Bild: Am Ende der Eiszeit, vor ca. 12.800 Jahren kollidierte die Erde vermutlich mit den Bruchstücken eines ursprünglich 50 bis 100 Kilometer starken Kometen, bzw. mit dessen Wolke aus dessen scharfkantigen Fragmenten, Eisbrocken und Staub. Mit dieser Katastrophe starben vermutlich auch alle großen Landsäugetiere aus.
Heute möchte ich hier auf Inhortas.de ein wirklich bemerkenswertes YouTube-Video vom 11. Juni 2026 [1] archivieren – genauer gesagt einen qualitativ sehr hochwertigen Video-Podcast. Eine Kopie des Videos befindet sich in meinem privaten Video-Archiv [Xs94KBeIiAo]. Der Inhalt wird hier mit einem vorangestellten Kommentar festgehalten. Damit komme ich auch schon zur Sache.
Graham Hancock und sein Konflikt mit der Archäologie
Graham Hancock (*1950) ist ein britischer Autor, der durch populärwissenschaftliche Bücher über historische Rätsel und alternative Geschichtshypothesen internationale Bekanntheit erlangte.
Während seine Thesen über eine verlorene Ur-Zivilisation auf Plattformen wie YouTube oder Netflix ein Millionenpublikum erreichen, steht er seit Jahrzehnten in scharfem Konflikt mit der akademischen Archäologie. Diese weist seine Theorien aufgrund fehlender materieller Belege und methodischer Einwände weitgehend als spekulativ zurück.
Einerseits nimmt Hancock in diesem Interview ausführlich zu dieser Kritik Stellung. Andererseits zeigt das Gespräch eine sehr persönliche Seite dieses Privatforschers, die mir bislang nicht bekannt war.
Mit deutscher KI-Sprache hier direkt auf You-Tube → → →
Warum mich das Thema interessiert
Für mich ist Hancocks Hypothese – und damit dieser gesamte Vodcast – deshalb interessant, weil ich sie als Arbeitshypothese keineswegs von vornherein für unplausibel halte. Damit stehe ich nicht allein.
Über einige der Themen, die Hancock hier anspricht, habe ich auf Inhortas.de bereits selbst geschrieben. Dazu gehören etwa die Atlantis-Hypothese von Prof. Helmut Tributsch oder die Arbeiten von Prof. Dr. Emil Werth zur Entstehung der Landwirtschaft in den Tropen vor mehr als 15.000 Jahren. Der heute weitgehend vergessene deutsche Botaniker, Phänologe, Ethnologe, Geograph und Agrarwissenschaftler veröffentlichte seine Überlegungen 1954 in seinem monumentalen Werk Grabstock, Hacke und Pflug.
Hancocks Überlegungen knüpfen zudem an die wissenschaftlich kontrovers diskutierte Jüngere-Dryas-Einschlagshypothese (Younger Dryas Impact Hypothesis) [2] an. Diese wurde 2007 von einem Forschungsteam um Richard Firestone formuliert. Nach dieser Hypothese könnte der Einschlag eines fragmentierten Kometen vor rund 12.800 Jahren globale Waldbrände, eine abrupte Klimaverschlechterung und das Verschwinden großer Teile der eiszeitlichen Megafauna ausgelöst haben.
Während diese geologische Hypothese bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Debatten ist, geht Hancock einen entscheidenden Schritt weiter: Er vermutet, dass eine solche Katastrophe zugleich eine fortgeschrittene menschliche Kultur vernichtet haben könnte. Genau an diesem Punkt endet allerdings die empirische Grundlage. Die akademische Archäologie betrachtet diesen Teil der Theorie daher als reine Spekulation.
Ein Gedanke zur akademischen Autorität
Was mich dabei gelegentlich irritiert, ist weniger die Kritik an Hancock als vielmehr deren oft missionarischer Tonfall.
Wenn Wissenschaftler eine Hypothese zurückweisen, ist das selbstverständlich ihr gutes Recht – und häufig auch ihre Pflicht. Wissenschaft lebt schließlich von Kritik. Dennoch frage ich mich manchmal, welchen absoluten Wahrheitsanspruch manche Stimmen für sich reklamieren.
Immerhin finden sich innerhalb derselben akademischen Welt heute Forschungsfelder, in denen ernsthaft darüber diskutiert wird, ob der Mensch über fünfzig oder mehr Geschlechtsidentitäten verfügt. Vor diesem Hintergrund erscheint mir eine gewisse intellektuelle Bescheidenheit durchaus angebracht.
Doch sei es drum.
Hier folgt meine Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte aus dem Interview mit Graham Hancock im Podcast The Diary Of A CEO.
Persönlicher Hintergrund und die Dringlichkeit des Gesprächs
Graham Hancock erklärt zu Beginn, dass dieses Interview möglicherweise eines seiner letzten sein könnte. Er steht kurz vor einer schweren Herzoperation und möchte sicherstellen, dass seine Sicht auf sein Lebenswerk dokumentiert wird, bevor ein seit Jahren vorbereiteter kritischer Artikel über ihn erscheint.
Er wehrt sich gegen den Vorwurf, ein Betrüger oder Schwindler zu sein, und betont seine mittlerweile mehr als drei Jahrzehnte andauernde Leidenschaft für seine Forschungen [00:12:35].
Die Theorie einer verlorenen Zivilisation
Hancock beschreibt die Menschheit zu Beginn als eine „Spezies mit Amnesie“.
Entgegen der heute vorherrschenden Auffassung, dass die ersten Hochkulturen vor etwa 6.000 Jahren entstanden, hält er die Existenz einer wesentlich älteren, global vernetzten Kultur für möglich.
Diese habe zunächst ein friedliches „goldenes Zeitalter“ erlebt, sei später jedoch dekadent geworden und schließlich durch eine globale Katastrophe nahezu ausgelöscht worden.
Mythen als Speicher historischen Wissens
Besonders scharf kritisiert Hancock den Umgang der etablierten Geschichtswissenschaft mit alten Überlieferungen.
Weltweit auftretende Flutmythen – von der biblischen Sintflut bis zu Platons Atlantis – werden seiner Ansicht nach vorschnell als Aberglaube oder als Erinnerungen an lokale Überschwemmungen abgetan [00:04:55].
Für Hancock stellen solche Erzählungen vielmehr Fragmente eines kollektiven Menschheitsgedächtnisses dar [00:05]. Zudem verweist er auf Forscher, die in antiken Mythen und Symbolsystemen verschlüsselte astronomische Kenntnisse erkennen wollen, etwa Hinweise auf die Präzession der Äquinoktien [00:05].

Hancock erwähnt auch das sogenannte mehr oder weniger lokale 8.2-Ereignis (6.200 BC), bei dem in Nordamerika nach der Eiszeit ein vom Gletscher eingeschlossenes Binnenmeer gebildet hatte, welches aufbrach und sich in den Golfstrom ergoss.
Geologische Indizien
Als zentrales Argument verweist Hancock auf die sogenannte Jüngere-Dryas-Grenze (Younger Dryas Boundary) [00:19].
Dabei handelt es sich um eine geologische Schicht, in der erhöhte Konzentrationen von Ruß, geschmolzenen Partikeln und Nanodiamanten gefunden wurden. Befürworter der Einschlagshypothese sehen darin Hinweise auf kosmische Einschläge und großflächige Brände [00:19].
Darüber hinaus verweist Hancock auf historische Kartenwerke, die seiner Ansicht nach Kenntnisse über Regionen und geographische Zusammenhänge erkennen lassen, welche nach offizieller Darstellung erst deutlich später bekannt gewesen sein sollen [00:18:48].
Die versunkenen Landschaften der Eiszeit
Ein besonders interessanter Teil des Gesprächs betrifft die überfluteten Küstenlandschaften der letzten Eiszeit.
Hancock berichtet von jahrzehntelangen Tauchgängen, bei denen er und seine Frau Strukturen dokumentierten, die sie für menschengemacht halten [01:54].
Am Ende der Eiszeit stieg der Meeresspiegel dramatisch an. Millionen Quadratkilometer einst bewohnbaren Landes verschwanden unter den Ozeanen [01:54]. Hancock vermutet deshalb, dass wichtige Kapitel der frühen Menschheitsgeschichte heute buchstäblich auf dem Meeresgrund liegen [01:55].
Dieser Gedanke erscheint mir unabhängig von der Frage nach Atlantis durchaus bedenkenswert.
Schamanismus und veränderte Bewusstseinszustände
Zum Ende des Interviews spricht Hancock über seine Forschungen zu Ayahuasca, Psilocybin und anderen schamanischen Traditionen [01:55].
Er vermutet, dass die erstaunlichen Ähnlichkeiten vieler prähistorischer Höhlenmalereien auf vergleichbare visionäre Erfahrungen zurückgehen könnten. Schamanen hätten diese Bilder in veränderten Bewusstseinszuständen erlebt und anschließend an Felswänden dargestellt [01:55].
