Bild: Anfang März gesät. Anfang April pikiert. Spätestens jetzt müssen sie in die Erde aufs Beet.
➡️ Der 20. April ist in meiner Häuslerwirtschaft [1] – und besonders im Selbstversorgergarten – ein markanter Termin. Ähnlich bedeutsam sind auch der 20. März, der 20. Mai und, mit besonderem Gewicht, der 20. Juli [2]. Doch hier soll es beim April bleiben.
Vollfrühling – ein Datum aus der Natur gelesen
Wir befinden uns um diese Zeit im beginnenden Vollfrühling. Phänologisch ist dies jene Phase, die mit der Blüte der Süßkirschen einsetzt. Der phänologische Kalender – der sich nicht nach abstrakten Daten, sondern nach der tatsächlichen Entwicklung der Vegetation richtet – unterteilt das Frühjahr bekanntlich in Vorfrühling, Erstfrühling und Vollfrühling.
Der 20. April liegt damit nicht zufällig, sondern folgerichtig in einer Phase des Übergangs: Die Natur hat endgültig „umgeschaltet“.

Der eigentliche Wendepunkt im Selbstversorgergarten
Für den Selbstversorger ohne Gewächshaus, der seine Kulturen ausschließlich im Freiland führt, markiert dieser Termin einen praktischen Einschnitt:
Die ersten frischen Gemüse lösen die Lager- und Wintergemüse ab.
Gleichzeitig endet die Phase, in der man noch zuverlässig direkt vom Beet ernten kann, was über den Winter standgehalten hat. Dazu zählen:
- Grünkohl
- Pastinake
- Schwarzwurzel
Hier zeigt sich bereits eine versteckte Dramatik des Gartenjahres: Das Alte tritt ab, das Neue ist noch nicht ganz etabliert – und doch beginnt genau in diesem Zwischenraum die eigentliche Fülle.
Die besondere Überschneidung: Schwarzwurzel und Spargel
Mit dem 20. April setzt – relativ unabhängig von kurzfristigen Witterungsschwankungen – die Spargelsaison ein, sofern man nicht künstlich verfrüht.

Damit entsteht ein kurzes, aber bemerkenswertes Zeitfenster:
Die Ernte von Schwarzwurzel und Spargel überschneidet sich.
Die Schwarzwurzel, oft zu Recht als „Spargel des Winters“ bezeichnet, kann dabei noch ohne Qualitätsverlust geerntet werden, selbst wenn sie bereits kräftiges Laub oder erste Blütentriebe zeigt. Das ist keineswegs selbstverständlich unter den Wurzelgemüsen und macht ihren besonderen Wert aus.
Zwar wäre eine Ernte bis in den Mai hinein möglich. Doch in der Praxis spricht zweierlei dagegen:
Zum einen wird jeder Quadratmeter für neue Kulturen benötigt. Zum anderen tritt – ganz nüchtern – eine gewisse Sättigung ein. Selbst Delikatessen verlieren ihren Reiz, wenn sie zur täglichen Selbstverständlichkeit werden.
Ein ähnlicher Effekt zeigt sich später auch beim Spargel: Nach etwa zwei Monaten intensiver Nutzung endet die Saison um den 24. Juni, ohne dass dies als Verlust empfunden wird.
Erste Frischgemüse des Jahres
Neben dem Spargel treten nun die ersten frischen Kulturen hinzu:
- Spinat (Aussaat Anfang März)
- Radieschen (früh im unbeheizten Gewächshaus gesät)
- junger Porree (eine besondere Delikatesse dieser Zeit)
- Schnittknoblauch
- erste Rhabarberstangen
Hier beginnt sich das Spektrum der Ernährung sichtbar zu erweitern – nicht schlagartig, sondern in einem allmählichen, fast tastenden Übergang.


