Bild: Eine einfacher, aber schöner und gern genutzter Spielplatz bei uns um die Ecke. Prinzipiell sollen die Anlagen so geplant sein, dass an einem Gerät möglichst mehrere Kinder spielen können.
Wer Spielplätze oder Kindergärten bepflanzt, steht vor einer großen Verantwortung: Die grüne Umgebung soll nicht nur absolut sicher und ungiftig sein, sondern auch robusten Spielalltag überstehen, Schatten spenden und den Kindern die Natur mit allen Sinnen näherbringen. In diesem Beitrag erfährst du, warum lebendiger Baumschatten jedes Sonnensegel schlägt, wie du trotz Aufsichtspflicht spannende Räume gestaltest und welche ungiftigen Bäume, Sträucher und Stauden sich in der Praxis wirklich bewähren. Inklusive praxiserprobter Pflanzenliste am Ende des Beitrags!
Allgemeine Tipps – was gepflanzt werden sollte
➡️ Und da stehen an erster Stelle die Bäume. Sie spenden nicht nur Schatten, sondern schaffen ein angenehmes Kleinklima, was für Kinder besonders wichtig ist. Ein Sonnensegel ersetzt keinen Baum! Auch wenn einmal mehr Laub gefegt werden muss, Laubbäume sind die erste Wahl für eine Spielplatzgestaltung
Bäume, welche schirmartig das Spielgelände überschatten, bilden zudem ein angenehmes Raumgefühl durch ihren Schutz von oben und die Transparenz von der Seite her, wie es im Bild 2) gut zu sehen ist. In der Gartengestaltung wird der Raum zwar häufig durch grüne Wände wie Hecken, Sträucher und andere Rahmenpflanzungen begrenzt, doch kann das auf öffentlichen Spielplätzen und in Kindergärten nicht ohne weiteres umgesetzt werden.

In der Kindertagesstätte sollte das gesamte Spielgelände schon wegen der Aufsichtspflicht gut einsehbar sein. Lediglich einige, sinnvoll angelegte Plätze können durch Strauchwerk mit seitlichem Sichtschutz versehen werden. Da sollte dann aber auch ein besonderes Augenmerk darauf liegen, damit die Kinder nicht ohne Aufsicht darin spielen. Es sei denn, es handelt sich um kleine Rastplätze, die für gemeinsame Mahlzeiten oder Aktivitäten im Freien vorgesehen sind.

Auf öffentlichen Spielplätzen ist es generell sicherer, wenn das Tun und Treiben gut eingesehen werden kann. Lediglich einige Ziergräser können für eine Rahmenpflanzung Verwendung finden, denn sie bleiben transparent und schirmen das Areal nicht komplett ab. Um dennoch eine besondere Raumwirkungen entstehen zu lassen, kann man einige Bereiche leicht absenken oder, wie schon erwähnt, Bäume mit ausladenden Kronen pflanzen.
Welche Pflanzen verwenden?
Pflanzen, die Veränderung zeigen
Nach den ganz allgemeinen Regeln für die Gestaltung von Kinderspielplätzen mit Pflanzen soll nun noch auf die Eigenschaften der Gewächse selbst eingegangen werden. Dabei finde ich es besonders wichtig, wenn die Kinder an ihnen den Wandel der Natur gut erkennen und erleben können. So stehen Stauden und sommergrüne Laubgehölze an erster Stelle.
Bäume und Sträucher, die im Frühjahr neue Blätter austreiben, Blüten bilden und im Herbst Früchte (siehe unten) und buntes Laub oder Pflanzen mit duftende Blüten und duftendem Herbstlaub (Kuchenbaum) lassen die Jahreszeiten mit allen Sinnen erfassen. Und nicht zuletzt sollte irgendwo im Gelände oder in der Nähe auch eine Kastanie oder eine Eiche stehen, die die von den Kindern heiß ersehnten Früchte liefern.
Robust müssen sie sein … und heiter wirken
Die Pflanzungen müssen aber auch robust sein, denn beim Spiel der Kinder fliegt schon mal ein Ball ins Gebüsch, oder es wird gleich darin Verstecker gespielt. So sind zarte Staudenpflanzungen absolut ungeeignet.

Auch sollte das gepflanzte Grün Freundlichkeit und Heiterkeit ausstrahlen. Der Ranunkelstrauch (Kerria japonica, Bild 5) ist beispielsweise ein Blütenstrauch, der eine solche Ausstrahlung hat. Und Birken (kleine, weißstämmige Arten!) sind meine absolute Empfehlung, denn sie bleiben selbst im Winter ohne Laub freundlich und heiter.
Auch immergrüne Pflanzen dürfen verwendet werden, wenn auch hier die Auswahl nicht zu groß ist, denn die meisten von ihnen wirken düster und geheimnisvoll.

Fichten sind mancherorts sehr typisch für das Landschaftsbild. Sie sind pflegeleicht und nicht giftig. Allerdings muss man bei der Pflanzung von Bäumen, die Harz ausscheiden, darauf achten, dass sie nicht an Sitzgelegenheiten, Spielgeräten und Aufenthaltsorten stehen, denn im Sommer bei großer Hitze können sie schon mal reichlich dieser klebrigen Substanz absondern. Ist es doch einmal passiert, dass Harz auf ein Gartenmöbel getropft ist, kann das mit Fett (Öl, Butter) recht gut wieder entfernt werden.
Welche Bäume für einen Parkplatz geeignet sind, habe ich auf einer gesonderten Seite aufgezählt und beschrieben.
Panaschiertes Laub? Besser nicht.
Ein weiteres gestalterisches Thema sind Pflanzen mit panaschiertem (buntem) Laub. Ich kann nicht genau sagen wieso, doch ich würde in einer Kindertagesstätte keine Pflanzen verwenden, die beispielsweise weiß-grün panaschierte Blätter haben. Vielleicht rührt es von meiner Tätigkeit als Friedhofsmeister und der Tatsache her, dass diese Pflanzen oft auf Gräbern zu finden sind, dass panaschierte Stauden (z. B. Funkien) immer an diese Stätte erinnern.
Es mag einige Pflanzensorten geben, die beispielsweise gelb-grüne Blätter haben und brauchbar sind, man sollte jedoch genau abwägen. Besser sind alle freundlich-grünen Töne, wie sie etwa viele der Ahornarten oder auch Zierkirschen besitzen. Zierpflanzen und -gehölze mit gelben Blättern wirken als einzelne Exemplare angenehmem. Sorten, die rotes oder gar schwarzrotes Laub haben, finde ich absolut ungeeignet, einen Kindergarten zu gestalten.
Auch bei der Auswahl der Heckenpflanzen sollte nach dem gleichen Prinzip vorgegangen werden. Eine entsprechend schöne Zusammenstellung von ungiftigen Heckenpflanzen habe ich auf einer gesonderten Seite zusammengestellt.
Ungiftige Pflanzen für Kindergärten
Wenn ich Pflanzen für Kindergärten und Spielplätze empfehle, muss ich mich natürlich zuvor rechtlich absichern: Bitte beachten Sie, dass alle Infobeiträge über Pflanzen und deren Genießbarkeit ausschließlich der allgemeinen Weiterbildung dienen. Ein Haftungsasuschluss befindet sich am Ende des Beitrags.
Denn nicht immer sind Gewächse, die allgemein als unbedenklich gelten, auch für alle Menschen ungefährlich. Es kann beispielsweise zu allergische Reaktionen kommen, und das nicht nur durch Verschlucken von Pflanzenteilen, sondern beim bloßen Berühren.
Haselnuss. Sie ist tabu!
