technologie des Mälzens und Brauen, wie es hier gefunden wurde, einer bäuerlichen Kultur zuzuorden ist.
Dabei ist es unerheblich, ob sie domestizierte oder domestikationsnahe Wildformen von Einkorn und Gerste kultivierten. Und mit bäuerlicher Kultur meine ich schlicht und einfach, dass Nahrungspflanzen auf vorberieteten Flächen temporär kultiviert worden sind, egal ob man in der restlichen Zeit Jäger und Sammmler war.

Der entscheidende Unterschied: Im Mesolithikum ersetzte die Jagd außer Haus ledigleich die Berg-Viehwirtschaft.
Und was die Sammelwirtschaft der „Jäger und Sammler“ betrifft: Auch in Mitteleuropa lebten Menschen noch weit über das Mittelalter hinaus nebenbei von Sammeln, Jagd und Fischfang. Es scheint sich über die letzten 12.000 bis 13.000 Jahre vor allem die Gewichtung der Tätigkeitsfelder verschoben zu haben – nicht jedoch ihr grundsätzliches Nebeneinander.

Zu Göbekli Tepe sei abschließend noch angemerkt: Mindestens ebenso spektakulär wie die mutmaßlichen Braugefäße sind die dort entdeckten monumentalen Steinstrukturen und Skulpturen – die ältesten ihrer Art – die in ähnlicher Form auch an anderen Fundstätten Anatoliens auftreten.
20.000 v. Chr. – Doch gehen wir von Raqefet und Göbekli Tepe aus noch einmal 10.000 Jahre weiter in die Vergangenheit zurück – überraschende Nähe zu Ohalo II
Noch spannender wird es, wenn man den Blick nur „um die Ecke“ richtet: Am archäologischen Fundort Ohalo II am See Genezareth wiesen Forscher auf einem Mahlstein 22.000 Jahre (!) alte Stärkereste von Wildgetreide wie Gerste und Weizen nach. Das ist der bislang älteste Beleg für die gezielte Verarbeitung von Getreide durch den Menschen [7].
Das heißt: Genau dort, im „Heiligen Land“, war Getreide als Grundlage der besagten 13.000 Jahre alten Braukunst schon 10.000 Jahre früher vorhanden!
Ackerbau vor 22.000 Jahren in der Mittelsteinzeit?
In den Publikationen zu den Ohalo-II-Funden (ca. 20.000 BC) liest man meist den Hinweis, dass es sich bei diesen Getreiden um reines Sammelgetreide von Wildbeutern gehandelt habe.
Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Denn in Ohalo II fanden sich nicht nur große Mengen an Wildgetreide, sondern auch eine auffällige Konzentration sogenannter „Proto-Unkräuter“ – Pflanzen, die typischerweise nur auf bearbeiteten Feldern wachsen, nicht in der Wildnis.
Diese Kombination legt nahe: Die Menschen dort sammelten nicht nur, sondern säten möglicherweise bereits gezielt Getreide auf kleinen, vorbereiteten Flächen aus – ein Hinweis auf frühen Ackerbau ohne Pflug, den ich hier auf dem Inhortas-Blog schon öfter als Hackbau beschrieben habe.
Ursprünge und Verbreitung des Hackbaus
Dieser Hackbau – man beuechnet ihn auch als Pflanzerkultur – der sich weltweit bis in die Moderne erhalten hat – entstand nach dem Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Emil Werth (1869–1958) [8] vermutlich am Ende der letzten Eiszeit in Indien und breitete sich von dort über den gesamten Tropengürtel aus.
Ein agrarhistorischer Marker der oben genannten Ausbreitung der tropischen Hackbau-Kultur übrigens die Kulturbanane (Musa paradisiaca, Wildform: Musa paradisiaca seminifera), vermutlich die effizienteste tropische Kulturpflanze. In der Urzeit gelangte sie sogar bis nach Amerika – ob über Afrika oder Ostasien, ist noch unklar.
- In nordwestlicher Richtung entwickelte er sich im kühleren, spätglazialen Kaltsteppenklima mit dem Anbau von Getreide weiter, bis zum pflügenden Ackerbau.
- In östlicher und westlicher Richtung blieb es bei der Bearbeitung des Landes mit Grabstock und Hacke – was keineswegs uneffektiv ist. In Kombination mit Brandfeldbau ist der Hackbau sogar hocheffizient. Darüber schrieb ich hier.
- Westlich verlief die Ausbreitung der tropischen Hackbau-Wirtschaft, die arabische Halbinsel weithin auslassend, nach Afrika.

Nach E. Werth sind im Ursprung Getreide dem Hackbau fremd (Ausnahmen gibt es beim Mais und später Hirse), doch wurde ja nach Werth der ursprüngliche tropische Feldbau bekanntlich später in Richtung des Kaspischen Meeres und Anatolien vor 12.000 Jahren mit Getreidekulturen modifiziert.
Ich stelle nun die Frage in den Raum, ob schon 10.000 Jahre früher ein ähnlicher Impuls aus diesem Tropengürtel heraus in Richtung Levante vorausging (Ohalo II am See Genezareth). Das wäre ein Vorstoß vor 23.000 Jahren, wie später in Anatolien, in ein Kaltsteppenklima plus Nutzung von Getreide.
Eine andere Möglichkeit wäre natürlich eine unabhängige Entstehung erster Agrarstrukturen in diesen bereits auszumachenden stückweisen „Fruchtbaren Halbmond“.
11.000 v. Chr. – Getreide in Europa vor 13.000 Jahen
Die besondere Wertschätzung – und vermutlich auch die frühe Kultivierung – von Getreide gab es wohl auch ungewöhnlich früh in Europa, etwa um 15.000 v. Chr.
Ein eindrucksvolles Beispiel ist eine Schnitzerei einer Ähre aus Rentiergeweih mit drei Reihen Körnern aus der Höhle von Espélugues bei Lourdes (Pyrenäen), datiert zwischen 12.000 und 17.000 Jahren.
Solche Funde führten vor rund 100 Jahren zu der damals populären Hypothese, dass Landwirtschaft zuerst in Europa erfunden und von dort aus verbreitet worden sei – eine Annahme, die heute zwar widerlegt ist, jedoch nur in Bezug auf die postulierte Ausbreitung…

… denn Landwirtschaftstechniken entstanden auch parallel.
Landwirtschaftstechniken entstanden an verschiedenen Orten tatsächlich auch parallel. Besonders spektakulär ist das Beispiel des Hackbaus in Papua-Neuguinea, der bis in die Neuzeit hinein hoch entwickelt war und sicher auch noch ist. Sein Ursprung wird derzeit auf mindestens 11.000 Jahre geschätzt [9].
Archäologische Funde in der Kuk-Swamp-Region datieren den Anbau von Taro und Bananen sowie den Einsatz ausgeklügelter Be- und Entwässerungssysteme auf etwa 9.000 v. Chr. – also in einer Zeit, in der diese Techniken dort bereits voll entwickelt waren. Das macht die Region ebenfalls zu einem der weltweit ältesten Zentren der Landwirtschaft. Beachtung findet es – abgesehen von Experten – kaum.
Ein Zwischenfazit
Was mir bei den oben genannten Funden auffällt – sei es nun der Nachweis eines sehr frühen Getreideanbaus durch vermeintliche Jäger und Sammler oder deren offenbar früh entwickelte Fähigkeit, Bier zu brauen – ist, dass beides nicht so recht in das gewohnte Bild passen will, das wir einerseits von klassischen Jägern und Sammlern und andererseits von den neolithischen Bauern haben.
Frühen Ackerbau können wir, wie bereits erwähnt, zum Beispiel durch den Fund bestimmter Getreidearten oder durch den Nachweis typischer Feldunkräuter rekonstruieren. Weitere Hinweise ergeben sich aber auch aus Beobachtungen, ob bereits Bier gebraut wurde, ob der Mörser erfunden war oder ob bestimmte Werkzeuge – etwa Hacken oder geschäftete Äxte – auftauchten (vgl. Analyse-Katalog der Hackbau-Kultur).
Hier ist besonders die Arbeit des Agrarwissenschaftlers und Ethnologen Prof. Dr. Emil Werth von Bedeutung. Auch wenn einzelne Details seiner Forschung heute vielleicht nicht mehr in allen Punkten aktuell sind, so haben sich doch seine grundlegenden kulturhistorischen Zusammenhänge bewährt. Er zeigt, dass es weltweit mindestens fünf grundlegende Techniken zur Herstellung alkoholischer Getränke gab.
Für das Bierbrauen unterscheidet er zwei Varianten: eine, die er der Hackbaukultur (Feldbestellung mit Grabstock und Hacke) zuordnet – das sogenannte „Speichelbier“ – und eine, die dem pflügenden Ackerbau zugehört – das aus gemälztem Getreide hergestellte Bier [8a].
[Bemerkenswert ist, dass man in der Höhle bei Raqefet (siehe oben) Spuren der Mälzung entdeckt hat; man vermälzte Gerste, Weizen und Bohnen (Bohnenbier)]
So schreibt Prof. Werth beispielsweise:
«Die Brauerei, das heißt die Herstellung von Bier, ist des Weiteren eine bemerkenswerte Neuerung des Hackbaus und geht mit diesem durch den ganzen Gürtel rund um die Erde.
Überhaupt spielt die Bierbrauerei eine große Rolle in der Hackbaukultur, und ausgedehnte Biergelage sind an der Tagesordnung. Nur in der Südsee wird das Bier durch die – eine ähnliche Zubereitungsweise erfordernde – Kawa ersetzt.
Während die Herstellung eines berauschenden Getränks aus zuckerhaltigen Pflanzensäften (= Wein) bereits in vielen Jägervölkern geübt wird, ist diesen die Bierbereitung – d. h. die Herstellung eines alkoholischen Trankes aus stärkehaltigen Pflanzenstoffen, wobei zur Ermöglichung der Gärung die Stärke durch Zusatz eines bestimmten Stoffes erst verzuckert werden muss* – unbekannt geblieben.
Auch ist die Bierbrauerei immer mit der Kultur der Stärkemehl liefernden Pflanzenart verbunden, während in der Hackbaukultur die Weiterverarbeitung in großem Umfange noch auf Wildpflanzen zurückgreift. […]
Von Geräten zur Zerkleinerung mehlhaltiger Früchte und Samen ist der Mörser eine Neuerfindung des Hackbaues, während der kulturgeschichtlich wichtigere Reibstein auch schon bei den Jäger-Sammlervölkern zu finden ist.» [8b] *Hinweis auf „Speichelbier“ [8a]
Legt man Werths Erkenntnisse nun als Maßstab an die oben genannten archäologischen Funde an, so drängt sich der Eindruck auf, dass der Ackerbau im Mesolithikum bereits deutlich stärker etabliert war, als wir es bislang annehmen.
Quellen und weitere Hinweise
[1] Die derzeitige „Schulmeinung“ von der Gemini-KI so formuliert, um zu zeigen, was „Schulmeinung“ ist (14.8.25):
«Die „Neolithische Revolution“, also der Übergang von der Jäger-und-Sammler-Lebensweise zur Landwirtschaft, fand ab etwa 10.000 v. Chr. statt. Dieser grundlegende Wandel der menschlichen Lebensweise vollzog sich nicht überall auf einmal, sondern begann in einer bestimmten Region: dem Fruchtbaren Halbmond im Nahen Osten. Diese Region erstreckte sich von den heutigen Gebieten Israels und des Libanons über Syrien und Südostanatolien bis in den Irak und den Iran. Die dort vorkommenden Wildgräser wie Emmer und Einkorn sowie Tiere wie Wildschafe und -ziegen boten die idealen Voraussetzungen für die ersten Schritte in Richtung Ackerbau und Viehzucht. Von dort aus verbreitete sich die Landwirtschaft über die Jahrtausende hinweg in die ganze Welt.»