Aussaaten – mit Blick auf den Juni
Der 20. April ist nicht nur Ernte-, sondern zugleich ein entscheidender Aussaattermin:
- Zucchini werden jetzt ausgesät, mit dem Ziel einer Vollernte ab etwa dem 20. Juni.
- Buschbohnen (z. B. ‘Eisbohne’) können ab diesem Datum in kleiner Menge gelegt werden. Eine Abdeckung – etwa mit Folie – ist ratsam, insbesondere bei kühler Witterung oder Spätfrostgefahr. Auch hier zielt alles auf eine Ernte um den 20. Juni.
Für die Schwarzwurzel erstreckt sich das optimale Aussaatfenster vom 1. bis zum 20. April. Ihre rasche Keimung erlaubt eine Kontrolle nach etwa zehn Tagen. Fehlstellen können so rechtzeitig nachgesät werden, ohne dass dies später Ertragseinbußen verursacht.
Pflanzarbeiten – der Übergang ins Wachstum
Die im März vorgezogenen Kulturen werden nun ins Freiland überführt:
- Kopfsalat
- Spargelsalat
- verschiedene Kohlarten (Kohlrabi, Brokkoli, Spitzkohl u. a.)
Hier zeigt sich ein weiteres Prinzip des Selbstversorgergartens:
Die Zeitfenster sind eng, aber sie greifen präzise ineinander.
Sonstiges
Hühner
Mit dem Anwachsen der Jungtiere im Bau steigt beim Rotfuchs (Rotfuchs) der Nahrungsbedarf sprunghaft an. Ab etwa Mitte April intensivieren die Elterntiere ihre Jagdaktivität deutlich (sie jagen nun beide für die Jungen) und verlegen sich dabei auch verstärkt auf leicht erreichbare Beutequellen wie Hausgeflügel.
Insbesondere ungesicherte Hühnerhaltungen geraten in dieser Phase vermehrt in den Fokus, bzw. kannst du davon ausgehen, dass sie schon seit Wochen unter rgelmäßiger Beobachtung der heimischen Raubtieren stehen, die zudem an den Gehegen ständig nach Schwachstellen suchen.

Imkerei
Auch für den Hobby-Imker ist jetzt das zeitabhängige Arbeiten angesagt. Mit der Blüte der Süßkirsche (Süßkirsche) beginnt in vielen Regionen die erste nennenswerte Tracht, sodass die Völker rasch an Raum gewinnen müssen.
Das rechtzeitige Aufsetzen des Honigraums verhindert Schwarmstimmung und ermöglicht zugleich die saubere Trennung von Brut- und Honigbereich.
Mein heutiges Fazit
Der 20. April ist kein festes Datum, sondern ein verlässlicher Hinweis. Er zeigt an, dass sich die Kräfteverhältnisse im Garten verschoben haben – weg vom Bewahren, hin zum Wachsen.
Wer sich danach richtet, arbeitet nicht gegen die Natur, sondern mit ihr. Und vielleicht liegt genau darin die einfachste Form von Gärtnerkunst: den richtigen Zeitpunkt zu erkennen – und dann nicht mehr zu zögern.
Literatur und Hinweise
[1] Häuslerwirtschaft: Der Begriff wird hier bewusst anstelle von „Selbstversorgergarten“ verwendet. Während letzterer vor allem den Garten als Ort der Eigenversorgung bezeichnet, meint „Häuslerwirtschaft“ die umfassendere Einheit von Haus, Garten, Vorratshaltung und Nutzung. Er verweist damit auf eine kleinräumige, funktional geschlossene Wirtschaftsweise, wie sie historisch für Häuslerstellen typisch war, und schließt über den reinen Anbau hinaus auch Verarbeitung, Lagerung und saisonale Nutzung ein.
[2] Am 20. März säe ich Auberginen, Paprika und Knollensellerie; Tomaten am 1. April. Am 20. Mai werden Beetgurgen optimal gesät, Rosenkohl gepflanzt und am 20. Juli der Chinakohl. Der 20. Juli ist der Tag, an dem letztmalig Buschbohnen gesät werden können.
[3] Lies hierzu auch meinen Artikel auf derkleinegarten.de: Narzissen zum Verwildern für eine Osterglocken-Wiese