So wurde ich selbst mit einem Fall konfrontiert, bei dem bei einem Kind der bloße Kontakt mit Haselnuss heftige allergische Reaktionen auslöste. Schon das Berühren der Pflanzenteile war gefährlich.
Mit dieser Erkenntnis müssen wir heute die Haselnuss (Corylus avellana) mit all ihren Ziersorten (Korkenzieherhasel) für Kindergärten und Spielplätze quasi als giftig einstufen, obwohl sie im herkömmlichen Sinne ungiftige Pflanzen sind. Doch der Gefahr, Schadensansprüchen gerecht werden zu müssen, sollten wir uns nicht aussetzen.
Nicht giftig (jeweils Hinweise beachten) sind:
- Ribes alpinum, die Alpenjohannisbeere
- Das Gehölz ist ideal für jeden Boden sowie für Sonne und Schatten, auch als Unterpflanzung unter großen Bäumen. Es lassen sich sehr schöne Hecken schneiden. Der Laubaustrieb ist sehr zeitig, und duftende Blütenstände zieren die Büsche.
- Prunus-Arten, Zierkirschen usw.
- Zierkirschen sind wunderbare Schattenbäume mit Blütenschnee im Mai. Die Liste der verschiedensten Prunus-Arten, die gepflanzt werden können, ist lang. Viele davon sind Obstgehölze: Aprikose, Kirsche, Mandelbäumchen (bildet keine Früchte), Pfirsich, Pflaume, Schlehe, Traubenkirsche, Weichsel, Zwetsche. Sie alle sind ungiftig. Das Innerer der Kerne vom Steinobst ist zwar giftig, doch kann das sicher toleriert werden, in Anbetracht der Tatsache, dass ein Kirsch-, Pflaumen- oder Aprikosenkern sehr schwer zu knacken ist.
- Allerdings: auch Kirschlorbeer zählt zu den Prunus-Arten und seine Blätter und seine Samen sind giftig.
- Amelanchier lamarckii, die Felsenbirne
- Sie kann als strauchartiger Baum (Heister) oder auch als Hochstamm (kleiner Baum) gezogen werden. Das sommergrüne Gehölz ist absolut robust und färbt im Herbst sein Laub wunderschön bunt. Die roten, beerenartigen Früchte sind sehr schmackhaft und gesund und schmecken roh ein wenig nach Heidelbeere. Das durch winzige Kernchen leicht grisselige Fruchtfleisch ist aber nicht jedermanns Sache. Vögel wie Amseln und Sperlinge sind ganz versessen auf die Früchte.
- Malus, der Zierapfel
- Völlig ungiftig und mit Blüten- und Fruchtschmuck reichlich geziert sind Zieräpfel aller Arten und Sorten.
- Acer ginnala, der Feuerahorn
- Die verschiedensten Ahornarten können an einen Spielplatz gepflanzt werden, doch einer der besten für diese Zwecke ist der Feuerahorn. Er kann als Strauch oder kleiner Baum gezogen werden. In jedem Fall wächst er schnell, ist robust und pflegeleicht. Hier im Bild 2) ist er in seiner schönsten Herbstlaubfärbung zu sehen. Werden die Blätter gepresst, kann man daraus wunderschöne Herbstlaub-Girlanden basteln.
- Salix, die Weide
- Weide, besonders die Lockenweide (Salix erythroflexuosa), die kleinere Form der Korkenzieherweide bildet überhängende Baumkronen, unter denen sich die Kinder verstecken können. Zur Thematik der beliebten Weidentunnel ist unten ein kurzes Kapitel zu lesen.
- Böschungen können mit Salix purpurea ‚Nana‘, im Foto 6) zu sehen, bepflanzt werden. Mit Salix purpurea ‚Gracilis‘ lassen sich auch Hecken pflanzen. Das Schnittgut (Weidenruten) bietet bestes Naturmaterial für Bastel- und Flechtarbeiten!