Den Werdegang der Ansichten zum Thema der Neolithischen Revolution seit dem Jahr 2003 können wir anschaulich in den Webarchiven nachverfolgen, was duchaus ein Strück Wissenschaftsgeschichte ist.
https://de.wikipedia.org/wiki/Neolithische_Revolution
[2] Bier wurde gebraut im alten:
- Iran (Zagros-Gebirge, Godin Tepe): Keramik mit Bierresten, ca. 3500 v. Chr.
- Mesopotamien (Sumerer): Ab ca. 3000 v. Chr. viele Hinweise, inkl. schriftlicher Rezepte und Darstellungen des Biertrinkens.
- Ägypten: Ab ca. 3000 v. Chr. großflächige Bierproduktion, teils als Grundnahrungsmittel.
[3] Andererseits ist festzustellen, dass das Brauen von Bier nicht so einfach ist. Man bedenke, dass im Selbstversorgungsbereich zwar oft Wein selbst hergestellt wird – was erheblich viel Zeit in Anspruch nimmt – aber Bier selbst zu brauen, macht fast keiner von uns.
Allerdings weist M. Miklis in einem Kommentar darauf hin, dass die Urgerste (Hordeum vulgare) sowie die ältesten Weizenformen noch kein freidreschendes Brotgetreide waren und daher äußerst schwer von der Spelze zu trennen waren. „Und damit ist das Aufschließen des Getreides durch Brauen einfacher als durch Mahlen und Entspelzen!“
[4] Journal of Archaeological Science; 21.10.2018; „Fermented beverage and food storage in 13,000 y-old stone mortars at Raqefet Cave, Israel: Investigating Natufian ritual feasting
Author links open overlay panel.“; Zusammenfassung der wissenschaftlichen Arbeit von Li Liu, Jiajing Wang, Danny Rosenberg, Hao Zhao, György Lengyel und Dani Nadel
[4a] https://www.pnas.org/; Earliest floral grave lining from 13,700–11,700-y-old Natufian burials at Raqefet Cave, Mt. Carmel, Israel; 1.7.2013
[4b] israelnetz.com; Älteste Bierbrauerei der Menschheit in Israel entdeckt; 14. September 2018
[4c] https://de.wikipedia.org/wiki/Rakefet-H%C3%B6hle
[4c] https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/als-die-jaeger-sesshaft-wurden/ (Getreidelagerung in der Levante)
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6bekli_Tepe
[6] Journal of Archaeological Science, Dezmeber 2020; „Investigating the function of Pre-Pottery Neolithic stone troughs from Göbekli Tepe – An integrated approach“
(Untersuchung von vorkeramischen Steintrögen der Jungsteinzeit aus Göbekli Tepe – Ein integrierter Ansatz)
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Ohalo_II
[8] WERTH, Prof. Dr. Emil; Grabstock Hacke und Pflug; Ludwigsburg 1954; Seite 227 ff ; ein von mir hoch geschätzter deutscher Agrarwissenschaftler und Ethnologe
[8a] Bierbereitung bei sesshaften Völkern: Ebd., S. 231 ff – Das Brauen von Bier, also das Aufschließen der Kohlenhydrate in Form eines Getränkes, ist bei Werth noch weiter im Zusammenhang mit der Agrargeschichte beschrieben. In Ostasien (z. B. beim Reisbier) geschieht das Umwandeln der Stärke in Zucker durch Pilze (bestimmte Schimmelpilze) oder in der simplen Form und weltweit verbreitet durch das Aufschließen der Stärke durch Speichel. Hierbei werden die Getreidekörner gekaut und das „ausgespuckte“ Ferment anschließend vergoren. Hier im Blog stelle ich diese Methoden sicher noch separat vor.
