Spargelgemüse

[Übersicht: Spargel selber anbauen]

🌱 Wenn ich gelegentlich sage, dass ich als Selbstversorger gewissermaßen gezwungen bin, ab April zwei Monate lang aus „Armutsgründen“ Spargel zu essen, dann ist das nicht nur ein Scherz.

Es beschreibt eine Erfahrung, die sich im eigenen Garten ganz nüchtern einstellt: Der April ist kein Monat der Fülle. Der Nutzgarten ist zu dieser Zeit arm an frischem Gemüse – zumindest dann, wenn man auf Gewächshauskulturen verzichtet.

Was bleibt, ist überschaubar.

 


Noch vor dem Spargel ernten wir überwinterte Schwarzwurzeln oder Haferwurzeln, dazu Grünkohl und mit etwas Glück die letzten Stangen Winterporree. Die Pastinaken sind zu diesem Zeitpunkt meist schon grob geworden. Es gibt etwas frisch getriebenen Meerkohl – aber in kleinen Mengen.

Verlässlicher sind Schnittlauch und der junge Austrieb der Winterheckzwiebeln. Und dann – schließlich – beginnt der Spargel.

Und genau um ihn geht es in diesem Beitrag.

 

Winterheckzwiebel
Winterheckzwiebeln Anfang April. Ein ertragreiches Würzgemüse.

Nur Spargel gibt reichlich und sicheren Ertrag:

Eine unscheinbare Konstanz

Wer Spargel im eigenen Garten kultiviert, erlebt eine Besonderheit, die man leicht übersieht, solange man sie nicht selbst erfahren hat.

Wir verfügen über eine gut acht Meter lange Reihe Bleichspargel und einige Meter Grünspargel. Es ist eine einfache Anlage, aber sie folgt einer eigenen Logik: Der Grünspargel beginnt früh und verlässlich, oft schon dann, wenn im Garten sonst noch wenig geschieht. Später zieht der Bleichspargel nach und trägt die Ernte weiter.

So ergibt sich – bei günstiger Witterung – eine bemerkenswerte Kontinuität. Im Durchschnitt etwa 500 Gramm pro Tag.

Kein Überfluss. Aber Verlässlichkeit.

Und genau darin liegt das Entscheidende.

Die Lücke im Frühjahr

Betrachtet man den Garten unter dem Gesichtspunkt der Selbstversorgung, zeigt sich schnell die erwähnte Lücke, die kaum zu schließen ist.

Im Frühjahr ist das Angebot begrenzt. Es gibt überwinterte Schwarzwurzeln, etwas Mangold, Spinat. Gegen Ende Mai kommen Schnittsalate hinzu, Puffbohnen, vielleicht einige Radieschen, junge Kohlrabi oder Zuckerschoten. Wer Glück hat, erntet Knoblauchblüten.

Erst mit dem Juni beginnt die eigentliche Fülle: Frühkartoffeln, Brokkoli, weiterer Kohlrabi, Spargelsalat, junger Knoblauch … und erst nachher legen die Sommergemüse los…

Bis dahin jedoch bleibt vieles knapp.

 

Spargel, Zuckerschoten und Knoblauchblüten
Von Mitte April bis Mitt Juni ist Spargel das zuverlässigste Gemüse im Hausgarten überhaupt! Im Bild Ende Mai mit Zuckerschoten und Knoblauchblüten.

 

Spargel, Salatgurken und ein Brokkoli
Etwa ab Mitte Juni gibt es dann schon etwas Kohlgemüse und Salatgurken und erst dann beginnt die Zeit der typischen Tropengemüse, wie Zucchini, Bohnen, Tomaten usw… der Spargelanbau im Hausgarten erfüllt also einen wichtigen Zweck!

Die Illusion der Fülle

Was wir im Handel als selbstverständliches Frühjahrsgemüse wahrnehmen, gehört meist nicht in diese Wirklichkeit. Es stammt aus Gewächshäusern oder aus wärmeren Regionen.

Der eigene Garten kennt diese Fülle nicht – zumindest nicht ohne technischen Aufwand.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Spargel in einem anderen Licht.

Er ist die einzige Kultur, die über Wochen hinweg ohne besondere Maßnahmen eine kontinuierliche, nennenswerte Ernte liefert. Nicht spektakulär, aber tragfähig.

Und vielleicht erklärt sich von hier aus auch ein Gedanke, der zunächst widersprüchlich klingt: Wer ernsthaft versucht, sich zumindest teilweise selbst zu versorgen, wird den Spargel anders sehen.

Eine Frage der Perspektive

In letzter Zeit begegnet man gelegentlich der Auffassung, sein Anbau sei ein unnötiger Aufwand oder gar eine Verschwendung von Ressourcen [1]. Man kann das so sehen – aus einer Perspektive, in der Lebensmittel jederzeit verfügbar sind.

Doch wer sich einmal in die Lage versetzt, über Wochen hinweg mit dem auszukommen, was der eigene Garten tatsächlich hergibt, wird die Dinge anders gewichten.

Schlussgedanke

Vielleicht wäre es lohnender, sich dieser Erfahrung zumindest gedanklich zu nähern: zwei Monate lang Spargel essen zu müssen – nicht aus Luxus, sondern aus Mangel an Alternativen.

Oder anders gesagt:
Der Wert des Spargels zeigt sich nicht im Überfluss, sondern in seiner Verlässlichkeit.

Literatur und Ergänzungen

🌱Zählpixel Autor und Bildmaterial: Thomas Jacob; Erstveröffentlichung am 17.4.2024, überarbeitet am 9.4.2026

[1] P.S. Bei Recherchen zum Beitrag stieß ich auf einen recht kuriosen Spiegel-Artikel aus 2019, der aber ernst gemeint ist (Wohlstandswerwarlosung):
STOCKOWSKI, Margarete; Der Spargelkult muss enden; 22.04.2019

 

Related Posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert