Perllauch (Perlzwiebel). Eine nützliche Anbauanleitung aus dem Jahre 1788.

Landjäger Garten im 18. Jahrhundert

Bild: „In des Landjägers Garten sahe ich noch ein artiges Gewächs, …“

Die Perlzwiebel, beziehungsweise der Perllauch (Allium ampeloprasum ampeloprasum Pearl-Onion Group), ist ein Zwiebelgewächs, welches ich bereits verschiedentlich beschrieben habe. Unten in den Quellenangaben sind die wichtigsten Beiträge dazu gelistet. Der Unterschied zwischen Perllauch und Perlzwiebel ist hier erklärt. In der Praxis sind die Begriffe oft vermischt, was uns hier jedoch nicht stören sollte.

 

Perllauch-Zwiebeln Allium ampeloprasum
Perllauch-Zwiebeln verschiedener Größe. Sie sind nahe mit dem Knoblauch verwand, schmecken aber mehr nach Küchenzwiebel.

Unübertroffen bleibt jedoch eine sehr kurzgefasste und trotzdem leicht romantisch gefärbte Beschreibung der Perlzwiebel nebst Anauanleitung und Verwednung in der Küche. Ich fand sie im online einzusehenden Buch der 6. Harzreise: „Sechste Harzreise · Zum Nutzen und Vergnügen der Jugend · Band 6 von Johann August Ephraim Goeze · Leipzig 1788; Seite 154

 


Die Zeilen Pfarrer J. A. E. Goezes  sind selbsterklärend:

«In des Landjägers Garten sahe ich noch ein artiges Gewächs, das er die Perlzwiebel nannte.

Er hat es mit aus der Mark [Brandenburg] gebracht.

Es ist eine angenehme und wohlschmeckende Würze für alle Suppen.

Man thut sie zuletzt an das Rindfleisch; aber nicht im Anfange, weil sie sonst leicht verkochen.

Um Michaelis [29.9.] aus werden sie gesteckt.

Das Land muß etwas Sand haben.

Um Jacobi im Julius [25. Juli] sind sie reif, werden ausgehoben, die besten behalten; die kleinsten aber, nach abgezogener Außenhaut, wieder gesteckt.»

 

Perllauch zentimetergroße Steckzwiebeln
Ein praktisches Lauchgemüse. Es liefert die Steckzwiebeln gleich mit. Die Pflanzung ab Sommer wird geraten … bis Dezember ist sie möglich. Gepflanzt wird auf 3,5 bis 4 cm Abstand. Wird enger gesetzt entsteht eine Art „Winterschnittlauch“.

Erläuterungen

Johann August Ephraim Goeze (1731–1793) war eine typische Persönlichkeit der späten Aufklärung in Deutschland, die zwei Hauptbereiche vereinte. Er studierte Theologie an der Universität Halle und verbrachte den größten Teil seines Lebens als lutherischer Pastor in Quedlinburg. Er stieg dort bis zum ersten Hofdiakon an der Stiftskirche auf.

Goeze war ein autodidaktischer Naturforscher und äußerst produktiver Zoologe und Entomologe. Er schrieb viele allgemeinverständliche Werke, wie die „Harzreisen“ und andere Bücher, die Naturkunde und allgemeine Lebensweisheit für ein breiteres Publikum zugänglich machten.

[Übrigens war er der jüngere Bruder des berühmten, streitbaren Theologen Johann Melchior Goeze, der für seine Auseinandersetzung mit Gotthold Ephraim Lessing bekannt geworden ist. Ursache des wissenschaftlichen Streites waren Lessings veröffentlichte Auszüge aus einem aufgefundenen unvollendeten Manuskript des Hamburger Professors Hermann Samuel Reimarus (1694–1768), die sogenannten „Fragmente eines Ungenannten“. Reimarus der „Wegbereiter der Bibelkritik“ argumentierte in den Fragmenten, dass das historische Fundament der Bibel – insbesondere die Wunder und die Auferstehung – unzuverlässig sei und die biblische Geschichte von den Jüngern absichtlich manipuliert wurde.]

Winterschnittlauch
Perllauch in seiner Funktion als Winterschnittlauch. Wir erhalten ihn, wenn wir kleinere Zweibelchen dichter pflanzen.

Landjäger: Der Landjäger war höchstwahrscheinlich ein Revierförster oder Waldhüter mit polizeilichen Befugnissen. Er lebte im eigenen Waldhaus [vielleicht in einem solchen einem Forstdienstgebäude → Link folgen], hatte einen Gemüsegarten und war in die lokale Gesellschaft eingebunden. Er war derjenige, der die Ordnung der Obrigkeit im Wald durchsetzte und gleichzeitig ein naturverbundenes Leben führte.

25. Juli. Jacobi (oder der Jakobitag) im Monat Juli (Julius) ist der 25. Juli. Dieser Tag ist im christlichen Kalender dem Apostel Jakobus dem Älteren (Jacobus Maior) gewidmet. Der Jakobitag ist ein traditioneller Lostag im Kalender, der früher große Bedeutung für die Landwirtschaft hatte.

Solch ein Lostag ist ein traditioneller Kalendertag, dem nach altem Volksglauben oder bäuerlichen Regeln eine besondere Bedeutung für das Wetter, die Ernte oder den Verlauf des kommenden Jahres zugeschrieben wird. Beispiele sind Siebenschläfer, Lichtmess oder St. Martin.

Traditionell musste zum Jakobitag in vielen Regionen die Heuernte abgeschlossen sein, und die Getreideernte (besonders die Gerste) begann oder stand unmittelbar bevor.

Quellen

Hier eine Quellenstudie (PDF) von mir:
JACOB, Thomas; Die Erzeugung der Perlzwiebel. Fachbeiträge der Jahre 1874 bis 1894. Quellenpublikation und Arbeitspapier von Thomas Jacob.; Dohna, 14.11.2023

https://de.wikipedia.org/wiki/ Johann_August_Ephraim_Goeze

weiteres Quellenmaterial folgt

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