- Cercidiphyllum japonicum, der Lebkuchenbaum
- Hierbei handelt es sich um einen wunderschönen, Freundlichkeit ausstrahlenden Baum. Durch entsprechenden Schnitt kann eine breite Schattenkrone gezogen werden. Sein Laub duftet im Spätherbst intensiv nach Zuckerwatte oder Zuckerkuchen! Er eignet sich jedoch nicht für trockene Standorte.
- Bambus
- Das aus Fernost stammende Gewächs ist groß im Kommen. Allerdings sollte bei der Auswahl genau hingeschaut werden, denn es gibt stark wuchernde Arten. Diese wiederum sind geeignet, um einen kleinen Bambuswald zum Spielen anzulegen. Beispiel: Ein Spielplatz im Schilf- und Bambushain. Die Idee konnte ich auf einer Bundesgartenschau in Augenschein nehmen, wo Bambus und Elefantengras gemischt wuchsen.
- Das Elefantengras (Chinaschilf) ist aber relativ blickdicht. Wer den Bambus-Spielwald transparenter haben möchte, der verwende dazu nur den hochstieligen Bambus. Übrigens: Bambus wirkt immer freundlich und heiter. Als Hecke oder Randbepflanzung können wir ihn ebenfalls einsetzen. Bambussprossen sind essbar, ob sie von allen Sorten gutschmecken, kann ich allerdings nicht sagen.
- Spiraea
- Auch sie sind hervorragend geeignet, mit Heckenpflanzungen Kindereinrichtungen zu gestalten. Das kleinblättrigen Gehölz ist pflegeleicht und robust und kann für Decksträucher und Hangbepflanzung zum Einsatz kommen. Fünf der gebräuchlichsten Spiraea-Ziersträucher habe ich hier beschrieben.

- Cornus, der Hartriegel
- Das Gehölz kann sowohl zum Strauch als auch zum kleinen Baum gezogen werden. Einige Sorten wirken besonders im Winter durch ihre farbenfrohe Rinde: Cornus alba ‚Sibirica‘, im Bild 4) zu sehen, Cornus alba ‚Elegantissima‘, Cornus sanguinea ‚Midwinter Fire‘ oder ‚Winter Beauty‘ bilden kräftig orange bis feuerrote Triebe. Die Kornelkirsche (Cornus mas), ebenfalls zu dieser Familie gehörend, bildet massenweise kleine Früchte aus, die essbar sind, aber nach dem Abfallen unter dem Baum zu starkem Matsch führen können.
- Frühblüher, Zwiebelpflanzen
- Für leuchtende Farbtupfer nach der kalten Jahreszeit sorgen frühblühende Zwiebelgewächse. Da nicht alle ungiftig sind, ist Vorsicht geboten. Tulpen und ganz besonders die Narzissen sind giftig! Hingegen die Krokus-Arten und ebenso die Schneeglöckchen gelten als nur gering giftig. Wobei sich das auf den Verzehr bezieht und nicht auf den Kontakt beim Pflücken.
- Schneeglöckchen (sie gelten wohl auch als leicht gisttig] wirken besonders in der Masse und auch aus der Ferne und sollten entsprechend einen Platz in den von Kinderen unzugänglichen Grünanlagen bekommen.
Mit dem Krokus können wir kleine Krokuswiesen anlegen, wobei darauf geachtet werden muss, dass die Wiese erst nach dem kompletten Abwelken des Krokuslaubs gemäht werden darf. Dem Krokus ähnlich, aber im Herbst blühend, ist die Herbstzeitlose. Sie ist absolut giftig und sollte nicht verwendet werden. - Rosengewächse
- Viele der Rosengewächse sind ungiftig und empfehlenswert für Kindergarten und Spielplatz. Folgende Stauden und Gehölze gehören dazu:
- Acaena – Stachelnüsschen
- Alchemilla – Frauenmantel
- Amelanchier – Felsenbirne
- Aronia – Apfelbeere
- Aruncus – Geißbart
- Chaenomeles – Scheinquitte, Zierquitte
- Crataegus – Weißdorn
- Cydonia – Quitte
- Fragaria – Erdbeere
- Geum – Nelkenwurz
- Kerria – Kerrie
- Malus – Apfel
- Physocarpus – Blasenspiere
- Potentilla – Fingerkraut
- Prunus-Arten – Steinobst
- Pyracantha – Feuerdorn
- Pyrus – Birne
- Rosa – Hagebutte
- Rubus – Brombeere
- Sorbaria – Fiederspiere
- Sorbus aucuparia – Eberersche, Vogelbeere (rohe Früchte der Vogelbeere leicht giftig)
- Spiraea – Spierstrauch
- Stephanandra – Kranzspiere
- Waldsteinia – Golderdbeere
Achtung: Der Kirschlorbeer, der häufig als Heckenbepflanzung zum Einsatz kommt, gehört auch zu den Rosengewächsen. Seine Blätter und Samen sind jedoch giftig.
Cotoneaster, die Zwergmispel ist ein beliebter Bodendecker, der mittlerweile aber als gering giftig eingestuft wird.
Noch einmal das Thema Weide, Weidentipi, Weidentunnel usw.
Wie bereits erwähnt, ist die Weide absolut ungiftig und mittlerweile zur Gestaltung von Spielplätzen absolut beliebt. Man kann mit ihr Spielgeräte aus Weide (geflochtene Weidenruten), aber auch lebende Spielgeräte wie Weidentipi, Weidentunnel oder Weiden-Hochwege pflanzen und entsprechend ziehen.
Sie belassen das Umfeld der Kinder in einer ruhigen Natürlichkeit, verändern sich im Laufe der Jahreszeit und lassen Wachstum hautnah erleben. Jedoch ist ein solches Vorhaben häufig nur ein temporäres Projekt, denn früher oder später wachsen die Weidenruten in den Himmel, wie es das Bild 5) dokumentiert. Nur ein großer Pflegeaufwand hält die lebenden Flechtwerk auf Dauer in Form.


Praktischer als Spielgeräte aus reinem Pflanzenflechtwerk sind da wohl eher Kombinationen aus Holz, Flechtwerk und Pflanzen. Um Kindern die Natur auch aktiv erlebbar zu machen, kann man beispielsweise um ein Grundgerüst aus Holz Rankpflanzen zu säen. Sie durchlaufen im Jahreskreis alle Wachstumsstadien, an denen die Kinder teilhaben.
Selbst Wein (Tafelwein) wird so gepflanzt, dass mit einem jährlichen Rückschnitt der Ranken diese im Frühjahr wieder üppig treiben und Spaliere oder Spielhütten begrünen.
Einjährige Pflanzen zum Säen:
- Kapuzinerkresse – Kletterer
- Kürbisarten – Rankpflanze
- Erbsen (Kapuzinererbsen) – rankt über 2 Meter hoch
Übrigens: essbare Blumen sind ein weiteres Thema, das bei der Arbeit mit Kindern von Interesse sein könnte. Einige wirkungsvolle, ungiftige Blumen für Kindergärten sind:
- Sonnenblume
- Dahlie
- Chrysantheme
- Stiefmütterchen, Bellis und Begonie
- Rosen
Ein wichtiges Umdenken: Warum „alles ungiftig“ auch eine Gefahr sein kann
Nachtrag vom 1. Juli 2026
Es gibt einen Punkt, an dem ich meine gärtnerische Meinung über die Jahre grundlegend revidiert habe. Oft neigt man bei der Planung von Kindergärten dazu, das Areal mit einer Fülle an ungiftigen, essbaren Beerensträuchern (wie Johannisbeeren, Felsenbirnen oder zuckerfreien Frühsorten) zu bestücken, damit die Kinder ausgiebig naschen können. Was gut gemeint ist, birgt jedoch eine subtile, psychologische Gefahr.