Ob diese Deutung zutrifft, sei dahingestellt. Interessant ist sie allemal und auch ich habe die Vermutung, dass die uns noch wenig verständlichen Bauwerke der Megalithiker oder offensichtlich noch ältere unterirdische Anlagen (siehe Forschungen von Dr. Heinrich und Ingrid Kusch) aus dieser Perspektive betrachtet werden sollten. Waren das Orte, an denen visionäre Erfahrungen zelebriert wurden?
Über den Podcast
Steven Bartlett (*1992) ist britischer Unternehmer, Investor und Content Creator.
Sein YouTube-Kanal The Diary Of A CEO zählt mit über 17 Millionen Abonnenten zu den erfolgreichsten Interview-Formaten im englischsprachigen Raum. Das Format verbindet die inhaltliche Tiefe klassischer Podcasts mit einer aufwendig produzierten Videoumsetzung und kann damit als Paradebeispiel eines modernen Vodcasts gelten.
Bartlett führt dort regelmäßig mehrstündige Gespräche mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Psychologie, Kultur und Gesellschaft.
Schlussgedanke
Vielleicht liegt die eigentliche Bedeutung von Graham Hancock gar nicht darin, dass er recht hat.
Vielleicht liegt sie darin, dass er an Stellen gräbt, an denen andere längst Schilder aufgestellt haben:
„Frage geklärt.“ oder:
„Weiterdenken nicht erforderlich.“ oder:
„Selber denken nicht erwünscht … es muss doch uns Akademikern vorbehalten bleiben, denn wir gehen sparsamer damit um…“
Die Geschichte der Wissenschaft ist voller Irrtümer. Sie ist aber ebenso voller Gewissheiten, die später zu Irrtümern wurden.
Henry David Thoreau schrieb einmal sinngemäß, dass es nicht so wichtig sei, was wir ansehen, sondern was wir sehen.
Wer die Vergangenheit verstehen will, sollte deshalb weder jede Spekulation glauben noch jede Ungewissheit fürchten. Denn manchmal beginnt Erkenntnis genau dort, wo die Mehrheit bereits aufgehört hat zu fragen.
Quellen und weitere Hinweise
[1] Der Titel vom Video lautet etwas einseitig: Brisant! Antarktis 300 Jahre vor uns entdeckt? Graham Hancock enthüllt! (veröffentlicht 11.06.2026)
Siehe zum Antartisthema, welches im Video auf [17:23] zu finden ist auch:
GÖRLITZ, Dr. Dominique; Neue Befunde zur Antarktis-Kartographie – Dr. Dominique Görlitz – A.A.S. ONE DAY MEETING 2022 (Vortrag auf YouTube)
[2] Die Bezeichnung „Dryas“ leitet sich von der botanischen Gattung Dryas (insb. Dryas octopetala, dt. Achtblättrige Silberwurz) ab. Dabei handelt es sich um eine krautige Pflanze, die typisch für die arktische Tundra ist. Da ihre fossilen Überreste und Pollen im frühen 20. Jahrhundert in skandinavischen Moorsedimenten als charakteristische Leitfossilien für diese spezifischen Kältephasen identifiziert wurden, benannte man die entsprechenden Epochen des Spätglazials (Älteste, Ältere und Jüngere Dryaszeit) nach ihr.
[2b] POWELL, James Lawrence; pmc.ncbi.nlm.nih.gov; Premature rejection in science: The case of the Younger Dryas Impact Hypothesis (Vorzeitige Ablehnung in der Wissenschaft: Der Fall der Jüngeren Dryas-Impakthypothese); 2022
[2c] Grokipedia: Younger Dryas impact hypothesis
Übrigens: Was den Absturz von Kometen-Teilen betrifft, die theoretisch auch ein Zeit lang wie eine Art Monde um die Erde kreisten, erinnere ich mich an jüdische Mythen, über die ich vor Jahrzehnten in der Literatur von Hanns Hörbiger (1860–1931) zu seiner “Welteislehre” las. Darin wurde beschrieben, dass sich der Mond (oder halt ein Kometenfragment) irgendwann einmal rückwärts auf seiner Bahn bewegte und dann abstürzte. Ich werde das nochmal recherchieren. Ähnliches findet sich wohl auch in der Literatur (Welten im Zusammenstoß, 1950) von Immanuel Velikovsky (1895-1979) oder bei Hans Schindler Bellamy (1901–1982) in seinem Buch Moons, Myths and Man, 1936.