P.S. Dieses sogeannte Speichelbier (z.B. in den Anden ist es das Chicha), welches vor dem pflügenden Ackerbau üblicherweise bebraut wurde, findet sich in vagen Anklängen sogar unserer nordischen Mythologie wider. So wird im Sagenkreis der Edda erzählt, dass die Götter Kvasir, ein Wesen von großer Weisheit, aus dem Speichel der Æsir und Vanir erschaffen. Nach Kvasirs Tod wird sein Blut mit Honig vermischt, um den Met der Dichtkunst (Óðrerir) herzustellen, ein fermentiertes Getränk, das Dichter inspiriert. Hier ist Speichel ein schöpferisches Element und erinnert vielleicht an das uralte Speichelbier.
[8b] Ebd., S. 59 ff
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Historische_Agrarlandschaft_von_Kuk
[9a] https://en.wikipedia.org/wiki/Kuk_Swamp
[10] JACOMET, Stefanie; Bestimmung von Getreidefunden aus archäologischen Ausgrabungen; Basel 2006
Weitere Literatur:
- https://de.wikipedia.org/wiki/Pflanzerkultur
Lies weitere interessante Artikel hier auf Inhortas.de zum Thema:
- „Weder Jäger-Sammler, noch Bauern-Gesellschaft – Gartenwildbeuter im Schwebezustand“ (9.6.2025)
—
Thomas Jacob, 15.8.2025 (Entwurf 11.8.2025) · Durchgesehen: 11/25
Hallo Thomas,
Zum Bier….
Der Weizen zu dieser Zeit war mit Sicherheit noch kein freidreschender Brot Weizen sondern Emmer / Einkorn (Spelzgetreide, wie auch Gerste) Da das entspeltzen schwierig ist und das Spelzgetreide auch im Spelz gemaelzt weden koennen und damit das aufschliessen des Getreides durch Brauen einfacher ist als durch mahlen und entspelzen!
Lass uns anstossen zum allgemeinen Wohlsein, prost!
Ich lese Deine Publikationen mit Interesse. Ixh lebe und Gaertner im Suedosten Irlands zusammen mit einen Freund unser garten ist ein Selbstversorger-garten =Soziales (Selbst)sichheitsystem. Wir legen grossen Wert auf den Anbau von Bohnen(Eiweiss/Trockenbohnen) Vicia Faba Minor und Major Feuerbohnen (https://www.reinsaat.at/shop/DE/beans/bonela/) und Buschbohnen und Kipflerbohnen(Stangenbohne) Vielleicht koenntest Du mal ueber Trockenbohnen schreiben inclusive fruchtfolge und geschichte wuerde mich interessieren auch der Anbau von Sonnenblumen,(Kernen) Leinsamen und Haselnussen zur Fett und Omega versorgung waere interesant….
Wuensch dir noch ein gutes Garten Jahr
Michael Miklis
Danke, jeder Hinweis ist wertvoll. Ja, das mit diesen frühen Getreiden wird wohl so sein und sie hatten wohl auch die Eigenschaft, dass sie um sehr viel mehr Eiweiß enthielten, als die leicht zu spelzenden. Es waren anfangs vor allem Eiweißlieferanten.
Aber so oder so … das Brauen war demnach einfacher, als das Brotbacken … obgleich man auch schon Getreide-Körner angekeimt verzehrte, was noch einfacher in der Handhabung war.
Das Trockenbohnen-Thema greife ich auf …. demnächst.
P.S. Ich säe jedes Jahr durchaus auch ein immer paar der Stangen-Trockenbohnen neben dem Spargel.
Schöner Samen-Shop (war mir bisher unbekannt)