Wenn Kinder im geschützten Raum der Kindertagesstätte lernen: „Alles, was hier an Beeren oder bunten Früchten wächst, kann ich mir bedenkenlos in den Mund stecken“, gewöhnen sie sich dieses Verhalten fatalerweise an. Der natürliche Warn- und Schutzinstinkt geht verloren. Außerhalb des Kindergartens – am Waldrand, im Park oder im Nachbargarten – wird dieser Automatismus lebensgefährlich, denn Kinder unterscheiden nicht zwischen einer roten Johannisbeere und den hochgiftigen roten Früchten des Seidelbastes oder der Eibe.
Die klare Trennung: Bastelmaterial ja, Naschen nein
Aus diesem Grund plädiere ich heute für eine strikte gestalterische Trennung im Kindergartenbereich:
- Der Jahreskreis als Anschauung und Werkstoff: Bäume und Sträucher sollten den Wandel der Jahreszeiten zeigen und Früchte liefern, die klar als Spiel- und Bastelmaterial definiert sind. Die Früchte von Kastanien, Eichen oder die „Nasenzwicker“-Samen des Ahorns sind perfekt. Sie laden zum Sammeln, Greifen und Basteln ein, ohne im entferntesten einen kulinarischen Reiz auszüben.
- Der Verzicht auf die „Beeren-Falle“: Auf weithin verstreute Beerensträucher im allgemeinen Spielbereich sollte im Kindergarten verzichtet werden – es sei denn, sie stehen in einem klar abgegrenzten, umzäunten Nutzgartenbereich, der nur gemeinsam mit den Erziehern im Rahmen eines bewussten Gartenprojekts betreten wird.
Im freien Spielgelände gilt: Keine bunten Verlockungen, die zum unkontrollierten Mustern und Schmecken verleiten. So lernen Kinder von klein auf die wichtigste gärtnerische Grundregel für das spätere Leben: Früchte in der Natur werden niemals ungefragt in den Mund gesteckt.
Fazit: Bepflanzungen auf Spielplätzen und in Kindertagesstätten müssen ausnahmslos ungiftig, robust und auf die pädagogischen sowie aufsichtsrechtlichen Anforderungen abgestimmt sein.
Wichtigste Funktion: Natürlicher Schatten durch ausladende Laubbäume ist künstlichen Beschattungen (Sonnensegeln) aus mikroklimatischen Gründen immer vorzuziehen.
Sichtachsen & Aufsicht: Aufgrund der Aufsichtspflicht muss das Gelände gut einsehbar bleiben. Statt blickdichter Hecken sollten transparente Elemente (z. B. Ziergräser) oder vertikale Strukturen (Bäume mit schirmartiger Krone, Stelzenhäuser) genutzt werden.
Pädagogischer Wert: Bevorzugt werden sommergrüne Laubgehölze, die den Jahreskreis anzeigen. Um einen gefährlichen Gewöhnungseffekt („Jede Beere ist essbar“) zu vermeiden, sollte im freien Spielbereich auf Beerensträucher verzichtet werden. Früchte von Kastanien, Eichen und Ahorn dienen als reines Bastel- und Spielmaterial.
Robustheit: Filigrane Pflanzen sind ungeeignet; das Grün muss mechanischen Belastungen (Bälle, Versteckspiele) standhalten.
Quellen und Hinweise
- Primärquelle: www.gizbonn.de/284.0.html Liste der Informationszentrale gegen Vergiftungen, Zentrum für Kinderheilkunde, Universitätsklinikum Bonn; Stand: Februar 2018
- EISELT, M. G. / SCHRÖDER R.; Laubgehölze; Leipzig · Radebeul, 1977
[TJ.6.17] I Bilder und Text: Thomas Jaocb, 18.02.2018 auf derkleinegarten.de veröffentlicht, seit 1.7.2026 auf inhortas.de
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